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07.11.2013

17:14 Uhr

Snowden-Vertraute

Berlin – Zuflucht für Enthüller

Die Snowden-Helferin Sarah Harrison lässt sich in Berlin nieder. Die Journalistin sagt, sie setze Vertrauen in Deutschland. Das hatten auch die Enthüller Greenwald und Poitras. Die SPD will die Britin Harris vernehmen.

Wich bislang nicht von Snowdens Seite: Wikileaks-Aktivistin Sarah Harrison mit dem ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter. Sie blieb auch im Transitbereich des Moskauer Flughafen Scheremetjewo (Foto vom Juli) stets bei dem 30-Jährigen. Jetzt ist sie in Berlin. dpa

Wich bislang nicht von Snowdens Seite: Wikileaks-Aktivistin Sarah Harrison mit dem ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter. Sie blieb auch im Transitbereich des Moskauer Flughafen Scheremetjewo (Foto vom Juli) stets bei dem 30-Jährigen. Jetzt ist sie in Berlin.

London, BerlinSie soll nur wenig älter als 30 Jahre sein und hält zwei von der mächtigen US-Regierung dringend gesuchte Geheimnisverräter erfolgreich von den Fängen ihrer Strafverfolgungsbehörden fern: Seit dem Wochenende zieht Sarah Harrison, britische Journalistin sowie zentrale Helferin von Julian Assange und Edward Snowden, nun jedoch nicht mehr von London, Hongkong oder Moskau aus die Strippen.

Aus Angst vor Repressionen in ihrer Heimat ließ sich die Aktivistin der Enthüllungsplattform Wikileaks vielmehr in Berlin nieder – an einem geheimen Ort, versteht sich.

Harrison tauchte seit der Veröffentlichung hunderttausender geheimer US-Dokumente durch Wikileaks immer wieder in der Öffentlichkeit auf, wenn es um praktische Fragen rund um den Schutz von deren Gründer Assange ging.

Als der offiziell wegen Sexualvergehen von Schweden gesuchte Australier in Großbritannien unter Hausarrest stand, wohnte Harrison mit ihm zusammen in einem Anwesen des Videojournalisten Vaughan Smith auf dem Land. Nach seiner Flucht in die Botschaft Ecuadors in London stand sie Assange, der eine Auslieferung an die USA fürchtet, dort zur Seite.

Die NSA-Spähaffäre und die Causa Snowden

5.Juni

Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass der Handynetzbetreiber Verizon dem US-Geheimdienst NSA auf der Grundlage eines geheimen Gerichtsurteils täglich Informationen zu allen Telefonanrufen innerhalb der USA sowie zwischen der USA und anderen Ländern übermitteln muss.

6. Juni

Berichten der "Washington Post" und des „Guardian“ zufolge dürfen die NSA und die Bundespolizei FBI auf Serverdaten der Internetkonzerne Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, Apple, Youtube, Skype, AOL und PalTalk zugreifen. Das geheime Überwachungsprogramm wurde demnach 2007 eingeführt.

9. Juni

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der über Hawaii nach Hongkong geflohen war, gibt sich als Quelle der Enthüllungen zu erkennen. Drei Tage später beschuldigt er Washington, weltweit "hunderttausende Computer" zu überwachen.

21. Juni

Die US-Regierung beschuldigt Snowden der Spionage, des Diebstahls und der illegalen Nutzung von Regierungseigentum. Washington verlangt von Hongkong die Auslieferung des IT-Experten.

23. Juni

Snowden, gegen den inzwischen ein Haftbefehl vorliegt, reist nach Moskau. Sein Reisepass wurde von den US-Behörden ungültig gemacht. Der ecuadorianischen Regierung liegt nach eigenen Angaben ein Asylantrag Snowdens vor. Washington warnt Moskau und Peking vor diplomatischen Konsequenzen.

1. Juli

Putin bietet Snowden ein Aufenthaltsrecht in Russland an, fordert aber, dass der Informant seine Aktivitäten gegen die USA einstellt. Nach Angaben der Plattform „Wikileaks“ hat Snowden in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, um politisches Asyl ersucht.

2. Juli

Mehrere Staaten lehnen Snowdens Asylantrag ab. Nach Ländern wie Deutschland, Österreich, Brasilien, Spanien und Polen erteilen ihm am Tag darauf auch Frankreich und Italien eine Absage.

21. Juli 2013

Das Bundesamt für Verfassungsschutz räumt ein, es teste ein NSA-Spähprogramm, setze es aber derzeit nicht ein. Der „Spiegel“ berichtet, der BND habe sich für eine laxere Auslegung deutscher Datenschutzgesetze eingesetzt, um den Austausch zu erleichtern.

1 .August

Snowden erhält vorläufiges Asyl in Russland und verlässt den Flughafen. Er darf nun ein Jahr lang im Land bleiben, sein russischer Wohnort wird aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.

7. August

US-Präsident Barack Obama sagt ein für Anfang September geplantes Einzeltreffen mit Putin am Rand des St. Petersburger G-20-Gipfels wegen der Spannungen um Snowden ab.

31. Oktober

Unter strenger Geheimhaltung trifft der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele Snowden in Russland. Der Informant habe grundsätzliches Interesse, in Deutschland zur NSA-Spähaffäre auszusagen, sagt Stöbele anschließend.

Aus blinder Bewunderung habe Harrison dies nicht getan, sagt Smith der Nachrichtenagentur AFP. „Ich habe sie nie Socken waschen sehen", scherzt er mit Blick auf die Zeit des Hausarrests, in der Medien immer wieder über ein Verhältnis zwischen Assange und der resoluten Blonden spekulierten. „Sie ist eine Schlüsselfigur des Teams, sie gehört zu denen, die alles möglich machen", sagt Smith vielmehr. Harrison habe sich „voll der Idee einer größeren Offenheit von Regierungen verschrieben und findet sich mit einer sehr schwierigen Aufgabe unter immensem Druck ab".

Deutschland scheint für den Zirkel um den NSA-Enthüller ein einigermaßen sicherer Ort zu sein. Britische und US-Ermittler haben hier zumindest keinen direkten Zugriff, ohne ein offizielles Verfahren gegen die Journalisten zu eröffnen. Deutschland gilt als Staat mit stabiler Rechtsordnung und hoher Rechtssicherheit.

Selbst eine Auslieferung ist nicht ohne Widerstände und öffentliche Diskussion durchzusetzen. Beispielsweise lebt auch der US-Internetaktivist Jacob Applebaum seit längerer Zeit in Berlin. Der Spezialist für Computersicherheit war früher Freiwilliger der Enthüllungsplattform WikiLeaks und steht ebenfalls in Kontakt mit der Dokumentarfilmerin Laura Poitras, die ebenfalls eine Wohnung in Berlin hat.

Sie hatte ihn bereits für ihre Filmarbeiten interviewt und gemeinsam mit Guardian-Kolumnist Glenn Greenwald Snowdens Enthüllungen öffentlich machte. Auch Greenwalds Lebensgefährte machte ebenfalls Halt in der deutschen Hauptstadt.

Kommentare (1)

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Observer

07.11.2013, 17:57 Uhr

Das druckt man in einem systemkonformen Medium doch mit Begeisterung, nicht wahr? Sand fuer die Augen des Volkes und nebelbomben obendrein!
Da kann man gar nicht so viel esse, wie man...... moechte!

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