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19.08.2013

18:04 Uhr

Snowden-Vertrauter

Weitere Berichte über britische Spionage

Der Enthüllungs-Journalist Glenn Greenwald war der erste, der die Enthüllungen von Edward Snowden veröffentlichte. Nun wurde ein Vertrauter des Briten neun Stunden am Londoner Flughafen verhört – zum Ärger von Greenwald.

Glenn Greenwald arbeitet von Brasilien aus für den „Guardian“. AFP

Glenn Greenwald arbeitet von Brasilien aus für den „Guardian“.

Rio de JaneiroNach dem mehrstündigen Verhör seines Partners durch die britischen Behörden hat der Enthüllungs-Journalist Glenn Greenwald neue Veröffentlichungen über die Spionageaktivitäten Großbritanniens angekündigt. Der Vertraute des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden zeigte sich verärgert über eine neunstündige Befragung seines Partners David Miranda bei einer Durchreise in London. „Ab jetzt werde ich weitaus aggressiver berichten. Ich werde sehr viel mehr Dokumente veröffentlichen. Ich habe viele Dokumente über die Spionageaktivitäten von England“, sagte Greenwald am Montag bei der Rückkehr Mirandas am Flughafen von Rio de Janeiro. „Sie wollten unsere Berichterstattung einschüchtern und zeigen, dass sie Macht haben.“

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Edward Snowden enthüllt auch aus dem russischen Exil fleißig weiter: Einem Bericht zufolge soll der US-Geheimdienst die britischen Kollegen über Jahre mit Geld versorgt haben, um sich Einfluss bei den Briten zu sichern.

Unter Verweis auf Anti-Terror-Gesetze hatten britische Behörden Miranda, der auf dem Weg von Berlin nach Rio de Janeiro war, am Flughafen London Heathrow neun Stunden verhört. Er sei von sechs Agenten über alle Aspekte seines Lebens ausgefragt worden, sagte Miranda. Er habe seinen Pass erst zurückerhalten als er angefangen habe zu schreien.

Brasilien will von Großbritannien eine Erklärung für den Vorfall anfordern. Außenminister Antonio Patriota kündigte an, er werde noch am Montag mit seinem britischen Kollegen William Hague über die neunstündige Festsetzung David Mirandas in Heathrow sprechen. Greenwald steht wegen seiner Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienstenthüller Edward Snowden im Fokus.

„Wir erleben weiterhin einige Exzesse und Irrwege in der Frage des Kampfes gegen den Terrorismus“, erklärte Patriota am Montag, wie die Nachrichtenagentur ABR berichtete. Der Außenminister gestand, dass es sich um einen legitimen Kampf handelte, um das Leben von Unschuldigen zu schützen. Er müsse aber auf den Idealen des Multilateralismus, des internationalen Rechts und der Rationalität basieren. Die zeitweilige Festnahme Mirandas sei ungerechtfertigt gewesen. „Ich erwarte, dass es nicht wieder geschieht“, fügte er hinzu.

Miranda hatte am Montag bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Río de Janeiro die brasilianische Regierung aufgefordert, gegen seine Festnahme auf dem Londoner Flughafen zu reagieren. „Ich erwarte, dass die brasilianische Regierung etwas unternimmt, denn die Leute wissen nicht, was wirklich geschieht“, erklärte er, wie die Zeitung „Folha de São Paulo“ berichtete. Der 28-jährige Marketing-Student war am Sonntag in London von britischen Sicherheitsagenten fast neun Stunden verhört worden. Er durfte keinen Anwalt hinzuziehen. Die Briten beriefen sich dabei auf ein Anti-Terror-Gesetz, das eine Festnahme ohne richterliche Anordnung und ohne Recht auf juristischen Beistand ermöglicht.

„Ich wurde in einem Zimmer gehalten, in dem (Scotland-Yard-) Agenten ein und aus gingen, um sich bei der Befragung abzuwechseln“, sagte er. „Sie fragten mich über mein ganzes Leben aus und nahmen mir meinen Computer, Videogame, Handy, Pen-Drives und Fotoapparat.“ Der Brasilianer ergänzte, er sei weder bedroht noch aggressiv behandelt worden.

In Río de Janeiro wurde Miranda von Greenwald auf dem Flughafen Tim Jobim (Galeão) empfangen. Er hatte in London nur eine Zwischenlandung auf dem Heimflug aus Berlin gemacht, wo er eine Journalistin der britischen Zeitung „The Guardian“ getroffen hatte. Greenwald bezeichnete den Vorfall als „Einschüchterung der Presse“. Er werde mit „noch aggressiveren“ Berichten antworten.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

19.08.2013, 18:48 Uhr

Unter dem Vorwand "Anti-Terror" wurden offenbar uralte Gesetze des Rechtsstaats (die einen Rechtsstaat DEFINIEREN!) einfach mal so salopp ausgehebelt, ohne großen Wind zu produzieren (danke, Systemmedien) - DAS IST DIE RÜCKKEHR INS MITTELALTER!

In den USA wurden 99% der (durch das FBI aufgedeckten) Terroraktivitäten offenbar durch das FBI selber initiiert. Da steckt also System dahinter und "FALSE FLAG"-Operationen haben bei den Anglo-Amerikanern lange Tradition.

Es wird Zeit weltweit den Machtrausch und die Expansion der Regierungen und ihres Verwaltungsapparates einzudämmen und ihre Aktivitäten stärker zu kontrollieren. ÜBERWACHUNG ja - ABER: Überwachung der Regierung DURCH die Bevölkerung, nicht die DER Bevölkerung durch die Regierung und deren Strippenzieher.
WIR SIND DAS VOLK! Keine unmündigen Leibeigenen.

Rainer_J

19.08.2013, 19:13 Uhr

Typisch NSA-Stasi. Gesetze kennen die Verbrecher nicht.

Mazi

19.08.2013, 21:00 Uhr

Da gibt es nur eine Antwort dazu:
Aus der internationalen Staatengemeinschaft ausgrenzen!

Das ist das Letzte, was uns Bürgern von staatlicher Seite angeboten wird. Und es ist das Letzte, dass die amtierenden Politiker uns nicht schützen wollen.

Das ist nicht die Demokratie, die unsere Väter nach der schweren NS-Zeit schaffen wollten. Ein Bürger ohne Grundrechte ist ein Sklave.

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