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19.04.2013

13:59 Uhr

Social Media

Die Jagd im Netz

VonTill Simon Nagel

Zehntausende Internet-Nutzer verfolgen die Jagd der Polizei nach den Terrorverdächtigen im Bostoner Vorort Watertown. Sie lauschen per Polizeifunk, kommentieren, schmieden Verschwörungstheorien. Nicht jedem gefällt das.

Watertown: Polizisten richten ihre Waffen – auf wen eigentlich? Auch im Netz war nicht immer klar, wohin die Fahndung geht. ap

Watertown: Polizisten richten ihre Waffen – auf wen eigentlich? Auch im Netz war nicht immer klar, wohin die Fahndung geht.

DüsseldorfTrotz tiefer Nacht war in Boston für viele nicht an Schlaf zu denken. Zehntausende verfolgten live im Internet die Jagd von Polizei und FBI auf die beiden Verdächtigen, die mit dem Anschlag auf den Boston-Marathon und einer Schießerei auf dem Campus der Elite-Universität MIT in Verbindung gebracht werden. Besonders der Polizeifunk rückte in den Mittelpunkt des Interesses. Mehr als 80000 Menschen folgten ihm mitten in der Nacht per Internet.

Im Netz schlug die Fahndung hohe Wellen. Etliche Nutzer des Kurznachrichtendienst Twitters diskutierten über die Ereignisse, luden Bilder der Fahndung vor ihrer Haustür ins Netz und verbreiteten neueste Polizeifunksprüche. Das Diskussionsportal Reddit legte immer größere Sammlungen von Nachrichten zur Lage an, andere Internetnutzer fertigten Karten mit den Orten der Ereignisse an. Immer wieder äußerten Nutzer auch schlicht ihre Faszination, an solch einem Ereignis teilhaben zu können.

Wie selten zuvor konnte im Internet live an der Fahndung teilgenommen werden. Seit der Veröffentlichung von Fahndungsfotos durch die Bundespolizei FBI im Netz lief auch im Netz die Jagd auf die Täter. Nahezu ungefiltert gelangten die Informationen hinaus in alle Welt, erfuhren die Hörer im Polizeifunk, dass der nach seiner Festnahme verstorbene Verdächtige wohl einen Sprengsatz am Körper getragen hat.

Auch die mutmaßlichen Namen der Verdächtigen zirkulieren im Fernsehen und den Internetdiensten. Nicht jeder mochte sich dieser Online-Euphorie anschließen. Zwischen all der Faszination und der Teilhabe wurden auch kritische Stimmen laut. Etwa von Twitter-Nutzer Nolan, der all die hochgeladenen Fotos und die Schaulustigen kommentierte. „Wäre es nicht besser, wenn sich jeder in seinem Haus verstecken würde, statt während einer öffentlichen Fahndung auf der Veranda zu sein?“

Kritik wurde auch an der Praxis der Namensnennung in TV und Internet laut. Zeitweise verbreitete angebliche Namen der Verdächtigen wurden später zurückgezogen. Offenbar handelte es sich doch nicht um die zunächst genannten Personen.

Kaum vorzustellen, wie es einem Menschen geht, der auf einmal seinen Namen in Verbindung mit einem Terroranschlag in den Medien vernehmen muss, warf Twitter-Nutzerin victoria ein: „Niemanden namentlich als Verdächtigen bezeichnen, wenn es nicht bestätigt wurde. Verbreitet keine Falschinformation. Ist das wirklich so schwer zu verstehen?“, so ihr verständnisloser Tweet.

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