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18.09.2012

21:41 Uhr

Solvency-II-Regeln

EU-Kommission will Versicherungen mehr Zeit geben

Seit Monaten kommen die Verhandlungen über die neuen Kapitalvorschriften für Versicherer nicht voran. Nun heißt es in Kreisen, die EU-Kommission wolle den Start um ein Jahr nach hinten verschieben – auf Januar 2015.

EU-Kommissar Michel Barnier. AFP

EU-Kommissar Michel Barnier.

BrüsselIm Streit um schärfere Kapitalvorschriften für die Versicherungsbranche zeichnet sich ein Aufschub um ein Jahr ab. Die EU-Kommission schlug am Dienstag Verhandlungskreisen zufolge eine Verschiebung der neuen Vorgaben bis Januar 2015 vor. Der zuständige Kommissar Michel Barnier legte den Plan Vertretern der EU-Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments vor, wie Reuters am Abend aus den Kreisen erfuhr.

Kern des Vorschlags ist demnach, noch vor dem Start zu prüfen, welche Auswirkungen die Vorschriften auf die langfristigen Verbindlichkeiten haben, die Versicherungskonzerne zur Absicherung ihrer Produkte eingehen. Dem Vorschlag zufolge solle die Europäische Versicherungsaufsicht EIOPA den Test ausführen, hieß es. Ergebnisse seien dem neuen Zeitplan zufolge in einem guten halben Jahr zu erwarten. Mit dem Starttermin im Januar 2015 rückt den Angaben zufolge auch die Frist für die Implementierung der Vorschriften durch die Mitgliedstaaten um ein Jahr nach hinten auf den 30. Juni 2014. Dieser Termin soll den Aufsichtsbehörden und den Unternehmen ausreichend Zeit geben, den Start auf nationaler Ebene vorzubereiten.

Die zehn größten Versicherungskonzerne

Platz 10

Prudential plc (Großbritannien)

Der britische Versicherer mit Hauptsitz in London hat weltweit 20 Millionen Kunden. Künftig soll ein Schwerpunkt auf das asiatische Geschäft gelegt worden. 2010 kamen die Briten auf einen Umsatz von 73,6 Milliarden Dollar.

Platz 9

Munich Re (Deutschland)

Der größte deutsche Rückversicherer, der früher Münchener Rück hieß, sichert sich ebenfalls einen Platz unter den weltgrößten Versicherern. Zur Gesellschaft gehört unter anderem auch die Ergo Versicherungsgruppe. Die rund 47.000 Mitarbeiter des Konzerns haben 2010 auf einen Umsatz von 76,22 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 8

Nippon Life Insurance Company (Japan)

Die Japaner mit Hauptsitz in Osaka sind nicht nur der größte Lebensversicherer ihres Landes, sondern gehören auch international zu den größten. Mit einem Umsatz von 78,57 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2010 ist der Konzern locker in der Top 10.

Platz 7

Aviva (Großbritannien)

Weltweit hat der Konzern aus London 35 Millionen Kunden und rund 45.000 Mitarbeiter. Insgesamt kamen die Briten im Jahr 2010 auf einen Umsatz von 90,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,26 Milliarden Dollar.

Platz 6

UnitedHealth (USA)

Im Bereich der Krankenversicherung gehört das Unternehmen aus der Kleinstadt Minnetonka (Minnesota) zu den größten der Branche. Weltweit beschäftigt der Konzern 87.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 94,15 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Platz 5

American International Group (USA)

Die New Yorker waren lange der größte Erstversicherer der Welt. In der Finanzkrise mussten sie dann sogar mit Steuergeldern gerettet werden. 2010 haben die Amerikaner rund 104,4 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 4

Assicurazioni Generali (Italien)

Schon Franz Kafka gehörte kurzzeitig zu den Angestellten des traditionsreichen Versicherers aus Triest. Die Italiener gehören bis heute zu den führenden Versicherungskonzernen weltweit, 2010 kamen sie auf einen Umsatz von 120,2 Milliarden Dollar.

Platz 3

Allianz (Deutschland)

Der größte deutsche Versicherungskonzern schafft den Sprung auf das Treppchen. Von München aus steuert der Konzern 151.338 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete so einen Umsatz von 127,38 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Platz 2

Berkshire Hathaway (USA)

Mit dem schillernden Investor Warren Buffett an der Spitze, ist US-Beteiligungsgesellschaft vor allem im Versicherungsgeschäft tätig. Die Amerikaner gehören zu den profitabelsten Konzernen des Landes. 2010 wurde ein Umsatz von 136,18 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 1

AXA (Frankreich)

Der größte Versicherungskonzern der Welt hat seinen Hauptsitz in Paris. Insgesamt verwalten die rund 103.000 Mitarbeiter ein Vermögen von 1,38 Billionen Dollar. Allein im Jahr 2010 wurde ein Umsatz von 162,2 Milliarden Dollar eingefahren.

Der Aufschub verlängert die Zeit der Unsicherheit für die Versicherungsbranche: Sie klagt darüber, dass die Unklarheit über das geforderte Ausmaß der Risikoabsicherung bereits jetzt Investoren abschrecke. Die Kehrtwende der Kommission kommt überraschend. Sie hat bislang dafür gekämpft, die Regeln so bald wie möglich in Kraft zu setzen. Ursprünglich war der Start bereits ab 2013 geplant. Die Verhandlungen über die unter dem Titel „Solvency II“ zusammengefassten Vorschriften stocken jedoch seit Monaten.

Im nächsten Schritt müssen nun die EU-Staaten entscheiden, ob sie den Aufschub mittragen. Das Parlament signalisierte seine Bereitschaft dazu: „Ich bin vorsichtig gutwillig und gut gestimmt“, sagte der EU-Abgeordnete Burkhard Balz, der die Verhandlungen für das Parlament führt, Reuters.

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