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20.07.2011

13:57 Uhr

Somalia

Hungerkatastrophe weitet sich aus

Zwei Regionen in Somalia sind von der UN zu Hungergebieten erklärt worden. Die Welternährungsorganisation spricht bei der schlimmsten Hungersnot seit 60 Jahren spricht von über elf Millionen Hungernden.

Ein von der Hungersnot betroffenes Kind. Quelle: AFP

Ein von der Hungersnot betroffenes Kind.

NairobiDie Hungerkatastrophe am Horn von Afrika nimmt entsetzliche Ausmaße an. Wegen der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren hungern nach Vereinten Nationen (UN) inzwischen mehr als elf Millionen Menschen. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) in Rom erklärte am Mittwoch die dramatische Lage in der gesamten Region offiziell zur Hungersnot. Die Experten rechnen mittlerweile mit einer der größten Hilfsaktionen in der Geschichte der Vereinten Nationen. Internationale Hilfe sei dringend notwendig.

Der für die humanitäre UN-Hilfe in Somalia zuständige Mark Bowden sagte, die Gebiete Bakool und Lower Shabelle seien am schwersten von der Hungersnot betroffen, der schlimmsten seit 20 Jahren in der Region. Bowden zufolge liegt die Sterblichkeitsrate in Teilen Südsomalias bereits bei sechs Menschen auf 10.000 Einwohner. „Die Menschen sind nicht mehr in der Lage, Lebensmittel zu finden.“ Die Katastrophe könnte sich auf alle acht Regionen im Süden Somalias ausdehnen. Bowden warnte eindringlich, jeder Tag Verzögerung bei der Hilfe für Somalia entscheide über Leben und Tod für die Kinder und deren Familien in den Hungergebieten. Die UN brauchten in den nächsten zwei Monaten allein für Somalia 300 Millionen Dollar für die Nothilfe. Mehr als die Hälfte der etwa 3,7 Millionen Somalier seien von der Hungersnot betroffen

Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms (WFP) sind insgesamt sogar 11,3 Millionen Menschen in Somalia und den Nachbarländern auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Das WFP begrüßte, dass die lokalen Machthaber im südlichen Somalia jetzt bereit seien, wieder über den Zugang für Helfer in die von der Hungersnot betroffene Region zu verhandeln. Das WFP will angereicherte Energiekekse und Nahrungs-Zusatzprodukte für gefährdete Kinder und schwangere und stillende Mütter auf dem Luftweg zu strategischen Punkten im Süden Somalias transportieren, wo diese von Nichtregierungsorganisationen verteilt werden.

WFP-Exekutivdirektorin Josette Sheeran mahnte zugleich: „Die Operationen in Somalia sind die am riskantesten weltweit. Seit 2008 hat das WFP dort bereits 14 Mitarbeiter verloren.“ Das WFP und andere humanitäre Organisationen konnten seit Anfang 2010 aus Sicherheitsgründen nicht mehr im Süden Somalias tätig sein. Dies hat die Möglichkeiten der UN eingeschränkt, angemessen auf die Ernährungsbedürfnisse vor Ort zu reagieren.

Ursache der Hungersnot ist eine seit Jahren anhaltende Dürre, die auch einige Gebiete Kenias und Äthiopiens betrifft. Lokale Konflikte erschwerten zudem sehr die Arbeit von Hilfsorganisationen, erklärten die UN.

Den Süden Somalias kontrolliert die islamistische Al-Schabaab, die enge Kontakte zur Al-Kaida haben soll. Sie kämpft gegen die vom Westen unterstützte, aber wenig einflussreiche Regierung Somalias. Al-Schabaab kontrolliert auch Teile der Hauptstadt Mogadischu und der zentralen Region Somalias.

Kommentare (12)

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bommel

20.07.2011, 15:05 Uhr

warum hungern denn in somalia und auch anderswo denn so viele? dies ist politisch gewolltes kalkül. man soll sich schlecht fühlen, weil es ja andere gibt, denen es noch schlechter geht als einem selbst. wirklich gut durchdacht, aber leider ist unser bankensystem auch nicht mehr das was es war. ich wundere mich eigentlich, wie lange es noch so halten konnte. es hätte eigentlich schon 2001 explodieren müssen. achja. da war ja was mit den 2 türmen in new york. so langsam dämmerts mir, was hier mit der bevölkerung der welt abgezogen wird. die moderne versklavung halt. irgendwann wird in den geschichtsbüchern stehe, dass das 20. und 21. jh. das schlimmste für die menschheit war, hunger krisen und dann der big bang.

Skyjumper

20.07.2011, 16:21 Uhr

Wann beendet die UN endlich ihre menschenverachtende, sogenannten Hilfsprogramme? Seit Jahrzehnten betreffen die Hungerkatastrophen immer mehr Menschen, immer öfter, und immer länger.

Humanitäre Hilfe ist sicherlich etwas schönes. Vor allem beruhigt es das eigene Gewissen. Aber auch nur so lange man nicht darüber nachdenkt, dass die heute vorm Hungertod geretteten 11 Mio. übermorgen 33 Mio. vom Hungertod bedrohte Nachkommen in die Welt gesetzt haben werden. Wir retten mit unseren Hilfszahlungen immer mehr Menschen und sorgen damit doch nur dafür dass morgen noch viel mehr Menschen sterben müssen. Ethisch vertretbar finde ich diese Form von Hilfe nicht.

Montaillou

20.07.2011, 18:26 Uhr

"Die letzte Schätzung der Weltbank ist, dass etwa 1,02 Milliarden Menschen auf der Welt hungern. Studien der UN Food and Agriculture Organization bestätigen, dass jedes Jahr die Landwirtschaft der Welt genug Weizen, Reis und andere Körner produziert, um jedem menschlichen Wesen auf der Erde eine Ernährung von täglich 3500 Kalorien zu geben, sowie dass es genug Fleisch, Milch-und Eierproduktion gebe, um jeder Person pro Tag 1 Pfund davon zu geben."

Das sagt der "Honigmann" dazu.
http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2011/07/20/wall-street%C2%B4s-lebensmittel-krieg-gegen-die-menschheit-i-%E2%80%9Cihr-taglich-brot-gib-uns-heute-denn-unser-ist-das-reich-und-die-kraft-und-die-herrlichkeit-%E2%80%9D/

Sehr lesenswerter Artikel, falls sich überhaupt noch jemand, um das Thema "Welthunger" schert.

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