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28.07.2014

06:39 Uhr

Sondersitzung zu Nahost-Konflikt

UN-Sicherheitsrat fordert sofortige Waffenruhe

Der UN-Sicherheitsrat fordert Israel und die Palästinenser zu einem „sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand“ auf. Das hat das Gremium einstimmig auf einer Sondersitzung beschlossen.

Krieg in Gaza

UN-Sicherheitsrat verlangt Waffenruhe

Krieg in Gaza: UN-Sicherheitsrat verlangt Waffenruhe

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Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat einen „sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand“ im Nahen Osten gefordert. Israelis und Palästinenser sollten die Kampfhandlungen einstellen, um humanitäre Hilfe möglich zu machen, hieß es in einer am frühen Montagmorgen in New York verlesenen Erklärung des Rates. Im Gazastreifen blieb die Lage während der Nacht vergleichsweise ruhig.

Das anhaltende Blutvergießen im Gazastreifen hat die Fronten jedoch verhärtet. Seit Beginn der Kämpfe vor drei Wochen kamen nach Angaben von Rettungskräften mehr als tausend Palästinenser ums Leben, die weitaus meisten von ihnen Zivilisten. Auf israelischer Seite wurden 43 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

Sowohl Israels Armee als auch die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hatten am Wochenende jeweils einseitige Waffenruhen verkündet und die von der Gegenseite angebotenen mehrstündigen Kampfpausen als Makulatur abgetan. Israels Streitkräfte beschossen den Gazastreifen auch am Sonntag wieder aus der Luft und vom Meer aus sowie mit Artilleriegeschützen. Aus dem schmalen Küstenstreifen wurden erneut dutzende Raketen abgeschossen, von denen nach Armeeangaben mindestens 50 auf israelischem Boden einschlugen.

Die Führungsriege der Hamas

Führer der radikal-islamischen Hamas

Sie leben gefährlich - und häufig im Exil. Die Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas müssen ständig Angriffe Israels fürchten. Viele hochrangige Mitglieder wurden von Israel getötet. Wer sind derzeit die bekanntesten Führer?

Chaled Maschaal

Der Kopf des Exil-Politbüros wurde 1956 nahe Ramallah im Westjordanland geboren. Seine Familie floh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 nach Kuwait, wo Maschaal Physik studierte. Als Teenager schloss er sich der Muslimbruderschaft, später auch der Hamas an. 1990 zog er nach Jordanien, wo er die Leitung der Hamas übernahm. Israel wirft ihm vor, die erste Intifada (palästinensischer Volksaufstand) mitorganisiert zu haben. 1997 überlebte Maschaal in Amman einen Tötungsversuch des israelischen Geheimdienstes. Im Dezember 2012 besuchte er nach der letzten Konfliktrunde den Gazastreifen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Tausende Palästinenser jubelten ihm zu. Er lebt heute in Katar.

Ismail Hanija

Hanija kam in einem Flüchtlingslager in Gaza zur Welt, wo er auch heute lebt. Er studierte an der Islamischen Universität in Gaza arabische Literatur. Als einer von etwa 400 Aufständischen wurde Hanija 1992 von Israel in den Südlibanon ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr wurde er Büroleiter der Hamas, 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Hanija gilt als vergleichsweise pragmatisch. In einigen Interviews deutete er die Bereitschaft zu einem Kompromiss über eine Zwei-Staaten-Lösung an.

Mussa Abu Marsuk

Die Nummer zwei der Hamas-Führung im Exil studierte in Ägypten und den USA. Marsuk soll gute Beziehungen zu muslimischen Spendern unterhalten, die die Hamas immer wieder finanziell unterstützten. Er soll außerdem an der Planung mehrerer Attentate in Israel beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Monaten trieb er die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah voran. Der 63-Jährige lebt derzeit in Kairo.

Mahmud al-Sahar

Der ausgebildete Chirurg gehört zu den Gründungsvätern der Hamas. Als Sohn einer Ägypterin und eines Palästinensers wurde er 1945 in der Stadt Gaza geboren. Seine Jugend verbrachte er in Ägypten, wo er auch studierte. Nach seiner Rückkehr nach Gaza lehrte er an der örtlichen Islamischen Universität. In den 1970er-Jahren gründete er erst die Muslimbruderschaft im Gazastreifen und später zusammen mit Scheich Ahmed Jassin die Hamas. Die israelische Armee versuchte, Al-Sahar 2003 mit einer Bombe zu töten; er überlebte leicht verletzt, verlor aber einen Sohn. Nachdem Israel Scheich Jassin ein Jahr später gezielt getötet hatte, stieg Al-Sahar in den Führungszirkel der Hamas auf. Vor wenigen Tagen wurde sein Haus von der israelischen Armee zerstört.

In der Nacht zum Montag ließ die Intensität der Gefechte merklich nach, auch die von palästinensischer Seite verkündeten Opferzahlen lagen mit elf Toten am Sonntag weit unter dem Niveau der Vortage. Israels Streitkräfte räumten indes den Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen ein, allerdings sei die Armee nicht für den Tod von 15 Palästinensern am Donnerstag verantwortlich: Lediglich "eine einzige fehlgeleitete Granate" sei im "völlig leeren" Hof der Schule gelandet, sagte Militärsprecher Peter Lerner.

Angesichts des palästinensischen Bruchs der Waffenruhe werde Israel "alles Notwendige" zur Verteidigung seiner Bevölkerung tun, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im US-Fernsehen. Seine Regierung werde nicht zulassen, dass "eine skrupellose Terrororganisation entscheidet, wann es ihr genehm ist, einen Moment Pause zu machen, sich wiederzubewaffnen und dann erneut auf unsere Bürger zu schießen".

Hamas-Führer Chaled Maschaal sagte dem US-Fernsehsender PBS, Israel müsse die achtjährige Blockade des Gazastreifens aufheben. "Wir bekämpfen nicht die Juden, weil sie Juden sind, wir bekämpfen keine anderen Rassen, wir bekämpfen die Besatzer", sagte Maschaal. Ein Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern sei möglich, nicht aber ein Zusammenleben mit "Besatzern".

Auch US-Präsident Barack Obama appellierte in einem Telefonat mit Netanjahu für eine sofortige und bedingungslose Feuerpause im Gazastreifen. Während des Telefonats habe Obama "Israels Recht auf Selbstverteidigung" gegen die Hamas-Angriffe anerkannt, zugleich aber auch Sorge über die vielen zivilen Todesopfer geäußert, teilte das Weiße Haus mit.

Krise in Nahost

Trotz Feuerpause Raketenalarm in Israel

Krise in Nahost: Trotz Feuerpause Raketenalarm in Israel

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Kommentare (9)

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Herr Jürgen Dannenberg

28.07.2014, 09:34 Uhr

Ja, ja diese jüdischen "Kriegsverbrecher" was sie doch nicht alles Schlimmes machen. Sie wehren si8ch sogar.
Gott sei Dank haben die hiesigen Pro Palästinensischen Hamas Demostationen uns die Augen geöffnet. Da bin nun gerne bereit die demokratisch legitimierte Hamas Organisation zu nach Kräften zu unterstützen.
Was muss ich nur für ein Tor gewesen sein, dass mir der Rechte Glaube fehlte. Der EU fehlte er auf jeden FAll nicht - sie haben ihn mit 500Mill € bestärkt.

Herr peter Spirat

28.07.2014, 09:38 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Reiner Blumenhagen

28.07.2014, 09:57 Uhr

"Das Volk" geht mitnichten auf die Straße, nur einige unverbesserliche Blindfische, denen es komplett egal (oder sogar sehr recht?) wäre, wenn die HAMAS Israel wegbombt.

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