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27.12.2012

17:12 Uhr

Sondersteuer

Russland macht den Wodka teuer

Mit höheren Preisen für Wodka will Russland mehr Steuern einnehmen und gegen den grassierenden Alkoholismus vorgehen. Doch wirklich hart kann die Regierung nicht durchgreifen - zu wichtig ist das Milliardengeschäft.

Russen trinken der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge rund 15,7 Liter reinen Alkohol im Jahr. ap

Russen trinken der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge rund 15,7 Liter reinen Alkohol im Jahr.

MoskauUnter den Trinkern im Wodka-Paradies Russland herrscht Katerstimmung. Ab Januar greift ihnen die Regierung kräftig in den Geldbeutel - mit einem Preisaufschlag auf harten Alkohol von rund einem Drittel. Eine Halbliterflasche des beliebten Wodka kostet dann staatlich vorgeschrieben mindestens 170 Rubel (etwa 4,20 Euro), bislang sind es 120 Rubel.

Die einflussreiche Alkohol-Lobby bringt sich bereits in Stellung. Schon jetzt liege der Anteil von Verbrauch- und Mehrwertsteuer am Flaschenpreis bei mehr als 60 Prozent, kritisiert Dmitri Dobrow, der Vorsitzende des Verbandes der Alkoholproduzenten.

Wo Spirituosen beliebt sind

Wodka

Die Heimat des Kartoffelschnaps ist und bleibt Russland. Mit einem Marktanteil von 45 Prozent wird nirgendwo mehr Wodka getrunken. Auf Platz 2 landen die USA mit 13,2 Prozent. Dahinter landen die Ukraine (8,1 Prozent), Polen (6,2 Prozent) und Uzbekistan (2,8 Prozent).

Whisky

Der mit Abstand größte Whiskymarkt der Welt ist mittlerweile Indien. 46,7 Prozent der Weltproduktion werden auf der indischen Halbinsel konsumiert. Die USA landen mit 14,4 Prozent auf dem zweiten Platz. Es folgen Frankreich (4,8 Prozent), Japan (3,4 Prozent) und Großbritannien (2,5 Prozent).

Brandy

Auch beim Brandy landen die Inder auf dem ersten Platz. Mit einem Marktanteil von 26,7 Prozent ist der Abstand hier allerdings weniger deutlich. Dahinter landen die Philippinen (16,1 Prozent), Russland (7,4 Prozent), die USA (6,3 Prozent) und Brasilien (4,7 Prozent).

Gin

Das einstige Lieblingsgetränk der verstorbenen Queen Mum ist nirgendwo so beliebt wie auf den Philippinen. Mit einem Marktanteil von 36 Prozent konsumiert das südostasiatische Land den größten Teil der Weltproduktion. Andere Länder, in denen der Wacholderschnaps häufig getrunken wird: USA (21,2 Prozent), Spanien (6,6 Prozent), Großbritannien (5,1 Prozent) und Indien (4,3 Prozent).

Tequila

Mexiko, die Heimat des Agavenschnapses, landet mit 33,6 Prozent nur auf dem zweiten Platz. Mehr als die Hälfte der Weltproduktion konsumiert dagegen der reiche Nachbar im Norden, die USA (50,2 Prozent). Dahinter landen: Russland (1,5 Prozent), Deutschland (1,5 Prozent) und Kanada (1,1 Prozent).

Rum

Das karibische Lebensgefühl von Bacardi und Havanna Club sind längst ein Exportschlager. Mit Abstand der größte Teil der Weltproduktion geht nach Indien (Marktanteil: 31,8 Prozent). Ebenfalls beliebt ist der Zuckerrohrschnaps in den USA (15,8 Prozent), den Philippinen (10,9 Prozent), Kuba (4,1 Prozent) und Spanien (3,0 Prozent).

Der Preisanstieg werde dazu führen, dass sich viele Russen wieder vermehrt mit Industrie-Alkohol, Frostschutzmitteln oder anderen Ersatzstoffen berauschen, warnt Dobrow. So war es bereits Ende der 1980er Jahre, als der damalige Kremlchef Michail Gorbatschow mit einem umstrittenen Alkoholverbot für Ernüchterung sorgte - auch deshalb ist der Friedensnobelpreisträger in seiner Heimat umstritten.

Offizieller Grund für die neuen Preise ist der Anstieg der Verbrauchsteuer für reinen Alkohol von 300 auf 400 Rubel pro Liter - bei einem Anteil von gut einem Prozent am Jahresbudget kommt dabei eine hübsche Summe zusammen. Bis 2015 soll der Wodkapreis sogar auf 250 Rubel klettern. Experten meinen aber, dass die Regierung nicht nur an höheren Einnahmen interessiert ist.

Jährlich sterben Hunderttausende in Russland an den Folgen des Alkoholkonsums. Gerade die Lebenserwartung von Männern ist deshalb deutlich niedriger als in westlichen Ländern. Russen trinken der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge rund 15,7 Liter reinen Alkohol im Jahr - mehr als doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt. Und der Verzehr steigt immer weiter.

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Viele Opfer des Alkohol-Panschskandals in Tschechien kämpfen mit schweren Gesundheitsschäden. Hilfsorganisationen betreuen die Erblindeten. Die Frage nach den Verantwortlichen bleibt weiter unbeantwortet.

Denn noch immer fehlt im Riesenreich eine wirksame Strategie gegen den Rausch. Wodka gilt vielen nach wie vor als Allheilmittel. Feste ohne kistenweise Krimsekt (Schampanskoje) und Cognac sind undenkbar. Lange galt Bier mit weniger als fünf Prozent Alkohol als Lebensmittel. Allein an den kommenden Neujahrsfeiertagen rechnen Händler mit dem Verkauf von Hunderten Millionen Flaschen Alkohol. Von Kremlchef Wladimir Putin, der oft betont hemdsärmelig beim einfachen Volk um Sympathien buhlt, sind kaum klare Worte gegen das Trinken zu hören.

Zwar verbieten neue Regeln Werbung auch für Wein und Bier nicht nur im Fernsehen, sondern ebenso in Zeitungen und ab dem neuen Jahr sogar in Kneipen. Und vor allem Großstädter haben längst westeuropäische Trinkgewohnheiten angenommen: Sie trinken deutlich weniger Schnaps. Dazu trägt auch die Null-Promille-Regel für Autofahrer bei. Dafür herrscht vor allem auf dem Land, wo Millionen Menschen mit Alkohol die Angst vor der Perspektivlosigkeit betäuben, weiter der kollektive Suff. Die Regierung ist fern, illegaler Wodka wird oft unter der Hand verkauft.

Ein großes Problem bleiben die Panscher und Schwarzbrenner. Denn der Regierung gehen durch die Schattenwirtschaft Milliarden verloren. 2011 betrug der Anteil illegal hergestellten Wodkas der zuständigen Regulierungsbehörde Rosalkogol zufolge rund ein Viertel. Auch deshalb plant die Regierung, das Staatsmonopol auf harten Alkohol wieder einzuführen.


Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

27.12.2012, 17:38 Uhr

"Der Preisanstieg werde dazu führen, dass sich viele Russen wieder vermehrt mit Industrie-Alkohol, Frostschutzmitteln oder anderen Ersatzstoffen berauschen ..."
..........................................................

bei den derzeitigen Temperaturen in Russland empfehle ich vor allen Dingen Frostschutzmittel!

NASTROVJE!

Account gelöscht!

27.12.2012, 18:50 Uhr

Prost

Ivan

27.12.2012, 19:25 Uhr

@ Harlemjump

Zitat : empfehle ich vor allen Dingen Frostschutzmittel!

Na , du Dackel, du weißt wohl besoners gut, was den Russen so bekommt..?
Pass auf, wenn die Südländer euch die Hose runtergezogen haben, wirst du anstatt Bier trinken Klebstoff schnüffeln.....!

Wohl bekommt `s !!!

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