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02.01.2009

18:04 Uhr

Sonderweg

Vatikanstaat beschließt Loslösung von italienischer Gesetzgebung

Seit dem ersten Januar gelten italienische Gesetze nicht mehr automatisch auch im Vatikanstaat. Papst Benedikt XVI. habe jetzt einen Beschluss unterschrieben, mit dem die Autonomie der vatikanischen Gesetzgebung gestärkt wird, berichteten italienische Medien am Freitag.

dpa ROM. Die italienischen Gesetze seien "zu zahlreich, konfus und nicht im Einklang mit der Doktrin der katholischen Kirche", hatte vor kurzem Vatikan-Jurist Jose Maria Serrano Ruiz in der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" erklärt. Nach der neuen Regelung müssen italienische Gesetze und Verordnungen nun erst ausdrücklich vom Kirchenstaat genehmigt werden, um Gültigkeit zu erlangen.

Der Vatikan ändert damit eine seit rund 80 Jahren gültige Praxis, die auf den 1929 von Papst Pius XI. und Benito Mussolini geschlossenen Lateranverträgen beruhte. Dort war vorgesehen, dass in Bereichen, in denen es keine eigenen vatikanischen Normen gab, die entsprechenden Gesetze des italienischen Staates beziehungsweise der Stadt Rom und der Provinz galten. Auch internationale Abkommen will der Kirchenstaat in Zukunft nur nach eingehender Prüfung anerkennen.

Italienische Regierungsvertreter reagierten mit Verständnis auf den Sonderweg des Heiligen Stuhls. Ein Minister sah den eigentlichen Grund für die Entscheidung in der neu entbrannten Sterberechtsdebatte. In dem Fall der seit 16 Jahren im Koma liegenden Eluana Englaro hatte im vergangenen November das oberste italienische Berufungsgericht Sterbehilfe-Maßnahmen für die Frau gebilligt.

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