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14.08.2011

17:36 Uhr

Sorge um Euro-Zone

Oettinger warnt vor Staatspleite Italiens

VonRuth Berschens

ExklusivDie Europäische Währungsunion würde einen Zahlungsausfall Italiens nicht verkraften, warnt EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Den Rettungsfonds will er aber trotzdem nicht aufstocken. Sehr zum Ärger der Spekulanten.

Warnt vor einem Zahlungsausfall Italiens: EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Quelle: dpa

Warnt vor einem Zahlungsausfall Italiens: EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

Eine italienische Staatspleite werde die Eurozone „wahrscheinlich“ sprengen, weil Italien dann als Geberland des Europäischen Rettungsfonds EFSF ausfalle, sagte Oettinger. Der Kommissar sprach sich strikt dagegen aus, das Volumen des EFSF über die geplanten 440 Milliarden Euro hinaus weiter zu erhöhen. „Der Fonds reicht für Portugal, Griechenland und Irland problemlos aus und hat darüber hinaus noch reichlich Kapazitäten“, sagte Oettinger.

Allerdings könne man prüfen, ob der EFSF sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) die nötigen finanziellen Mittel für seine Interventionen an den Finanzmärkten besorgen könne. Geplant ist, das der EFSF ab Oktober Anleihen von finanziell angeschlagenen Euro-Staaten kauft, um die Kurse zu stützen. Eventuell könne sich der EFSF dafür wie eine Geschäftsbank bei der EZB refinanzieren, meinte Oettinger. „Der Vorschlag ist nicht abwegig. Ich habe zwar noch nicht alle Expertenmeinungen dazu gehört. Man sollte aber darüber nachdenken.“

Oettinger ermahnte die Bundesregierung, ihr weiteres Vorgehen bei der Energiewende besser als bisher mit den Partnern in der EU abzustimmen. „Die Abschaltung der ersten acht deutschen Atommeiler war für den Rest der EU gerade noch verkraftbar. Doch die restlichen neun Atomkraftwerke kann Deutschland nicht mehr einfach im Alleingang vom Netz nehmen. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass der Atomstrom durch andere Energien ersetzt wird und sie muss den Partnern in der EU erklären, wie sie das tun wird“, sagte Oettinger.

Der Fokus der Spekulanten richtet sich auf ein für Dienstag angesetztes deutsch-französisches Gipfeltreffen. Börsianer hoffen unter anderem auf eine Aufstockung des Rettungsfonds. Nur so könne die Eurozone im Ernstfall Schwergewichten wie Italien unter die Arme greifen. Allerdings hielten sich die Erwartungen an konkrete Ergebnisse in Grenzen.

„Die Hoffnung ist durchaus, dass man einer europäischen Wirtschaftsunion näher kommt“, sagte Kapitalmarktanalyst Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. „Und die Hoffnung ist auch, dass sich Frau Merkel allmählich von der Notwendigkeit einer solchen Entwicklung überzeugen lässt.“

Kommentare (29)

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Willie

14.08.2011, 15:40 Uhr

Der schon wieder. Warum können diese zweitklassigen EU-Schwätzer nicht mal einfach den Rand halten. Erst im März während des Fukushima-Problems hat Oettinger mit wichtigtuerischem Dummgeschwätze einen Mini-Crash an der Börse verursacht:
http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/oettingers-duestere-japan-prognose-veraergert-oekonomen/3961298.html

Account gelöscht!

14.08.2011, 15:57 Uhr

Ach wenn ich den Komiker aus der Dritten Reihe wirklich nicht mag. Aber dieses Mal hat er ausnahmsweise etwas erkannt, was im Rahmen des möglichen ist.

Gastkritiker

14.08.2011, 16:00 Uhr

Der gute Herr Oettinger ist wiedermal ausserhalb seines Elementes: Solche Überlegungen zu Wahrscheinlichkeiten zukünftiger Ökonomischer Ereignisse sind weit ausserhalb seiner Kompetenzen; sind aber leider gleichzeitig Wasser auf die Mühlen böswilliger Spekulanten und willfähiger Journalisten.

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