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03.05.2012

00:53 Uhr

Sorge um Siegchancen

Hollande stellt Merkels Welt auf den Kopf

Die Chancen auf einen Wahlsieg von Sarkozys Herausforderer Hollande werden immer besser. Der deutschen Kanzlerin bereitet das Kopfzerbrechen. Denn während Sarkozy Merkel als Partner gilt, bedeutet Hollande ein Risiko.

Kanzlerin Merkel käme eine Wiederwahl von Frankreichs Präsident Sarkozy entgegen. dapd

Kanzlerin Merkel käme eine Wiederwahl von Frankreichs Präsident Sarkozy entgegen.

BerlinAngela Merkel gilt als wandlungsfähige Politikerin - und manchmal spielt sich bewusst mit diesem Image. Als die Moderatorin der Preisverleihung für das familienfreundlichste Unternehmen am Mittwoch ihren roten Blazer lobt, geht die Kanzlerin frotzelnd auf das Lob ein. „Das ist eine Signalfarbe um neue Wege zu gehen“, spöttelt sie.

Tatsächlich wirkt der rote Blazer wie ein Symbol für die derzeitige Debattenlage in der EU. Denn je näher die französischen Präsidentschaftswahlen am Sonntag und der erwartete Sieg des sozialistischen Herausforderers Francois Hollande rücken, desto stärker ändert sich die öffentliche Debatte. Von einem „Tag der Abrechnung mit Merkel“ schreibt die konservative Zeitung „Welt“ am Mittwoch.

Das Netzwerk des François Hollande

André Vallini

Gehört ebenfalls zu denen, auf die Hollande sich verlässt. Heißer Anwärter auf den Posten des Justizministers.

Arnaud Montebourg

Beliebter Globalisierungsgegner mit Vorliebe für griffige Polemiken. Wäre fast über seine deutschlandfeindlichen Äußerungen gestolpert.

Jean-Marc Ayrault

Ruhig, professionell und seit 15 Jahren ein Vertrauter des Kandidaten. Der Deutschland-Kenner hat beste Chancen, nach der Wahl Premierminister zu werden.

Laurent Fabius

War Premier unter Francois Mitterrand und ist ein alter Gegner Hollandes. Spekuliert trotzdem auf das Außenministerium.

Manuel Valls

Kommunikationschef von Hollandes Kampagne. Extrem ehrgeizig, aber nicht immer mit dem richtigen Fingerspitzengefühl gesegnet.

Marisol Touraine

Expertin für Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Könnte Arbeitsministerin werden.

Martine Aubry

Die Parteivorsitzende war eine scharfe Kritikerin Hollandes. Doch nach der Wahl würde sie gerne Premierministerin  werden .

Michel Sapin

Der Autor von Hollandes Wahlprogramm ist einer seiner ältesten Freunde. Er war bereits Finanzminister - und könnte es wieder werden.

Pierre Moscovici

War früher Europaminister - und würde es gerne wieder. Oder noch mehr.

Ségolène Royal

Die sozialistische Kandidatin von 2007 hat sich 2006 von Hollande getrennt. Ihre politische Feindschaft haben die beiden inzwischen begraben.

Stéphane Le Foll

Auch er zählt zu den engsten Getreuen. Der Bretone ist als Europa- oder Landwirtschaftsminister im Gespräch.

Valérie Trierweiler

Die Lebensgefährtin Hollandes war Journalistin - bis sie begonnen hat, im Wahlkampf auch öffentlich als Frau an seiner Seite in Erscheinung zu treten.

Delphine Batho

Hollande-Sprecherin, Expertin für innere Sicherheit und frühere Vertraute von Ségolène Royal. Abgeordnete der Nationalversammlung.

Henri de Castris

Axa-Chef, Hollande-Freund. Hat mit ihm zusammen die Eliteschule ENA absolviert.

Gérard Mestrallet

Leitet den Energie-Multi GDF Suez. Wichtiger Gesprächspartner von Hollande.

Jean-Pierre Jouyet

Der Sozialist leitet die Finanzaufsicht AMF. Eng mit Hollande befreundet und wichtiger Ratgeber für Fragen der Finanzmärkte.

Emmanuel Macron

Partner von Rothschild & Cie. Hat an Hollandes Wirtschaftsprogramm mitgewirkt und könnte eventuell mit in die Leitung des Präsidialamtes berufen werden.  

Mathieu Pigasse

Europa-Vizechef der Bank Lazard. Aktionär von Le Monde und Anhänger von Hollande.

In ganz Europa und auch in der deutschen Innenpolitik schwingt die Erwartung mit, dass sich im Schlepptau eines Hollande-Sieges die Koordinaten der politischen Diskussion in Europa und Deutschland ändern könnten - zumal die Sozialdemokraten auch auf Siege bei den beiden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen hoffen. Statt um straffe Haushaltsdisziplin soll künftig mehr über Konjunkturankurbelung und soziale Gerechtigkeit diskutiert werden. "Merkels Spardiktat ist auf ganzer Linie gescheitert", giftet SPD-Chef Gabriel.

Tatsächlich hat Merkel wenig Zweifel gelassen, dass sie bei der zweiten Runde des französischen Präsidentschaftswahl am Sonntag auf eine Wiederwahl des konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy hofft. Dessen Sprunghaftigkeit hatte zwar auch Merkel in den vergangenen Jahren immer wieder einmal geärgert. Aber zum einen gilt Sarkozy nach Jahren der gemeinsamen Krisenbewältigung im Kanzleramt nun als verlässlich, zum anderen sind seine Eskapaden auch an den Finanzmärkten "eingepreist", wie es im ökonomisierten Polit-Sprech heißt. Die Forderungen Hollandes nach Steuererhöhungen in Frankreich, vor allem aber seine wiederholten Forderungen nach einer Änderung oder zumindest Ergänzung des europäischen Fiskalpaktes für eine straffere Haushaltsdisziplin sind dies aber nicht.

Deshalb richten sich die Sorgen im Kanzleramt nicht nur auf die Person Hollande, sondern die Folgewirkungen seines Wahlsieges. "Egal, wer nächster französischer Präsident sein wird - er muss eigentlich die großen wirtschaftlichen Strukturprobleme des Landes anpacken", heißt es in der Regierung. Je mehr Hollande verspreche, desto schwerer falle es ihm, den Franzosen danach die Notwendigkeit harter Reformen verständlich zu machen.

Kommentare (20)

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Morbid

03.05.2012, 01:44 Uhr

Sarkozy ist nicht der Partner Merkels. Merkel ist die Partnerin des Sarkozy. Sarkozy ist nur Partner der französischen Reichen!

euro2012

03.05.2012, 02:55 Uhr

Danke Hollande ! Er ist das Licht am Ende des Eurotunnels . Wir hassen Merkels schwarz/weiß Politik .
Deutschland ist nicht die Elite dieser Welt . Das wollten die schon mal sein ano ..... Und Merkel baut in diese Richtung und wir dagegen .

Machiavelli

03.05.2012, 07:04 Uhr

Sarko ist der Vasall von Merkel, er denkt Frankreich kann auch über den Export von den schwächeren Euro-Länder profitieren, jetzt wo sie durch Abwertungen nicht mehr wettbewerbsfähig bleiben können.
Weit gefehlt "mon President sortant" kurzsichtige Ansicht, am Ende wird nur Deutschland als Profiteur bleiben, weil bei dem "Modèle Allemand" nur einen Sieger zulässt.
So viele Euro-Länder die sich über den Leistungsbilanzüberschuss ausplündern lassen gibt es doch nicht dass es für zwei reichen kann.
Weg mit ihm, weg mit dem Zwerg!
Ein echter Europäer brauchen wir!

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