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01.12.2014

14:52 Uhr

Sorge vor Ölpreis

Irans Wirtschaftsminister warnt vor „Wahnsinn“

Massenweise Iraner haben in den vergangenen Wochen ihr Erspartes in ausländische Devisen getauscht. Der Ölpreisverfall macht den Bürgern zu schaffen. Nun warnte Irans Wirtschaftsminister vor „wahnsinnigem Verhalten“.

Ein iranischer Wachmann vor dem petrochemischen Komplex Mahshahr im Südwesten des Irans: Der fallende Ölpreis setzt die iranische Volkswirtschaft unter Druck. dpa

Ein iranischer Wachmann vor dem petrochemischen Komplex Mahshahr im Südwesten des Irans: Der fallende Ölpreis setzt die iranische Volkswirtschaft unter Druck.

DubaiIm Iran wächst angesichts sinkender Ölpreise die Sorge vor einem Preisverfall der heimischen Währung. Wirtschaftsminister Ali Tayyeb-Nia warnte am Montag vor einem „wahnsinnigen Verhalten“. Nachdem viele Iraner ihr Geld gegen ausländische Währungen getauscht hatten, war der Kurs am Sonntag zum Dollar um 2100 auf 35.600 Riad gefallen.

Das war der niedrigste Stand seit einem Jahr, wie die iranischen Nachrichtenagentur Isna berichtete. Zu Wochenbeginn legte der Kurs wieder leicht auf 34.900 zu. "Es gibt keine fundamentalen Veränderungen am Devisen- und Kapitalmarkt", wurde der Wirtschaftsminister von amtlichen Medien zitiert. Er gehe von einer stabilen Situation aus.

Grund für die Turbulenzen ist der fallende Ölpreis. Er sank zu Wochenbeginn auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren, nachdem das Ölkartell Opec sich nicht auf eine Förderreduzierung einigen konnte.

Machtfrage: Wer regiert in Teheran?

Staatschef

Ajatollah Ali Chamenei ist als Religions- und Revolutionsführer das faktische Staatsoberhaupt und der mächtigste Mann in Iran. Nach der gefälschten Wiederwahl Mahmud Ahmadinedschads zum Präsidenten im Jahr 2009 stützte er diesen und ließ die Massenproteste niederschlagen.

Präsident

Mahmud Ahmadinedschad ist zwar wortgewaltig und häufig unüberlegt in seinen Attacken, beispielsweise seinen Drohungen gegen Israel. Doch wirklich viel zu sagen hat er nicht. Als Regierungschef muss er sich seine Minister vom religiösen Oberhaupt Chamenei und vom Parlament absegnen lassen.

Parlament

Der „Majlis“ ist inzwischen mehr als ein Abnickorgan. Es tobt stattdessen eine Schlacht zwischen den Anhängern Ahmadinedschads und denen Chameneis um die Vorherrschaft unter den 290 Abgeordneten. Chamenei will offenbar das Präsidentenamt abschaffen und stattdessen einen Premier vom Parlament wählen lassen.

Wächterrat

Der zur Hälfte aus Islam-Gelehrten und Juristen bestehende zwölfköpfige Rat muss Beschlüsse des Parlaments absegnen und filtert Kandidaten bei Wahlen aus. Bevorzugte Opfer dieser Filterung sind Bewerber der Reformparteien. Jetzt – nachdem die Reformer einen Wahlboykott angekündigt haben – trifft es sogar Anhänger des Ahmadinedschad-Lagers.

Revolutionsgarden

Sie sind ein Staat im Staate, haben ein Parallel-Militär und inzwischen auch eine dominierende Rolle in der iranischen Wirtschaft. Präsident Ahmadinedschad brachte immer mehr Befehlshaber dieser „Pasdaran“ auf Ministerämtern unter und verdrängte auf diese Weise die Mullahs. Dennoch unterstützen die Pasdaran mehrheitlich ihren obersten Befehlshaber, Revolutionsführer Chamenei, und nicht Präsident Ahmadinedschad.

Iran gehört der Opec an. Zudem hält der Westen vorerst an seinen Sanktionen gegen die Islamische Republik fest, da es im Streit um das iranische Atomprogramm keine Einigung zwischen beiden Seiten gab.

Von

rtr

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