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05.03.2017

20:00 Uhr

Sorgen vor einer neuen Grenze

Brexit belastet Nordirland

In vielen Dingen sind sich die Menschen in Nordirland und in der Republik Irland uneinig. Aber die neue EU-Außengrenze nach dem geplanten Brexit macht beiden Seiten große Sorgen.

Der Brexit macht eine neue EU-Außengrenze zwischen Nordirland und seinem Nachbarland nötig. dpa

Autobahn an der Grenze zwischen Irland und Nordirland

Der Brexit macht eine neue EU-Außengrenze zwischen Nordirland und seinem Nachbarland nötig.

Newry/BelfastSchreckliche Erinnerungen an den Bürgerkrieg plagen viele Menschen in Nordirland: Bombenexplosionen, schwer bewaffnete Soldaten und Checkpoints, an denen Autos auf der Suche nach Waffen auseinandergenommen wurden. Wer heute durch das grüne Hügelland fährt, merkt nicht einmal, dass er die Grenze zur Republik Irland überquert. Doch das könnte sich bald ändern: Der Brexit macht eine neue EU-Außengrenze zwischen Nordirland und seinem Nachbarland nötig. Das könnte alte Wunden aufreißen und den Handel bremsen.

Der Austritt aus der Europäischen Union soll in etwa zwei Jahren abgeschlossen sein. 56 Prozent der Nordiren stimmten im vergangenen Juni für den Verbleib in der Staatengemeinschaft. Doch es nützte ihnen nichts, denn Nordirland gehört zu Großbritannien – und die Briten insgesamt votierten mit knapper Mehrheit für den Austritt.

Allein 30.000 Menschen müssten für ihre Arbeit täglich die Grenze passieren, sagt Katy Hayward von der Queen's University in Belfast. Wie soll das in Zukunft am besten gehen? Die Suche nach passenden Grenzübergängen und technischen Möglichkeiten hat bereits begonnen. Erste Protestschilder sind sichtbar, auf denen steht, was viele Menschen in Nordirland und in der Republik Irland wollen: „Keine befestigte Grenze“ und „keine EU-Grenze in Irland“.

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Das britische Oberhaus will Medienberichten zufolge Änderungen am Brexit-Gesetz beantragen. Premierministerin Theresa May will aber jede Änderung an dem Entwurf verhindern. Trotzdem soll der Zeitplan eingehalten werden.

Im Nordirland-Konflikt kämpften pro-irische Katholiken unter Führung der Untergrundorganisation IRA gegen protestantische, pro-britische Loyalisten. Die Bilanz der jahrzehntelangen Auseinandersetzungen: mehr als 3600 Tote, fast 50.000 Verletzte und eine halbe Million Menschen, die noch heute unter psychischen Belastungen aus dem Gewaltkonflikt leiden. Erst das Karfreitagsabkommen von 1998 schuf offiziell Frieden. Eine wichtige Voraussetzung für das heute weitgehend gewaltfreie Miteinander war nach Ansicht von Historikern und Politologen, die Grenze quasi unsichtbar zu machen.

Premierministerin Theresa May kündigte an, Großbritannien aus der Europäischen Union samt EU-Binnenmarkt und Zollunion führen zu wollen. Wird es künftig Personenkontrollen und Wachposten geben? Sie wolle nach dem Brexit eine befestigte Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland vermeiden, sagt May. „Das ist keine Phrase.“

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