Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.05.2015

14:20 Uhr

Sorgenkind Griechenland

Athen fällt zurück in die Rezession

Griechenlands BIP ist das zweite Quartal in Folge geschrumpft – das Land ist zurück in der Rezession. Die Hoffnung der Geldgeber auf die Wende zum Besseren muss erst einmal wieder beerdigt werden.

Griechenland steckt wieder in der Rezession. dpa

BIP sinkt zweimal in Folge

Griechenland steckt wieder in der Rezession.

AthenDas Sorgenkind des Euroraums, Griechenland, ist zum Jahresstart zurück in die Rezession gefallen. Das bestätigte am Freitag das nationale Statistikamt Elstat in einer zweiten Schätzung. Demnach schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal um 0,2 Prozent, nach einem Rückgang von 0,4 Prozent im Schlussquartal 2014. Bei zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit negativen Wachstumsraten sprechen Ökonomen von einer Rezession.

Damit bestätigten sich Befürchtungen zahlreicher Experten. Wegen des Schuldenstreits der neuen griechischen Regierung mit ihren Geldgebern war ein erneuter Wirtschaftseinbruch befürchtet worden. Dabei hatte sich die Konjunktur seit Anfang 2014 von ihrer jahrelangen Talfahrt erholt. Analysten hegten die Hoffnung, dass die Wende zum Besseren geschafft sei. Das hat sich mit dem abermaligen Einbruch zerschlagen.

Stolpersteine in der Griechenland-Krise

Zahlreiche Hürden

Griechenland und die Geldgeber reden auf Expertenebene wieder miteinander. Dabei geht es nicht um Polemik und lautstarken Streit, sondern um Zahlen und Fakten. Seit dem Machtwechsel in Griechenland Ende Januar haben die Geldgeber keinen Einblick mehr in die Bücher Athens. Weitere unangenehme Überraschungen sind deshalb nicht ausgeschlossen. (Quelle: dpa)

Die Kassen in Griechenland sind fast leer. Wie reagieren die Europartner?

Sie halten sich strikt an die Regeln des bis Ende Juni verlängerten zweiten Hilfspakets. Das bedeutet: Bevor noch bereitstehende Milliardenhilfen fließen, muss der Abschluss des umstrittenen Rettungsprogramms bestätigt werden.

Gibt es einen Zeitplan?

Ja. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem will einen Abschluss bis Ende April. Es ist noch viel Arbeit zu tun, denn die Athener Regierung von Linksradikalen und Nationalisten will Änderungen bei den Reformen. Die Linie von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker lautet: Falls Sparmaßnahmen zugunsten von armen Bürgern abgeschwächt werden, muss es dafür Ersatz geben, damit die Rechnung am Ende stimmt.

Kommt das klamme Krisenland bis April finanziell über die Runden?

Darüber fehlt Klarheit. „Wie es genau aussieht, wissen wir nicht“, resümiert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit Blick auf die Finanzlage. Er und seine Amtskollegen haben zumindest die Zusicherung, dass Athen seinen Schuldendienst fristgerecht erfüllen wird.

Experten Griechenlands und der Geldgeber reden wieder miteinander. Ist das der Weg aus der Sackgasse?

Das wird sich zeigen. Finanzminister Gianis Varoufakis sichert zu, dass die Geldgeber alle nötigen Informationen erhalten werden. Die Gespräche sind zwar in Brüssel geplant, doch „technische Teams“ sollen auch nach Athen reisen.

Kehrt die „Troika“ zurück?

Die bisherigen „Troika“-Institutionen EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) sind weiter im Spiel. Denn es geht immer noch um das alte Hilfsprogramm. Minister Varoufakis geißelt die Troika als eine „Verschwörung von Technokraten“, die sich wie Kolonialherren aufgeführt hätten. Um den Reizbegriff „Troika“ zu umgehen, spricht man inzwischen vom „Trio“ oder den „Institutionen“. Frankreichs Ressortchef Michel Sapin bilanziert: „In der Politik zählen Worte.“

Wie ist die Stimmung in der Eurogruppe?

Gereizt. Gefürchtet werden vor allem Querschüsse aus Athen, die nichts mit Absprachen in diesem mächtigen Brüsseler Gremium zu tun haben. Sehr unangenehm stieß beispielsweise die Äußerung von Verteidigungsminister Panos Kammenos auf, notfalls zehntaussende Flüchtlinge in andere EU-Staaten weiterzuschicken, darunter möglicherweise auch Terroristen.

Ist ein drittes Hilfspaket für Athen offiziell ein Thema?

Die Eurogruppe will erst einmal das alte Programm abschließen – das sei schon schwierig genug. Der Finanzbedarf ist zudem unklar. Spaniens Ressortchef Luis de Guindos schätzt, dass etwa 30 bis 50 Milliarden Euro für ein neues Paket nötig sind. Es gibt erhebliche Widerstände, frisches Geld in die Hand zu nehmen – nicht nur in nördlichen Mitgliedstaaten, sondern auch in den früheren Krisenländern Irland, Spanien und Portugal.

Laut Elstat wurde das Wachstum des pleitebedrohten EU-Mitglieds im ersten Quartal am stärksten durch die gesunkenen Investitionen belastet. Diese gingen zum Vorquartal um 7,5 Prozent zurück. Die Konsumausgaben stagnierten. Die Ausfuhren gingen um 0,6 Prozent zurück, die Einfuhren verringerten sich um 0,7 Prozent.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×