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11.10.2013

19:42 Uhr

Sozialarbeit statt Hausarrest

Berlusconi könnte bald Suchtkranke betreuen

Kümmert sich Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi bald um ehemalige Drogenabhängige? Nach seiner Verurteilung plant der 77-Jährige offenbar, seine Haftstrafe durch Sozialarbeit abzuleisten.

Silvio Berlusconi will offenbar eine Tätigkeit in einem Hilfszentrum für ehemalige Drogenabhängige in Rom aufnehmen. dpa/picture alliance

Silvio Berlusconi will offenbar eine Tätigkeit in einem Hilfszentrum für ehemalige Drogenabhängige in Rom aufnehmen.

RomItaliens ehemaliger Regierungschef Silvio Berlusconi will nach seiner Verurteilung in einer Steueraffäre die verhängte Strafe als Sozialarbeit ableisten. Berlusconi habe bei der italienischen Justiz einen entsprechenden Antrag gestellt, teilten seine Anwälte am Freitag mit. Der 77-jährige Milliardär war am 1. August wegen Steuerbetrugs rund um seinen Medienkonzern Mediaset erstmals rechtskräftig verurteilt worden.

Seine vierjährige Haftstrafe wurde wegen einer Amnestieregelung automatisch auf ein Jahr verkürzt. Wegen seines Alters muss er diese Strafe nicht im Gefängnis verbüßen. Berlusconi konnte wählen, ob er beantragt, die Strafe in Hausarrest abzusitzen oder Sozialarbeit zu leisten - er entschied sich jetzt für Letzteres.

Mit dem Antrag muss sich nun die Justiz in Mailand befassen. Sollte sie ihn positiv bescheiden, ist die Reihe am Gericht in Rom festzulegen, in welcher Einrichtung der „Cavaliere“ seinen Sozialdienst verrichten soll. Berlusconi will ihn in Rom ableisten und hat deshalb seinen Hauptwohnsitz in die Hauptstadt verlegt. Bis die endgültige Entscheidung fällt, können jedoch noch einige Monate vergehen.

Die Skandale um Silvio Berlusconi - Eine Chronologie

Juni 2009

Die spanische Zeitung „El País“ veröffentlicht Bilder halb nackter Frauen auf Berlusconis Anwesen in Sardinien.

Oktober 2009

Ein Mailänder Gericht verurteilt Berlusconis Holding Fininvest wegen eines „gekauften Urteils“ beim Erwerb des Verlags Mondadori zu einem Schadenersatz in Höhe von 750 Millionen Euro an den Konkurrenten Cir SpA.

Mai 2010

Berlusconi setzt sich für die minderjährige „Ruby“ ein, nachdem sie unter Diebstahlsverdacht von der Polizei festgenommen wurde. Viele sehen darin einen Fall von Machtmissbrauch.

15. Juni 2010

Das Gericht der Europäischen Union entscheidet, dass Berlusconis Medienkonzern Mediaset und weitere Fernsehsender und Kabelbetreiber staatliche Beihilfen in Millionenhöhe zurückzahlen müssen. Mediaset soll bei der Umstellung von analogem auf digitales Fernsehen 2004 von der italienischen Regierung bevorzugt worden sein.

5. Juli 2010

Nach nur knapp drei Wochen im Amt erklärt der Minister für die Verwirklichung des Föderalismus, Aldo Brancher, vor Gericht, wo er sich wegen Hehlerei in einem Bankenskandal verantworten muss, seinen Rücktritt aus der italienischen Regierung. Berlusconi hatte seinen langjährigen Vertrauten und einstigen Manager seiner Firma Fininvest ins Kabinett geholt, um ihn damit der Justiz zu entziehen. Am 28. Juli wird Brancher wegen Hehlerei zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

17. Oktober 2010

Die Zeitung „La Repubblica“ veröffentlicht einen Bericht über merkwürdige Finanztransfers von Berlusconi. Er soll zwischen 2005 und 2009 mehr als 20 Millionen Euro über eine schweizerische Bank an die Offshore-Gesellschaft Flat Point in Antigua überwiesen haben, wobei der Zweck der Zahlungen als suspekt gilt.

6. April 2011

Vor einem Gericht in Mailand beginnt der Prozess gegen Berlusconi wegen einer Sexaffäre mit einer Minderjährigen und wegen Amtsmissbrauchs. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ministerpräsidenten vor, in 13 Fällen Sex gegen Bezahlung mit der damals 17-jährigen Marokkanerin „Ruby“ gehabt und später seinen Einfluss geltend gemacht zu haben, um den Fall zu vertuschen.

9. Juli 2011

Ein Berufungsgericht in Mailand verurteilt das Familienunternehmen von Berlusconi wegen Korruption zur Zahlung von 560 Millionen Euro an eine Konkurrenzfirma. Bei der Übernahme des Verlags Mondadori sollen Mitarbeiter von Berlusconis Fininvest-Holding einen Richter bestochen haben. Mit seiner Entscheidung bestätigt das Berufungsgericht ein Urteil von 2009 aus einer niedrigeren Instanz. Die Richter reduzieren jedoch den Schadenersatzanspruch von ursprünglich 750 Millionen Euro.

1. September 2011

Der Geschäftsmann Gianpaolo Tarantini wird wegen mutmaßlicher Erpressung von Berlusconi festgenommen. Der Unternehmer hatte eingeräumt, Prostituierte für Partys im Anwesen des Politikers engagiert zu haben. Nun wird er verdächtigt, Schweigegeld für seine Kooperation bei laufenden Ermittlungen gefordert zu haben.

Am selben Tag wird bekannt, dass der Regierungschef in einem abgehörten Telefongespräch über sein Land herzog. „In ein paar Monaten verschwinde ich aus diesem Scheißland, von dem mir schlecht wird“, soll der Regierungschef gepoltert haben. Das sei eines dieser Dinge, die man am späten Abend mit einem Lächeln sage und nicht ernst meine, wurde er kurz darauf von italienischen Medien zitiert.

17. September 2011

Oppositionspolitiker fordern Aufklärung darüber, ob Berlusconi tatsächlich Prostituierte in Regierungsflugzeugen zu seinen Privatpartys eingeflogen habe. Italienische Medien veröffentlichten Mitschriften aus abgehörten Telefonaten, die aus Ermittlungen gegen Tarantini stammen. Dieser soll Frauen für Sex mit Berlusconi bezahlt haben. Den Mitschriften zufolge prahlte Berlusconi damit, in einer Nacht „nur mit acht Frauen“ geschlafen zu haben, als elf vor seiner Zimmertür Schlange gestanden hätten.

27. September 2011

Die Nachrichtenagentur ANSA berichtet, dass Tarantini auf freien Fuß gesetzt wurde. Tarantini war zuvor unter dem Verdacht festgenommen worden, er habe Berlusconi erpresst. Wie ANSA meldet, sah es ein Gericht in Neapel als erwiesen an, dass es sich umgekehrt verhielt und Berlusconi den Unternehmer für Falschaussagen bezahlte.

12. November 2011

Wegen zu geringen Rückhalts unter den Abgeordneten tritt Berlusconi von seinem Amt als Regierungschef zurück.

4. April 2013

Ruby erklärt vor den Toren des Gerichts: „Ich hatte nie Geschlechtsverkehr gegen Geld und ich hatte nie Geschlechtsverkehr mit Silvio Berlusconi“. Sie fordert, im Prozess aussagen zu dürfen. Ihre Befragung war mehrfach verschoben worden.

13. Mai 2013

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Ex-Regierungschef eine Haftstrafe von sechs Jahren. Zudem soll ihm lebenslang verboten werden, öffentliche Ämter zu bekleiden.

17. Mai 2013

In einem Nebenverfahren sagt Ruby aus, sie habe sich bei den „Bunga-Bunga-Partys“ als 19-jährige Verwandte des damaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak ausgegeben. Berlusconi hatte erklärt, er habe bei der Polizei angerufen, um diplomatische Probleme mit Kairo zu vermeiden.

31. Mai 2013

Im Nebenverfahren fordert die Anklage sieben Jahre Haft für drei Vertraute Berlusconis. Diese hätten die Frauen für die Feste organisiert und sich der Herbeiführung und Begünstigung der Prostitution Minderjähriger schuldig gemacht.

August 2013

Das höchste Gericht des Landes bestätigte die vierjährige Haftstrafe der unteren Instanz gegen den Unternehmer und Politiker. Das Ämterverbot für Berlusconi muss allerdings neu verhandelt werden. Der 77-jährige hat Berufung eingelegt.

Februar 2014

Erneuter Vorwurf gegen Berlusconi. Um seinen Vorgänger Romano Prodi zu stürzen, soll der Ex-Premier Senatoren bestochen haben. Das Ergebnis der Verhandlungen steht noch aus.

Medienberichten zufolge gilt als wahrscheinlich, dass Berlusconi eine Tätigkeit in einem Hilfszentrum für ehemalige Drogenabhängige in Rom aufnimmt. Dort hatte schon sein wegen Korruption verurteilter früherer Verteidigungsminister, Cesare Previti, Sozialdienst geleistet. Bei „guter Führung“ könnte Berlusconi die Dauer seines Sozialdiensts von einem Jahr auf neun Monate verringern.

Berlusconi droht derzeit auch der Verlust seines Sitzes im Senat. Ein Ausschuss der Kammer hat bereits dafür gestimmt, ihm das Mandat zu entziehen. Die endgültige Entscheidung dürfte das Senatsplenum bis Ende des Monats treffen. Gegen Berlusconi sind noch weitere Verfahren anhängig, darunter eines wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit einer minderjährigen Prostituierten.

Die Pläne zum Senatsausschluss hatten Italien in eine politische Krise gestürzt. Denn Berlusconi hatte versucht der Entscheidung zuvorzukommen, indem er versuchte, die Regierung zu stürzen und Neuwahlen herbeizuführen. Er scheiterte jedoch am Widerstand in seiner eigenen Partei Volk der Freiheit (PdL) gegen das Manöver. Ministerpräsident Enrico Letta, dessen Demokratische Partei (PD) mit der Berlusconi-Partei die Regierung stellt, konnte Vertrauensabstimmungen in Senat und Abgeordnetenkammer mit klarer Mehrheit für sich entscheiden.

Von

afp

Kommentare (4)

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gerlando

11.10.2013, 19:57 Uhr

Diese Sozialarbeit bedeutet dann folgendes: viele Frauenhände massieren Berlusconi. Sozialarbeit eben.

Account gelöscht!

11.10.2013, 23:14 Uhr

Roubi könnte ihm als Schwester zur Hand gehen!

Account gelöscht!

11.10.2013, 23:26 Uhr

Oder Hausmeister im Mädchenpensionat

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