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17.04.2015

03:17 Uhr

Spaniens EX-IWF-Chef

Der tiefe Fall von „Superminister“ Rato

Die Korruptionsaffären in Spanien nehmen kein Ende. Der frühere IWF-Chef Rato wurde wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche festgenommen. Ein schwerer Schlag auch für die Regierung.

Verdacht auf Geldwäsche

Hausdurchsuchung bei Ex-IWF-Chef Rodrigo Rato

Verdacht auf Geldwäsche: Hausdurchsuchung bei Ex-IWF-Chef Rodrigo Rato

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MadridVor nicht allzu vielen Jahren wurde Rodrigo Rato noch als Vater des spanischen Wirtschaftswunders bejubelt und mit dem Posten des Direktors des Internationalen Währungsfonds (IWF) belohnt. Das war 2004. In den vergangenen Monaten aber ging es bergab: Der 66-Jährige galt als Verkörperung der grassierenden Korruption in der viertgrößten Volkswirtschaft der Europäischen Union (EU). Vorläufiger Höhepunkt: Am Donnerstagabend wurde ein finster dreinblickender Rato vor seiner Wohnung im Madrider Nobelviertel Salamanca festgenommen. „Unverschämter Kerl“, schimpften Passanten. Die rechtsliberale Zeitung „El Mundo“ bezeichnete ihn als „Schwindler“.

Solch ein tiefer Fall war im Leben Ratos nicht vorgesehen, der Sohn eines reichen Unternehmers war auf Erfolg programmiert. Schon als junger Mann besaß er Beteiligungen an rund 20 Firmen, daheim studierte er Jura, in Kalifornien Betriebswirtschaft.

Eng verbunden mit Rajoy

In den 1980er Jahren gehörte er zur jungen Garde der konservativen Volkspartei (PP) und war ein enger Freund des späteren Ministerpräsidenten José Aznar (1996-2004). Mit dem aktuellen Regierungschef Mariano Rajoy soll er ebenfalls eng verbunden sein - obwohl dieser ihn im Oktober 2014, als sich die Negativschlagzeilen häuften, zum Parteiaustritt überredete.

1996, als Rato sein Amt als „Superminister“ für Wirtschaft und Finanzen antrat, hatte Spanien ein Haushaltsdefizit von über sechs Prozent und eine Arbeitslosenrate von 22 Prozent. Acht Jahre später war das Defizit auf null gesunken, die Arbeitslosenquote auf die Hälfte. In Ratos Amtszeit erlebte Spanien eine wirtschaftliche Blüte.

Allerdings hatte Ratos Modell auch seine Kehrseite. Der Boom stützte sich zu einem großen Teil auf Wildwuchs in der Bauwirtschaft und wurde mit Krediten finanziert. Die Immobilienblase platzte 2008, und noch heute leidet das Land mit einer Arbeitslosenrate von mehr als 23 Prozent - einer der höchsten in der EU - an den Folgen.

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Beim IWF in Washington hielt es Rato nur gut drei Jahre von 2004 bis 2007. Den Anfang seines Niedergangs könnte man in dieser Zeit suchen. Denn im Jahr 2011 stellte das Unabhängige Evaluierungsbüro des IWF seiner Arbeit ein vernichtendes Zeugnis aus. Der IWF habe damals nur wenige klare Warnungen über die Risiken und die Verwundbarkeit der Finanzmärkte ausgesprochen und jene Gefahren, die den Crash 2008 ausgelöst hätten, systematisch heruntergespielt, hieß es. Im Untersuchungszeitraum wurden weder die Immobilienblase in den USA noch das von den Subprime-Papieren ausgehende Risiko erkannt.

Zurück in der Heimat musste Rato dank guter Beziehungen nicht lange nach einer neuen Beschäftigung suchen. Er wurde zunächst Vorstandsmitglied der Caja Madrid und 2010 Vorstandsvorsitzender von Bankia - jenes Institutes, das nach dem Einbruch des Immobilienmarktes zum Inbegriff der spanischen Bankenkrise wurde. Der Beinahe-Zusammenbruch führte dazu, dass Spanien ein europäisches Rettungspaket für marode Banken über 41 Milliarden Euro beantragte.

In den vergangenen Monaten erfuhren die Spanier, dass Rato ebenso wie andere Topmanager und Aufsichtsratsmitglieder inmitten der Krise über Firmen private Ausgaben finanziert haben sollen. Die Bankia-Führung soll zudem beim Börsengang 2011 Bilanzen gefälscht haben, Hunderttausende Kleinanleger verloren ihr Geld. Die jüngste Affäre um mutmaßliche Geldwäsche und Steuerbetrug überrascht nun kaum noch jemanden. „Unsere Eliten sind völlig verdorben, Rato ist aber wohl der Schlimmste“, schimpfte der Informatiker Mario (24) in einem Madrider Café.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr never mind

17.04.2015, 07:17 Uhr

Was Herr Rajoy und seine PP nach aussen als Erholung der Wirtschaft in Spanien verkaufen, ist nichts als heisse Luft. In Spanien selbst glauben nur wenige an diese Propaganda. Fälle wie dieser werden sicherlich der Glaubwürdigkeir der PP wenig helfen und neue Parteien wie z.B. Podemos werden weiterhin massiv neue Wähler bekommen. Dieses passiert aber nicht weil Podemos besonders gut ist, sondern weil die traditionellen Parteien jeden Tag weiter im Sumpf der Korruption versinken.

Herr Manfred Zimmer

17.04.2015, 09:50 Uhr

Das ist ein Problem mit dem "Arbeitgeber".

Wäre er Mitarbeiter im ESM gewesen, hätte man ihn nicht juristisch Belangen können. Die Staaten haben sich nämlich im ESM-Vertrag sich im Voraus explizit verpflichtet, die Straftäter nicht zu verfolgen.

Die Straftäter im ESM sind damit von den Üolitikern nicht mehr unterscheidbar. Da muss man schon in sehr breiter Masse sehr stromlinienförmige Interessen verfolgen, derartiges in einem Vertrag, der bekannt wird, zu verankern. Da ist das angestrebte TTIP-Rahmenwerk schon besser geeignet.

Es ist ganz schön viel was die Politiker den Bürgern als Dummheit unterstellen zu wagen.

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