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20.12.2013

19:14 Uhr

Spaniens Weg aus der Krise

Der Buhmann von Madrid

VonAnne Grüttner

Nach zwei Jahren im Amt zollt das Ausland Spaniens Premier Respekt für seine Reformen und den Sparkurs. Ganz im Gegensatz zu seinen Landsleuten. Denn in Spanien ist Mariano Rajoy alles andere als beliebt.

Mariano Rajoy wird in der EU geschätzt - doch sein Landsleute halten nicht viel.

Mariano Rajoy wird in der EU geschätzt - doch sein Landsleute halten nicht viel.

MadridAls Spaniens Premier Mariano Rajoy kürzlich fünf internationalen und einer spanischen Zeitung das erste Interview seit langen Zeiten gab, war deutlich zu merken, welches seine Lieblingsthemen sind: Alles, was Wirtschaft angeht. Da kann er punkten – mittlerweile – denn Spaniens Volkswirtschaft scheint die Talsohle durchschritten zu haben. Ziemlich ungeschickt wand er sich hingegen bei innenpolitischen Fragen heraus, oder bei solchen, die die Parteispendenaffäre in seiner Partido Popular (PP) betreffen.

Seit Rajoy vor ziemlich genau zwei Jahren als spanischer Regierungschef antrat, meidet er daher Interviews. Er weiß, dass er von spanischen Journalisten wenig Nettigkeiten zu erwarten hat. Kein Wunder, tat sich der Konservative, der mit seinem Vollbart und der Brille ein bisschen das Image eines Oberschullehrers hat, in seiner Regierungszeit doch vor allem durch eine radikale Sparpolitik und die Beschneidung von Arbeitsrechten hervor.

So stehen die Euro-Sorgenländer da

Frankreich

Deutschlands wichtigster Handelspartner wächst nicht mehr: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission traut dem Nachbarn nur einen blutleeren Aufschwung zu. 2014 soll es nur zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen, was etwa halb so viel ist wie in Deutschland. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Kommission, was wiederum den Konsum bremst. Obwohl das Wachstum 2015 auf 1,7 Prozent anziehen soll, dürfte die Arbeitslosenquote bis dahin auf 11,3 Prozent zulegen.

Italien

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion schrumpfte im Sommer nun schon das neunte Quartal in Folge und steckt damit in der längsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die Industrie zulegte, gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück. Zwei Rezessionsjahren dürfte eine kraftlose Erholung folgen: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zwar zu mehr Investitionen ermutigen, erwartet die EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll aber im kommenden Jahr weiter steigen.

Spanien

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat sich im Sommer aus der Dauer-Rezession befreit. Anziehende Exporte und der boomende Tourismus ließen das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent wachsen. Zuvor war es neun Quartale in Folge geschrumpft. 2014 könnte die spanische Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission erwartet ein Plus von 0,5 Prozent, das sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen soll. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet die Kommission. Das reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,3 Prozent im übernächsten Jahr fallen.

Griechenland

Im Frühjahrsquartal – neuere Daten liegen noch nicht vor – ging es um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bergab. Das am schwersten von der Schuldenkrise betroffene Land wird aber für 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das Bruttoinlandsprodukt soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um den für 2013 erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Irland

Von allen Krisenländern steht Irland am besten da. Bereits im Frühjahr wurde die Rezession abgeschüttelt mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge zulegen, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Portugal

Das kleine Land ist von Juli bis September bereits das zweite Quartal in Folge gewachsen - und zwar um 0,2 Prozent. 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen: Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln soll. "Die Exporte sind der Wachstumstreiber, während die Binnennachfrage 2014 wieder anziehen wird", prophezeit die EU-Kommission. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 17,3 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen.

Zypern

Der Inselstaat steckt noch mitten im Abschwung: Im dritten Quartal 2013 brach die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark ein wie in keinem anderen Euro-Land. Um 8,7 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2013 zurückgehen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird wieder mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben.

Das Ausland hingegen zollt Rajoy mittlerweile einigen Respekt für die harte wirtschaftliche Reformarbeit. Zwar ist die wirtschaftliche Lage in Spanien weiterhin alles andere als rosig. Die Arbeitslosenquote steht bei knapp 26 Prozent. Das ist allerdings schon besser als zum Jahresanfang, als mehr als 27 Prozent der Erwerbstätigen in Spanien einen Job suchten. Die Wirtschaftsleistung fiel im dritten Quartal 1,1 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Im Vergleich zum Vorquartal wuchs das BIP aber schon um 0,1 Prozent. „Das Schlimmste der Krise ist vorbei für Spanien“, meinen die Analysten von Barclays Research.

Welchen Fortschritt Spanien Rajoy und seine Mannschaft dieses Jahr gemacht hat, lässt sich noch mehr an den Risikoaufschlägen auf spanische Staatsbonds messen, die das Vertrauen der Anleger in die Bonität Spaniens widerspiegeln. Zahlte Spanien Anfang des Jahres noch eine Rendite von mehr als fünf Prozent für eine zehnjährige Anleihe, so sind es jetzt nur noch vier Prozent.

Kommentare (4)

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20.12.2013, 19:41 Uhr

Die Ideologen der sozialistischen Welt wollen die Geld-Macht, egal um welchen Preis. Goldman Sachs kassiert für alle Schulden die Zinsen und verdient dabei Riesengewinne. "EU in Brüssel" bekommt durch die Banken-Macht die Macht in Europa - nur darum geht es.

Vernünftige Ökonomie hat keine Lobby mehr in den Köpfen der Ideologie von "Meeeehr Europa" - eigentlich ist das auch nur ein Kampfbegriff auf immer mehr Gier nach Macht, der Frau Merkel in deren Auftrag folgt.

Die sogenannte "Besondere Verantwortung Deutschlands für Europa" bedeutet nichts anderes, als dass Deutschland in allen Belangen selbstlos zu agieren hat, damit "EU in Brüssel" mehr Macht bekommt. Wir werden zur Mülltonne in allen Fragen degradiert und unsere Regierenden befürworten das auch noch. Schuld-Kult auf allen GEZ-Kanälen, Politik die nicht an eigenen nationalen Interessen orientiert ist.

"Irrationale Selbstlosigkeit" als "Unterwürfigkeits-Kult", bis die anderen Staaten Europas dann natürlich auf uns mit Verachtung runterschauen bei soviel Selbst-Erniedrigung und Anbiederung.

Deutschland wird bankrott regiert und bankrott geredet ... ausgeplündert, verarmt, vergreist als willenloser, ferngesteuerter geographischer Mittelpunkt Europas.

Politik zum Fremd-Schämen, ein Deutscher zu sein als EU-Mülleimer.

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21.12.2013, 09:35 Uhr

Natürlich wird Rajoy von seinen Kollegen gelobt.Den die sind mehr oder minder genauso korrupt wie er selber. Kein
Politker hat noch Interesse am Volk. Es geht doch hier nur noch darum den Investoren das Geld in den Hintern zu blasen.Was bringt diese ganze Schönfärberei wen die Leute keine Arbeit haben? Und das noch auf Jahre hinaus.Das ist sozialer Sprengstoff, der irgendwann explodiert. Aber solange die Politikkaste gut versorgt ist, wird sich auch nichts ändern. Das Traurige ist nur, dass die Medien dieses abgekartete Spiel mitspielen, anstatt die ach so tollen Wirtschaftszahlen kritisch zu hinterfragen. Aber unsere Medien gehören ja auch Investoren, die ihre eigenen Interessen verfolgen

Account gelöscht!

21.12.2013, 09:53 Uhr

"Politker hat noch Interesse am Volk. Es geht doch hier nur noch darum den Investoren das Geld in den Hintern zu blasen "

Und da bleibt es dann auch.

Ein Politiker muss nicht "beliebt" sein, sondern er wird an seinen Ergebnissen gemessen, wie jeder andere im Grunde auch.
Außerdem hat Rajoy ja eine hübsche Vertreterin :)

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