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22.04.2017

12:09 Uhr

Spanische Schuldeneintreiber

Das Geschäft mit der Scham

Wenn in Spanien die Schuldeneintreiber im Frack auftauchen, weiß jeder: Hier hat jemand seine Rechnung nicht beglichen. Derart bloßgestellt, zücken viele das Scheckbuch. Kritiker warnen vor psychologischen Schäden.

Schuldeneintreiber Pedro Dediós steht in ungewöhnlicher Arbeitsverkleidung neben seinem Auto. dpa

Das Geschäft mit der Scham

Schuldeneintreiber Pedro Dediós steht in ungewöhnlicher Arbeitsverkleidung neben seinem Auto.

MadridSorgfältig bereitet sich Pedro Dediós auf seinen Arbeitstag vor. Schwarze Hose, blütenweißes Hemd, Fliege und Frack-Jacke mit Schwalbenschwänzchen - seine „Uniform“ ist zwar elegant, aber will so gar nicht zur morgendlichen Uhrzeit passen. Dann setzt er sich auch noch einen Zylinder auf, blättert schnell durch seine Unterlagen und klappt den Aktenkoffer zu. Auf dem steht in großen weißen Lettern „El Cobrador del Frac“ - auf Deutsch etwa: Der Schuldeneintreiber im Frack.

„Meinen ersten Termin habe ich heute im Zentrum von Madrid bei einer Unternehmerin, die uns 4214 Euro schuldet“, sagt Dediós, rückt sich die dunkle Sonnenbrille zurecht und braust in einem schwarz-weißen Kleinwagen davon, auf dessen Türen ebenfalls der Name seiner Firma prangt. Er ist unterwegs zu den Geschäftsräumen der Frau. Dort wird er sich - für jedermann sichtbar - in Stellung bringen. Denn jedes Kind in Spanien kennt die befrackten Männer und weiß: Wo sie auftauchen, da hat jemand Schulden. Das Geschäft mit der Scham blüht.

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Das Inkasso-Unternehmen wurde vor rund 30 Jahren gegründet. „Die spanische Justiz war einfach zu langsam und zu teuer. Da war die Firmenidee eine gute, pragmatische Lösung für die Gläubiger, um schnell an ihr Geld zu kommen“, erklärt der Anwalt Mariano Fernández im Hauptsitz des Cobradors unweit des Madrider Bernabeu-Stadions. „Heute ist der Cobrador del Frac eine landesweit bekannte Marke.“

Auf einem Tisch stehen zwei wuchtige Elefanten-Stoßzähne, an den Wänden hängen ausgestopfte Jagdtrophäen mit mächtigen Hörnern. Irgendwie passen diese leblosen, in Todesangst starrenden Tierköpfe zum Unternehmenskonzept. „Unser Chef ist ein passionierter Jäger“, versucht Fernández eine Erklärung.

Auch in Portugal und Frankreich sei man mittlerweile aktiv, erzählt der smarte 57-Jährige - in anderen Ländern allerdings nicht, weil die Gesetzeslage dort schwierig sei. In Deutschland etwa hatte das Landgericht Leipzig bereits 1994 derartige Praktiken verboten: „Die Schuldeneintreibung durch „Schwarze Schatten“, die in der Öffentlichkeit dem Schuldner folgen, ist aufgrund Verletzung des Persönlichkeitsrechts wettbewerbswidrig“, hieß es zur Begründung.

In Spanien aber ist das Ganze legal. Zunächst werden dabei Briefe mit einer Zahlungsaufforderung verschickt. Oft werde man sich daraufhin schon über eine Ratenzahlung einig, sagt Fernández. Nur wenn die Schuldner überhaupt nicht reagierten und keinen guten Willen zeigten, ihre Rechnung zu begleichen, kämen die Männer im Frack ins Spiel.

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