Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.12.2013

13:42 Uhr

Spannungen zwischen Japan und China

„Wir können die Inseln nicht aufgeben“

VonDana Heide

Nicht nur Asiens Wirtschaft wächst rasant, zugleich wird auch das Konfliktpotenzial größer. Chinas Griff nach von Japan kontrollierten Felsen entwickelt sich zum Krisenherd. Tokio wappnet sich gegen Peking.

Selbst der US Vize-Präsident kann da nichts bewirken

Video: Selbst der US Vize-Präsident kann da nichts bewirken

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

TokioDie Spannungen zwischen China und Japan könnten durch eine von China eigenmächtig errichtete Luftüberwachungszone, die sich über eine von Japan kontrollierte Inselgruppe fällt, eskalieren. „Ich denke wir würden dazu gezwungen sein, die Inseln zu verteidigen, wenn nötig“, sagte eine japanische Sicherheitsexpertin und Beraterin der japanischen Regierung vor ausländischen Journalisten in Tokio. Aufgrund der angespannten Lage will sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen.

Am 23. November hatte China seine Sicherheitszone im ostchinesischen Meer so weit ausgedehnt, dass sie sich nicht nur mit der japanischen und südkoreanischen überlappt, sondern auch Inseln umfasst, die Japan und China beanspruchen. China verlangt seither, dass kommerzielle wie militärische Flugzeuge ihren Routenplan an die Behörden in China durchgeben müssen, wenn sie die Zone überfliegen. Die USA und Japan, aber auch Südkorea hatten das scharf kritisiert und erkennen die Zone nicht an. „Ich denke, das ist die schwierigste Zeit, die wir mit China haben, seit wir die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen haben“, sagt die Expertin.

Die Steine des Anstoßes sind einige unbewohnte Eilande, die die Japaner Senkaku- und die Chinesen Daioyu-Inseln nennen. Japan gemeindete die seiner Ansicht nach damals herrenlose Inseln vor mehr als 100 Jahren ein. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden sie zunächst von den USA verwaltet, 1972 zogen sich die Vereinigten Staaten jedoch aus Okinawa zurück und gaben damit auch die Inseln an Japan zurück. Doch China fordert seither offen die Kontrolle über die Inseln ein. „Unmöglich“, sagt die Sicherheitsexpertin: „Wir können die Inseln, die wir seit so vielen Jahren kontrollieren, auf keinen Fall aufgeben.“

Der lange Streit um die Senkaku/Diaoyu-Inseln

1895

Der Streit um einige unbewohnte Felseninseln im Ostchinesischen Meer hat eine lange Geschichte. Die von den Japanern Senkaku und den Chinesen Diaoyu genannten Inseln standen seit Chinas Niederlage im chinesisch-japanischen Krieg 1895 unter der Kontrolle Tokios. Nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA verwaltet, gingen sie mit der Rückgabe Okinawas wieder an Japan.

1972

Die Senkaku-Inseln gehen an Japan zurück. Da China uralte Ansprüche auf das Territorium geltend macht, sorgt die Inselgruppe bis heute für Streit.

1996

Tokio richtet eine 200-Seemeilen-Wirtschaftszone ein, die die umstrittenen Inseln miteinschließt. Vorausgegangen war ein Streit um vermutete Erdölvorkommen. Die Spannungen verschärfen sich, als japanische Nationalisten auf einer der Inseln einen Leuchtturm errichten. Bei einer Protestaktion stirbt ein chinesischer Aktivist.

1998

Die chinesischen Proteste gehen weiter. Boote der japanischen Küstenwache versenken ein Schiff mit Demonstranten aus Hongkong, China und Taiwan.

2004

Die Japaner nehmen sieben chinesische Aktivisten fest, die per Boot zu den Inseln gefahren waren, um Chinas Territorialansprüche zu unterstreichen. Nach Protesten Pekings kommen sie wieder frei.

2008

Wegen Verletzung seiner Hoheitsgewässer durch zwei chinesische Forschungsschiffe legt Tokio bei der chinesischen Regierung Protest ein. Peking weist den Protest zurück.

2010

Die japanische Küstenwache bringt ein Fischerboot in Nähe der umstrittenen Inseln auf und leitet ein Strafverfahren gegen den Kapitän ein. Nach heftigem Protest aus Peking kommt er wieder frei.

2012

Der Streit um die Inseln droht erneut zu eskalieren: Peking schickt Kriegsschiffe zu dem Archipel, um den chinesischen Anspruch zu untermauern. Zuvor hatte Tokio angekündigt, drei der Inseln zu kaufen, die einem japanischen Geschäftsmann gehören. Damit will die Regierung verhindern, dass die Inseln von japanischen Nationalisten erworben werden. In China kommt es zu japanfeindlichen Protesten.

2013

Die Fronten verhärten sich weiter. Mehrmals überfliegen chinesische Militärmaschinen das Gebiet. Chinesische und japanische Schiffe fordern sich gegenseitig auf, die von ihnen beanspruchten Gewässer zu verlassen.

Der Gebietsstreit könnte sich über Jahre hinziehen, meint die Sicherheitsexpertin: „Ich erwarte nicht sehr bald einen Krieg, aber ich erwarte ein sehr angespanntes Jahrzehnt.“ Sie sieht daher militärisch Aufrüstungsbedarf. „Ich bin mir nicht sicher, dass wir auch die adäquaten Kapazitäten haben, um eine mögliche Krise zu bewältigen.“
Japan besitzt zwar eine der modernsten und größten Marinen der Welt. Aber die Streitkräfte sind auf Grund ihrer Verfassung auf die reine Landesverteidigung festgelegt. Gleichzeitig beruht die bisherige Militärdoktrin darauf, im Falle eines großen Konflikts durch den nuklearen Schirm der USA geschützt zu werden.

Allerdings könnte ein begrenzter lokaler militärischer Konflikt mit einem aufgerüsteten China um die Inseln möglicherweise Japan und die Militärallianz mit den USA strapazieren. „Wir müssen uns auf den Ernstfall vorbereiten. Wir müssen darüber nachdenken, was wir mit und was wir ohne die USA machen würden,“ sagt die Expertin.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

victims

04.12.2013, 14:41 Uhr

So ein bischen Säbelrasseln und Krieg wäre mal ganz gut, dann geht der Aufschwung garantiert weiter...denn das ganze zerstörte will ja wieder aufgebaut werden. Außerdem könnte man damit ja auch die Notwendigkeit untermauern, das gerade jetzt ein schlechter Zeitpunkt wäre auch nur andeutungsweise die Geldfluten in den Griff zu bekommen.
China wird nicht untergehen, die haben ja die ganze Welt in Griff! Japan wird verlieren! Die sind nicht so wichtig für die westliche Welt, denn der chinesische Markt ist größer und hat viel mehr Verbraucher, sie halten die größten Weltwährungsreserven und sind auch sonst überall auf der Welt mit ihren Zukäufen und Investitionen präsent. Denen wird man nicht auf die Finger klopfen selbst wenn sie der Welt das Messer an der Kehle halten! Geld ist geil und das wissen die Cinesen nur zu gut. Man hat es ihnen schließlich beigebracht und sie haben nur den Westen kopiert. Die Industrieländer füchten den Spiegel den man ihnen vorhalten könnte...und die Sache von wegen Demokratie...könnt ihr mal schnell vergessen...Korrupt und käuflich sind doch wohl wir alle, oder?! Geld macht geil, schön, vergesslich, käuflich, alles was wir eben so zum Leben brauchen...China rules the world!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×