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25.06.2016

11:12 Uhr

Spannungen zwischen Türkei und Israel

Erdogan trifft Hamas-Anführer

Seit 2010 waren die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei mit Israel angespannt. Am Sonntag sollte angeblich die Rückkehr zur Normalität verkündet werden. Doch nun traf sich Präsident Erdogan mit der Hamas.

Erdogan und Hamas-Führer Chaled Meschaal im Dezember 2015. Am Freitag soll es ein erneutes Treffen gegeben haben – zeitgleich mit Berichten über eine Entspannung der Beziehungen zu Israel. AFP; Files; Francois Guillot

Diplomatisch fragwürdig

Erdogan und Hamas-Führer Chaled Meschaal im Dezember 2015. Am Freitag soll es ein erneutes Treffen gegeben haben – zeitgleich mit Berichten über eine Entspannung der Beziehungen zu Israel.

IstanbulInmitten von Berichten über eine bevorstehende Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Israel hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Anführer der radikalislamischen Hamas getroffen. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu wurde Chaled Meschaal am Freitag in Istanbul von Erdogan empfangen. Bei den Gesprächen ging es demnach um humanitäre Hilfen für die Palästinenser sowie die Beziehungen zwischen der Hamas und der gemäßigten Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Die türkische Tageszeitung „Hürriyet“ hatte vor einigen Tagen berichtet, dass die Türkei und Israel am Sonntag die Normalisierung ihrer diplomatischen Beziehungen verkünden wollen. Seit die israelische Marine im Mai 2010 eine Hilfsflotte für den Gazastreifen stoppte und dabei zehn türkische Aktivisten tötete, ist das einst intensive Verhältnis zwischen beiden Ländern stark angespannt.

Die Rolle des Botschafters im diplomatischen Konflikt

Einladung

Eine EINLADUNG ist die sanfteste Form der Kritik. Der Botschafter wird höflich zum Gespräch gebeten. Das soll den Eindruck vermeiden, dass ernsthafte Spannungen zwischen beiden Ländern bestehen.

Einstellung

Die förmliche EINBESTELLUNG ist wesentlich schärfer und signalisiert größere Verstimmung. Die Türkei hat den deutschen Botschafter schon mehrmals einbestellt, unter anderem wegen der Affäre um die Erdogan-Satire von Jan Böhmermann.

Abberufung

Reicht eine Einbestellung nicht mehr aus, folgt die Anweisung zur ABBERUFUNG des Botschafters. Laut dem „Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen“ kann ein Staat einen Diplomaten für unerwünscht erklären. Der Entsendestaat hat dann Zeit, um die „persona non grata“ abzuberufen. Geschieht das nicht, wird der Diplomat ausgewiesen.

Die Abberufung eines Botschafters erfolgt nur bei schweren diplomatischen Verwerfungen. So wies die Türkei 2011 den israelischen Botschafter aus und zog ihren eigenen Botschafter aus Israel ab, nachdem israelische Soldaten bei der Erstürmung einer Gaza-Hilfsflotte neun türkische Aktivisten getötet hatten.

Zurückrufung

Zudem kann eine Regierung ihren eigenen Botschafter zu Konsultationen zeitweise in die Heimat zurückholen. Die ZURÜCKRUFUNG ist Ausdruck der ernsthaften Verärgerung eines Landes über das Gastland des Botschafters. So beorderte die Türkei ihren Botschafter in Berlin nach Ankara zurück, nachdem der Bundestag die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als Völkermord bezeichnet hatte.

Zwei der drei von Ankara als Voraussetzung für die Normalisierung genannten Bedingungen wurden inzwischen erfüllt: Israel entschuldigte sich öffentlich für den Vorfall und sagte Entschädigungszahlungen zu. Unklar ist noch, wie der Kompromiss zur dritten Forderung aussehen soll. Diese betrifft die Aufhebung der Blockade gegen den von der Hamas kontrollierten Gazastreifen.

Von

afp

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