Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2012

02:35 Uhr

Sparen in Spanien

Madrids Massen ziehen auf die Straße

Spaniens Antrag auf Gelder aus dem EFSF hat neue Sparmaßnahmen nach sich gezogen. Gegen die Entscheidungen des Haushaltsministers protestiert die Bevölkerung in Massen. In der Nacht setzte die Polizei Gummigeschosse ein.

Tausende demonstrieren in Madrid gegen Sparmaßnahmen. AFP

Tausende demonstrieren in Madrid gegen Sparmaßnahmen.

MadridDie spanische Polizei hat in der Nacht zum Freitag in der Hauptstadt Madrid Gummigeschosse gegen Teilnehmer eines Massenprotests gegen neue Sparmaßnahmen eingesetzt. Zudem trieb sie am Abend am zentralen Platz Puerta del Sol kleinere Gruppen von Demonstranten mit Schlagstöcken auseinander, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Nach Polizeiangaben wurden sieben Demonstranten festgenommen und sechs Menschen verletzt.

Bei der Großdemonstration in Madrid haben viele Spanier gegen die neuen Sparmaßnahmen der Regierung protestiert. Die Demonstranten versammelten sich unter dem Motto "Sie wollen das Land ruinieren, das müssen wir verhindern" im Zentrum der spanischen Hauptstadt.

Zahlreiche Demonstranten trugen bunte Fahnen bei sich und Banner mit Aufschriften wie "Wenn du gewinnen willst, höre nicht auf zu kämpfen" und "Rajoy beklaut uns".

Die großen spanischen Gewerkschaften CCOO und UGT hatten für den Abend zu Demonstrationen in mehr als 80 spanischen Städten aufgerufen. Angaben zur Anzahl der Teilnehmer schwanken; es ist von Zehntausenden, auch von Hunderttausenden die Rede.

Mit den Protesten wollten die Gewerkschaften die Mobilisierungsfähigkeit der Spanier prüfen. Die Gewerkschaften haben damit gedroht, zu einem neuen Generalstreik im September aufzurufen.

Die regierende Volkspartei von Ministerpräsident Mariano Rajoy, die im Parlament die absolute Mehrheit stellt, hatte am Donnerstag das umstrittene Sparpaket gebilligt. Unter anderem sollen die Mehrwertsteuer von 18 auf 21 Prozent angehoben, das Weihnachtsgeld für Staatsbedienstete für dieses Jahr gestrichen und die Arbeitslosenhilfe gekürzt werden. Die Opposition votierte geschlossen dagegen.

Der sozialistische Oppositionsführer Alfredo Pérez Rubalcaba warf der Regierung Hörigkeit gegenüber der Europäischen Union vor. "Nehmen Sie ein Flugzeug nach Brüssel und sagen Sie denen, dass die Kürzungen Barbarei sind", sagte er an das Kabinett gerichtet.

Kommentare (21)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.07.2012, 23:01 Uhr

Mehrere tausend? Mehrere hunderttausend, wenn nicht sogar Millionen Menschen sind in Spanien auf den Strassen. Teilweise mit heftigen Auseinandersetzung mit der Polizei.

Es sind weit mehr Menschen als in Syrien - die spanische Regierung sollte sich dringend überlegen, ob sie weiterhin gegen die Mehrheit der Bevölkerung vorgehen will. Ist ja schliesslich eine Demokratie und keine Diktatur.




Rechner

19.07.2012, 23:06 Uhr

Tausende demonstrieren - meinetwegen.

Solange die restlichen 45 Millionen begreifen, daß man nicht endlos auf Pump leben kann ist das in Ordnung.

so_what

19.07.2012, 23:45 Uhr

Die Proteste sind allzu verständlich, denn die Wut die inzwischen quer durch die Bevölkerung durch Lohn/Gehaltskür
zungen plus Mehrwertsteuererhöhung geht, ist vornehmlich darauf gerichtet, daß ausgerechnet die Banken, die das Dilemma in Spanien erzeugt haben, nun gerettet werden,- denn die eigentliche Staatsverschuldung war niedrig - während die Bevölkerung leer ausgeht und bluten muß für die Fehler der Finanzwirtschaft, die genau wie in USA, jedem einen Kredit zum Häuslebau nachgeworfen hat. Die Leute sind auch genau wie in USA auf die Straße geworfen worden, das Debit der Banken wird aber nun aufgefüllt.

Struktur- und sonstige Veränderungen sind natürlich notwendig aber nicht ad hoc durchführbar und somit nur sehr verzögert wirksam.


Wichtig wäre nun, daß durch die Lohnsenkungen auch entsprechend die Inlands-Erzeugerpreise fallen müßten und Importe reduziert würden bis auf das Notwendigste.
Gleichermaßen reduzieren sich allerdings die Steuereinnahmen.
Die Exportgüter könnten sodann aber einen Wettbewerbsvorteil erreichen.
Beispiel Weinexport: schon lange beklagen die Franzosen, daß sie von span. Wein überflutet werden,weil der franz. Wein zu teuer geworden ist.
Darauf reagierend haben die Franzosen mehr Billigwein produziert.Hier wird nun erneut Frankreich tätige werden müssen, Preise senken, dann müßten aber dort auch die Löhne sinken....denn alles ist heute auf ruinösen Wettbewerb abgestellt.

Man sieht, wie schwierig und verwerfend Marktwirtschaft innerhalb einer Währung zu gestalten ist, wenn alles derart verzahnt ist. Und es werden noch mehr Probleme auf uns zukommen.Die Politik weiß das, sagt es aber nicht!


Der Euro-Rettungsfonds EFSF soll laut "Wall Street Journal" Geld für Käufe spanischer Staatsanleihen beiseitelegen. Das Rettungspaket soll laut diesem Bericht damit über die Hilfe für Bankensektor hinausgehen.
13:46 - Echtzeitnachricht

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×