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17.02.2012

16:39 Uhr

Sparkurs

US-Armee zieht zwei Brigaden aus Deutschland ab

Seit langem erwarteten die Truppenstandorte Baumholder und Grafenwöhr die schlechte Nachricht. Jetzt ist es offiziell: Die US-Armee zieht zwei schwere Brigaden ab - für die Regionen ein harter Schlag.

Der Weggang tausender Soldaten trifft die westpfälzische Stadt Baumholder stark - vom Automechaniker bis zum Gastronomen. dpa

Der Weggang tausender Soldaten trifft die westpfälzische Stadt Baumholder stark - vom Automechaniker bis zum Gastronomen.

Berlin/WashingtonDie USA reduzieren wegen ihres Sparkurses die Truppen in Europa - und ziehen zwei schwere Infanteriebrigaden aus Deutschland ab. Bereits zum nächsten Oktober wird die 170. Kampfbrigade in Baumholder (Rheinland-Pfalz) mit knapp 5000 Soldaten aufgelöst. Ein Jahr später wird die 172. Brigade mit Teileinheiten in Grafenwöhr und Schweinfurt (Bayern) abgezogen.

Aus Spangdahlem in der Eifel (Rheinland-Pfalz) wird zudem bis Mitte 2013 eine Kampfjet-Staffel mit rund 450 Soldaten abgezogen. Während der Abzug aus Baumholder, der größten deutschen US-Garnisonsstadt, erwartet wurde, kam die Nachricht in Spangdahlem für viele überraschend.

Zudem gibt es weitere Abzugspläne. „Im Verlauf der nächsten Jahre“ sei eine weitere Reduzierung um etwa 2500 Soldaten bei anderen Einheiten in Deutschland geplant, teilte das US-Hauptquartier für Europa weiter mit. Es hieß, bis 2017 sei eine Reduzierung um 25 Prozent auf rund von 30.000 US-Soldaten vorgesehen.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta informierte seinen deutschen Amtskollegen Thomas de Maizière bei einem Treffen in Washington über den geplanten Abzug. „Deutschland war ein wunderbarer Gastgeber für unsere Truppen und ihre Familien“, sagte Panetta.

De Maizière zeigte Verständnis für die Abzugspläne. „Das Verfahren war transparent, das Ergebnis ist moderat“, sagte er. Deutschland bleibe der Hauptstandort amerikanischer Truppen in Europa. „Das unterstreicht, dass Deutschland für unsere amerikanischen Freunde ein strategisch wertvoller und auch ein strategischer unverzichtbarer Standort ist und bleibt.“ Nach Ansicht des Stadt- und Verbandsbürgermeister von Baumholder, Peter Lang (SPD), ist der Abzug der Panzerbrigade keine Katastrophe für die Kleinstadt. „Wir sind noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte er am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Auch wenn der Standort kleiner werde, so sei er doch trotz der US-Sparpläne dauerhaft gesichert.

Mit Familien und Zivilisten leben rund 13.000 Amerikaner in der Gegend. „Das werden zwar weniger Soldaten sein, als bisher dort stationiert worden sind“, sagte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) am Freitag in Mainz. Aber in Baumholder werde es mit der Logistikeinheit eine dauerhafte Präsenz mit Familien geben.

Der Bürgermeister von Spangdahlem, Klaus Rodens, bedauerte den Abzug der A-10-Staffel. „Es tut uns sehr leid, dass die Staffel hier wegzieht“, sagte er der dpa. Rund 850 Deutsche seien auf dem US-Flugplatz beschäftigt. Rund 3000 Amerikaner wohnten außerhalb der Airbase zur Miete. Der Abzug sei aus Landessicht und für die Region eine schlechte Nachricht, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Der Abzug von US-Truppen aus dem oberpfälzischen Grafenwöhr beginnt im Oktober 2013. „Jetzt müssen wir schauen, wie es mit unseren Arbeitnehmern weitergeht“, sagte Bürgermeister Helmuth Wächter (SPD) am Freitag. Wenn die rund 3800 Heeressoldaten der 172. Brigade mit ihren Familien aus Grafenwöhr abziehen, könnte das auch Auswirkungen auf die deutschen Zivilbeschäftigten haben. Wächter setzt darauf, dass der Wegfall der Brigade durch wechselnde Einheiten ausgeglichen wird, die verstärkt zum Üben nach Grafenwöhr kommen sollen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Adam_Ries

16.04.2012, 05:28 Uhr

Wünschenwert wäre dass diese zwei Brigaden nach Griechenland oder Portugal verlegt werden, für diese zwei in Not geratene Europäische Länder eine Wohltat.

enemenem

08.07.2012, 11:15 Uhr

Raus mit den US-Kriegshetzer aus Deutschland. Kurt Beck und Lewentz sowie der BM von Spangdahlem sollen sie mitnehmen.

olli1401

09.07.2012, 13:09 Uhr

Wünschenswert wäre, dass die US-Truppen nach Hause gehen und dort bleiben. Wir können unsere Zukunft auch ohne US-Militär gestalten. Tourismuschancen und Lebensqualität in Saarland und Westpfalz würden sich durch den Wegfall des permanenten Kampfjet- und Transporterlärms deutlich verbessern.

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