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09.04.2014

14:00 Uhr

Sparpolitik

Generalstreik legt Griechenland lahm

Der öffentliche Nahverkehr steht still, Krankenhäuser und Ämter sind nur bedingt besetzt: Tausende Menschen protestieren in Griechenland gegen die Regierung. Sie fordert ein Ende der massiven Sparpolitik.

Tausende Demonstranten sind in der Athener Innenstadt unterwegs. dpa

Tausende Demonstranten sind in der Athener Innenstadt unterwegs.

AthenEin Generalstreik gegen die massive Sparpolitik der Regierung hat das öffentliche Leben in Griechenland am Mittwoch größtenteils lahmgelegt. Züge und Fähren fuhren nicht, der öffentliche Nahverkehr wurde massiv gestört, staatliche Krankenhäuser und andere öffentliche Dienste konnten nur eingeschränkt arbeiten. Tausende Demonstranten marschierten durch die Innenstadt der Hauptstadt Athen.

Nach Polizeiangaben nahmen mindestens 6000 Menschen an der Demonstration teil. Sie trugen Banner und skandierten Slogans gegen Sparmaßnahmen. Hunderte weitere versammelten sich in einer anderen Gegend von Athen, um an einem zweiten Protestmarsch teilzunehmen. Wegen der Protestaktionen wurde die U-Bahn-Station im zentralen Syntagma-Platz vor dem Parlament geschlossen.

Wenn Massenproteste außer Kontrolle geraten

Türkei

Die gewaltsame Räumung eines Protestcamps in Istanbul, mit dem die Zerstörung eines Parks am Taksim-Platz verhindert werden sollte, löst im Mai 2013 eine landesweite Protestwelle aus. Mittlerweile richten sich die andauernden Proteste vor allem gegen den autoritären Regierungsstil des islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Mehrere Menschen kamen bisher ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Bulgarien

Nach Massenprotesten und schweren Ausschreitungen in der Hauptstadt Sofia tritt die bulgarische Regierung im Februar 2013 zurück. Die Proteste richteten sich zunächst gegen hohe Strompreise, wandten sich dann aber immer stärker gegen Ministerpräsident Boiko Borissow. Hintergrund war die Unzufriedenheit über geringe Einkommen, hohe Arbeitslosigkeit und Korruption.

Griechenland

Bei Massendemonstrationen von Hunderttausender gegen das massive Sparprogramm der Regierung sterben in der griechischen Hauptstadt Athen im Mai 2010 drei Menschen. Vermummte Randalierer hatten mit Molotowcocktails eine Bank in Brand gesetzt.

Serbien

Rund 200.000 Menschen demonstrieren im Februar 2008 gegen die Unabhängigkeit des Kosovos in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Mehrere tausend Randalierer demolieren Botschaften, plündern Geschäfte, zünden Autos und Busse an. Mindestens ein Mensch kommt ums Leben, mehr als 150 Menschen werden verletzt.

Frankreich

Der Tod zweier Jugendlicher, die auf der Flucht vor der Polizei nahe Paris tödlich verunglückten, löst im Herbst 2005 eine Welle der Gewalt in französischen Einwanderervorstädten aus. Sporthallen, Geschäfte und tausende Autos gehen in Flammen auf. Tausende Randalierer werden festgenommen. Nach drei Wochen erklärt die Polizei die Unruhen offiziell für beendet.

Italien

Das Gipfeltreffen der führenden Industrieländer in Genua wird im Juli 2001 von der schwersten Welle der Gewalt in seiner Geschichte überschattet. Ein 23-jähriger Italiener stirbt bei den Straßenschlachten durch eine Polizeikugel. Globalisierungsgegner demolieren Büros, Geschäfte und Bankautomaten. Hunderte Menschen werden verletzt. Kritiker werfen der Polizei übertriebene Härte vor.

Die Gewerkschaften fordern ein Ende der schmerzhaften, mit tiefen Einschnitten verbundenen Sparpolitik, die der Regierung auferlegt wurde, um die internationalen Hilfen zu bekommen, nachdem das Land 2010 fast pleite war. Die wiederholten Einkommenskürzungen und Steuererhöhungen vertieften die sechs Jahre andauernde Rezession. Die Arbeitslosenquote stieg auf einen Rekordwert von 28 Prozent.

Es gibt aber erste Anzeichen für eine leichte Erholung. Die Wirtschaft soll in diesem Jahr auf den Wachstumspfad zurückkehren. Die Regierung plant zum ersten Mal seit vier Jahren eine Rückkehr an die Kapitalmärkte.

Von

ap

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

09.04.2014, 14:16 Uhr

Neuer Streik, macht nichts; darf der Streik noch einen Tag länger dauern ? Macht ebenfalls nichts, es kommt ja bald wieder die turnusmäßige Milliarden-Transfusion, um das Weiterleben zu ermöglichen.

Account gelöscht!

09.04.2014, 15:55 Uhr

Denkfehler, das Geld welches morgen durch 6 % Staatsanleihen generiert werden soll, ist weder für den griechischen Bürger noch für den griechischen Staat gedacht um davon evtl. effektivere, kostensparende oder mehr Steuereinnahmen generierende Strukturen zu ermöglichen. Schulden bei ausländischen Gläubigern müssen bedient werden und ein kleines bisschen bleibt auch noch für die üblichen Kleptomanen im Lande.
Das griechische Volksblut muss noch viel mehr spritzen, bevor es zu einem echten Volksaufstand kommen kann. Die griechischen EU Wahlergebnisse werden es belegen, es geht noch zu vielen zu gut, auch wenn es einigen schon richtig dreckig geht.

Account gelöscht!

09.04.2014, 16:27 Uhr

Zitat : Sie trugen Banner und skandierten Slogans gegen Sparmaßnahmen.

- das verstehe wer will...?

Laut Medienberichten holt sich doch Griechenland frisches Geld mittels Staatsanleihen.

Und man reisst sich ja sogar um diese Papiere !

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