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09.03.2013

16:21 Uhr

SPD-Außenexperte

Neue Nordkorea-Drohungen „besorgniserregend“

ExklusivDie Provokationen Nordkoreas nehmen kein Ende. Die Politik in Deutschland ist alarmiert. SPD-Außenexperte Mützenich warnt vor einer weiteren Eskalation. China setzt auf neue Verhandlungen mit Pjöngjang.

Nordkoreanisches Militär. dpa

Nordkoreanisches Militär.

BerlinDie Ankündigung des nordkoreanischen Regimes, sein umstrittenes Atomprogramm weiter auszubauen, hat in Deutschland Besorgnis ausgelöst. „Die wachsende Spannung in Nordostasien ist besorgniserregend. Das Regime in Nordkorea trägt gegenwärtig dafür die Verantwortung“, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, Handelsblatt Online.

Nach der Verschärfung der Uno-Sanktionen wegen des jüngsten Atomtests hatte Nordkorea weitere Maßnahmen zum Ausbau seines Kernwaffenprogramms angekündigt. In einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang hieß es, der Sanktionsbeschluss der Vereinten Nationen sei - so wörtlich - ein Produkt der feindseligen Politik der USA. Nordkorea werde aber ungeachtet aller internationalen Beschlüsse seine Stellung als Atomwaffenstaat festigen.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Dass alle Mitglieder im Weltsicherheitsrat gemeinsam und deutlich hierauf reagiert hätten, sei „verantwortlich und deutlich“, sagte Mützenich weiter. Die besonnenen und zurückhaltenden Reaktionen der asiatischen Nachbarn seien ebenso angemessen. „Jetzt geht es um Deeskalation und alles zu vermeiden, was zu einem unbeabsichtigten Waffengang führen könnte“, sagte der SPD-Politiker.

Langfristig dürfe das Ziel einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel nicht aus den Augen verloren werden, betonte Mützenich. „Hilfreich dabei wäre die Akzeptanz der kernwaffenfreien Zone in Südostasien durch die Atomwaffenmächte.“ Begleitende Prozesse der Vertrauensbildung und Abrüstung in Asien könnten zudem einen „sicheren“ Frieden in Asien fördern. „Dazu gehört auch die gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte.“

China hat unterdessen zu neuen Verhandlungen aufgerufen. Alle Beteiligten sollten jetzt Ruhe und Zurückhaltung zeigen, sagte Außenminister Yang in Peking. Zugleich wies er darauf hin, dass in der jüngsten Uno-Resolution auch zur Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche aufgerufen worden sei. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte am Mittwoch die Sanktionen gegen Nordkorea einstimmig, also auch mit den Stimmen Chinas, verabschiedet. 

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

Von

dne

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

09.03.2013, 17:15 Uhr

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß nicht aus vielen umliegenden Ländern bereits seit längerem Atomwaffen gegen dieses Land mit seinem agressiven Machthaber gerichtet sind. Leid tut mir die Bevölkerung. Egal, ob sie ihrem Machthaber freiwillig oder verordne zujubelt. Sie wird es bitter bereuen, wenn KJU den Starter-Knopf drückt. Denken denn diese Leute, sie könnten heute machen, was sie wollen?

r-tiroch@t-online.de

09.03.2013, 17:17 Uhr

die gewünschten Reaktionen gehen bald in Erfüllung geht mir durch den Kopf. natürlich ist mal wieder keiner Schuld.

Account gelöscht!

09.03.2013, 17:30 Uhr

Ja, stimmt, Obama hat Mützenich im persönlichen Telefonat mit dem Roten Telefon, beauftragt, eine Strategie zu entwickeln, die optimal geeignet ist, Nordkorea ein für alle mal in die Schranken zu verweisen und dies den Medien zu verkünden. Ich selbst habe das Telefon angezapft und bestätige aus erster Quelle.
Die Menschheit ist Mützenich zu ewigem Dank verpflichtet.

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