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07.05.2011

16:21 Uhr

Spekulationen um Griechenland

„Wollen nicht, dass der Euro-Raum explodiert“

Ein EU-Geheimtreffen heizt die Gerüchteküche an. Tritt Griechenland aus der Euro-Zone aus? Jean-Claude Juncker spricht von einer „dummen Idee", der griechische Premier nennt die Spekulationen „fast schon kriminell“.

Euro-Gruppenchef Juncker: „Das ist eine dumme Idee“. Quelle: Reuters

Euro-Gruppenchef Juncker: „Das ist eine dumme Idee“.

Athen, Brüssel, LuxemburgDie Finanzminister der größten Euro-Länder haben auf einem Geheimtreffen über die Lage im hochverschuldeten Griechenland diskutiert. Ein möglicher Austritt des südeuropäischen Landes aus der Euro-Zone sei bei der Zusammenkunft, an der auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und EU-Währungskommissar Olli Rehn teilgenommen hätten, aber kein Thema gewesen, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am späten Freitagabend. „Wir wollen nicht, dass der Euro-Raum ohne Grund explodiert.“ Auch eine Umschuldung des mit 327 Milliarden Euro verschuldeten Landes werde ausgeschlossen. Es müsse aber am 16. Mai beim Treffen der Euro-Finanzminister darüber gesprochen werden, ob Griechenland „einen weiteren Wirtschaftsplan“ benötige. Details dazu nannte Juncker nicht.

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou bezeichnet die Spekulationen als „fast schon kriminell“ bezeichnet. „Kein solches Szenario wurde jemals diskutiert, nicht einmal inoffiziell“, sagte Papandreou am Samstag auf einer Konferenz auf der Ionischen Insel Meganisi. Sein hochverschuldetes Land solle in Ruhe gelassen werden, damit es den eingeschlagenen Spar- und Reformkurs zuende führen könne.

Der Euro büßte nach Bekanntwerden des Treffens rund 1,5 Prozent ein und lag zwischenzeitlich bei 1,433 Dollar.

Griechenland wird von EU und Internationalem Währungsfonds bereits mit 110 Milliarden Euro gestützt. Experten werteten die Austritts-Spekulationen als Zeichen für die Unzufriedenheit der griechischen Regierung mit den Bedingungen des Rettungspakets. In deutschen Koalitionskreisen hieß es aber auch, der IWF sei mit der Umsetzung des Sparpakets in dem Land sehr unzufrieden, vor allem beim Thema Privatisierungen. In Kreisen der EU hieß es, es gebe Zweifel daran, dass Griechenland die Bedingungen für die Auszahlung der nächsten Kredittranche des Hilfspakets erfüllen könne. Es herrsche Druck, über eine Umschuldung zu entscheiden. Und es gebe Verhandlungen über eine Lösung zwischen den EU-Ländern und dem IWF.

Wie verschuldet ist Europa?

Griechenland

Staatsverschuldung: 152 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 7,4 % des BIP (2011); Rating: CCC (S&P), Caa1 (Moody's), B+ (Fitch)

Irland

Staatsverschuldung: 114 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 10,8 % des BIP (2011); Rating: BBB+ (S&P), Baa3 (Moody's), BBB+ (Fitch)

Portugal

Staatsverschuldung: 90,5 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 5,6 % des BIP (2011); Rating: BBB- (S&P), Baa1 (Moody's), BBB- (Fitch)

Spanien

Staatsverschuldung: 64 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 6,2 % des BIP (2011); Rating: AA (S&P), Aa2 (Moody's), AA+ (Fitch)

Italien

Staatsverschuldung: 120 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 4,3 % des BIP (2011); Rating: A+ (S&P), Aa2 (Moody's), AA- (Fitch)

Belgien

Staatsverschuldung: 97 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 3,9 % des BIP (2011); Rating: AA+ (S&P), Aa1 (Moody's), BB+ (Fitch)

Deutschland

Staatsverschuldung: 80 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 2,4 % des BIP (2011); Rating: AAA (S&P), Aaa (Moody's), AAA (Fitch)

Juncker zufolge nahmen an dem Treffen in Luxemburg die Finanzminister aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien sowie Trichet und Rehn teil. Auch der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou war anwesend. Bei dem Treffen, zu dem der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, eingeladen habe, sei es um die Entwicklungen der Finanzen in Griechenland gegangen, sagte Papakonstantinou. „Es ist absolut klar, dass während dieser Gespräche nicht über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone gesprochen wurde“

Andere Euro-Länder waren offenkundig nicht eingeweiht. Aus den Finanzministerien der Euro-Länder Belgien und der Slowakei hieß es, über eine solche Sitzung sei nichts bekannt. Der Vertreter eines Euro-Landes sagte jedoch, Zusammenkünfte einiger Minister im kleinen Kreise seien normal.

Kommentare (32)

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Kollabiert

07.05.2011, 10:44 Uhr

Muhahaha, da isser ja wieder der Herr Juncker.

Prognosen, die Sie hier seit Monaten den Lesern als Tatsachen verkaufen, aber die sich völlig anders darstellen, wenn das Szeneraio tatsächlich eintritt.
Wo wir dann wieder bei den „Experten und Ökonomen“ angelangt wären - auch deren Einschätzungen und Anal(ysen) erwiesen sich in der Vergangenheit als desaströse Megaflops.
Ich finde richtig und wichtig, das der Euro kollabiert und mit ihm dieser diktatorisch mafiös-organisierte Selbstbedienungs-, Umverteilungs- und Beamtenapparat Europäische Union (EU).
Der deutsche Michel hatte innerhalb der letzten 9 Jahre einen Kaufkraftverlust von 40-50% zu verschmerzen.
Dies ist ganz klar dem Euro geschuldet, genauso wie die Überschuldung der GIPSI-Pleitestaaten durch niedrigste Kreditzinsen.
Denn würden wir heute wieder die D-Mark einführen, würde diese sofort um besagte 40-50% aufwerten, und somit den deutschen Bürgern einen Teil ihres Wertverlusts der letzten Jahre zurückführen.
Das ist die Wahrheit, die ich hier in den Mainstreammedien und Propagandablättern der Bundesregierung niemals lesen kann.
Ein Ende des Euro und der EU hat nicht nur Nachteile, sondern birgt durchaus sehr viele Vorteile für den deutschen Bürger!

mono

07.05.2011, 10:49 Uhr

Der Euro Raum wird in seiner jetzigen Form niemals halten. Diese Diskussion leitet jetzt schon eine nicht umkehrbare Entwicklung ein.
Allein die Ankündigung eines möglichen Austrittes, lässt das Zentrum des Euro erzittern und macht es über alle Massen erpressbar.

Eigentlich ist es schon gelaufen!

Verjunckert

07.05.2011, 10:55 Uhr

Der Sprecher der Euro-Länder, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, war weder eingeladen noch informiert. "Es gibt kein Treffen", sagte sein Sprecher der Süddeutschen Zeitung.
(Quelle: süddeutsche.de)

Aha, es gibt kein Treffen???

Hier im HB lese ich jetzt, das Juncker das Treffen einberufen hat.
Man wird nur noch belogen und betrogen.
Bürger Europas, macht endlich Schluß mit dieser Lügenbande EU und dem (T)Euro. Wir Völker brauchen dieses geldvernichtende Moloch Brüssel nicht. Wir haben seit Jahrzenhnten friedlich in Europa zusammengelebt, warum sollte das ohne Euro nun nicht mehr funktionieren???
Goooo Greece goooo, raus aus dem Euro!

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