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31.01.2007

14:51 Uhr

Spirituosen-Verordnung

Kampf ums Wässerchen

VonMathias Brüggmann

Ginge es nach einem Großteil der EU-Bürokraten, dürfte der Berliner Hersteller von Wodka Gorbatschow sein hochprozentiges Getränk bald nicht mehr Wodka nennen. Denn vor allem Europaabgeordnete aus dem Baltikum und Polen kämpfen für eine neue Spirituosenverordnung, die einer Art Reinheitsgebot für Wodka gleichkäme.

Noch darf er sich Wodka nennen: Gorbatschow aus Berlin-Reinickendorf.

Noch darf er sich Wodka nennen: Gorbatschow aus Berlin-Reinickendorf.

BERLIN. Ihr bester Freund müsste eigentlich Gorbatschow heißen. Nein, nicht Michail Gorbatschow, der Russe, sondern Wodka Gorbatschow, nach eigenen Angaben Marktführer für das Wässerchen in Deutschland. Denn Dagmar Roth-Behrendt, die streitbare Berliner SPD-Dame im Europaparlament, wirft sich jetzt für den Reinickendorfer Traditionsbetrieb in die Bresche und will auf der europäischen Bühne das Schlimmste für ihren Wahlkreis verhindern – dass nämlich der Wodka Gorbatschow am Ende gar nicht mehr Wodka genannt werden darf.

Denn dem Klaren droht Schlimmes: EU-Bürokraten wollen dem alkoholischen Getränk mit der Vorlage KOM(2005)125 zur Neuordnung der europäischen Spirituosenverordnung den Garaus machen. „Hier wird die Tradition nur vorgeschoben“, wettert hingegen Roth-Behrendt und bringt ihre Meinung auf den Punkt: Mit dem neuen Gesetz „sollen etablierte Produkte vom Markt gedrängt werden“.

Also auch der traditionsreiche Wodka Gorbatschow. 1917, in den Wirren der Oktoberrevolution, war Fabrikgründer Leontowitsch Gorbatschow aus dem von den Bolschewiken besetzten St. Petersburg nach Berlin emigriert und baute hier seine Wodkaproduktion neu auf. Inzwischen wurde die Destille eingemeindet in den Wiesbadener Henkell & Söhnlein-Konzern. Soviel zur Tradition.

Nicht genug Tradition hingegen, meinen vor allem Europaabgeordnete aus Ländern mit traditionell langer Tradition für Wodka, also vor allem aus den neuen Beitrittsländern aus dem Baltikum und Polen, aber auch von skandinavischen Volksvertretern. Sie stehen auf dem Standpunkt, dass sich künftig nach neuer Spirituosenverordnung nur Wodka nennen dürfen soll, was aus Kartoffeln oder Getreide gebrannt ist. Damit aber würde die Neufassung der Verordnung zum Frontalangriff nicht nur auf Wodka Gorbatschow, von dem ein Firmensprecher sagt „mit Kartoffel und Weizen könnte er nicht so rein und mild werden“. Auch andere Marken wie Smirnoff oder Ciroc würden vom Markt gefegt.

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