Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2011

09:32 Uhr

Spitzengespräch in Berlin

Euro-Retter nehmen Merkels Griechenland-Kurs aufs Korn

Wie kann Griechenland noch vor der Pleite bewahrt werden? Die Europäer schnüren ein neues Rettungspaket, doch Deutschland zögert mit schnellen Hilfszusagen. Sarkozy will das ändern – im persönlichen Gespräch mit Merkel.

Papandreou verhandelt - Merkel und Sarkozy beraten

Video: Papandreou verhandelt - Merkel und Sarkozy beraten

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinEine Woche vor dem EU-Gipfel versuchen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy heute die Positionen beider Länder in einer Reihe von Themen anzunähern. Vorrangig dürfte es um die Frage gehen, wie und zu welchen Bedingungen dem angeschlagenen Euro-Partner Griechenland geholfen werden kann. Frankreich ist vorsichtiger als Deutschland bei der Frage, ob auch private Gläubiger bei einem Rettungspaket mit einbezogen werden sollen.

Die Bundesregierung versucht derweil den Eindruck zu zerstreuen, dass sie jegliche Hilfsbemühungen blockiert. Er sei sich sicher, dass Merkel und Sarkozy zu einem Kompromiss kommen könnten, sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP), im ZDF-"Morgenmagazin". Dies gilt laut Hoyer auch für die Einbindung privater Gläubiger. Deutschland und Frankreich hätten gemeinsam ein großes Interesse daran, „den Euro wetterfest zu machen“, betonte der Staatsminister.

Die zögerliche Haltung Deutschlands sorgt für großen Unmut in Europa. Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sagte im Deutschlandfunk, das Zaudern über weitere Hilfen müsse ein Ende haben. Es sei weniger riskant, das Land zu retten als es in Scherben fallen zu lassen. Deshalb dürfe die Europäische Union nicht länger über Prinzipien diskutieren, sondern müsse sich auf die Aufgabe konzentrieren, Griechenland wieder in die Lage zu versetzen, selbst Kredite aufzunehmen. Dabei dürfe man das griechische Volk nicht vergessen, betonte Asselborn. Die Menschen brauchten Motivation und eine Perspektive.

Auch Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker drängt die Bundesregierung zur Eile. Eine Entscheidung sollte nicht in den September hinein verschoben werden, sagte der luxemburgische Regierungschef am Freitag. Zuvor war aus deutschen Verhandlungskreisen verlautet, dass sich die Bundesregierung angesichts der offenen Fragen bei der Beteiligung privater Gläubiger mit der endgültigen Zustimmung zu einem neuen Hilfspaket für Athen bis September Zeit lassen wolle.

Bei den Verhandlungen über ein zweites Hilfspaket für Griechenland streiten die EU-Länder über die Rolle der privaten Gläubiger. Deutschland dringt auf eine Beteiligung privater Kreditgeber, Frankreich ist skeptisch - auch weil französische Großbanken zu den größten Gläubigern Griechenlands gehören. „Es wird eine Beteiligung privater Gläubiger geben“, ist Juncker überzeugt. Allerdings dürfe es dabei nicht zu einem Kreditausfall und einer weiteren Absenkung der Bonität Griechenlands kommen. Zudem müsse die Beteiligung der Banken freiwillig sein.

In Athen wird erwartet, dass der griechische Ministerpräsident Papandreou in Kürze seine Kabinetts-Umbildung bekannt gibt. Wie ein Regierungssprecher in Athen mitteilte, sollen die Minister anschließend umgehend vereidigt werden. Mit der neuen Mannschaft will sich der wegen seines Sparkurses auch in den eigenen Reihen unter Druck stehende Premier in den kommenden Tagen einer Vertrauensabstimmung im Parlament stellen.

Wie könnte eine Verlängerung griechischer Staatsanleihen aussehen?

Wann sollten die Laufzeiten verlängert werden?

Im Gespräch sind zwei Varianten: Entweder lassen die Banken ihre griechischen Staatsanleihen einfach bis zur Fälligkeit auslaufen und zeichnen dann neue im gleichen Volumen. Das wäre die von der EZB beschworene absolut freiwillige Vereinbarung mit der Finanzbranche. Die Politik traut den Geldhäusern aber nicht so recht. Oder aber die ausstehenden Griechenland-Anleihen werden sofort in neue Papiere mit siebenjähriger Laufzeit getauscht, um dem Land eine verlässliche Atempause bei der Rückzahlung seiner Schulden zu geben. Letztere Variante wird von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befürwortet. Ratingagenturen bezweifeln aber, dass hier wirklich auf Freiwilligkeit gesetzt wird.

Wie sehen die Sicherheiten aus?

Etliche europäische Großbanken haben zuletzt betont, dass sie sich einer Laufzeitenverlängerung auf freiwilliger Basis als „Ultima Ratio“ nicht verweigern würden. Sie wollen aber Sicherheiten, wenn sie weiter in griechische Anleihen investieren sollen, denn Griechenland alleine ist ihnen nicht mehr kreditwürdig genug. Für eine Absicherung gibt es mehrere Möglichkeiten: Der derzeitige Euro-Rettungsfonds EFSF könnte Garantien geben für die neuen griechischen Anleihen - zumindest für einen Großteil davon. Das findet auch Gerhard Hofmann, Mitglied des Vorstandes beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): „Auf freiwilliger Basis wäre eine Laufzeitverlängerung wohl nur vorstellbar, wenn gleichzeitig die Rückzahlung griechischer Anleihen sicherer als heute würde, das heißt zum Beispiel eine Garantie vom EFSF gewährt würde.“ Oder die Privatisierungserlöse aus dem Schuldenstaat werden zur Absicherung der neuen Anleihen verwendet, möglicherweise über eine eigens eingerichtete Treuhandanstalt. In jedem Fall muss ein solventer Gläubiger als Rettungsanker her.

Was ist wichtiger - Garantien oder Zinsen?

Über die Höhe der Zinsen für eventuelle neue griechische Bonds ist öffentlich bislang kaum diskutiert worden. Aus gutem Grund: Für die Banken steht die Sicherheit ganz oben auf der Agenda. Wenn die Garantien stimmen, könnten sie sich wohl auch mit einer sofortigen Verlängerung der Laufzeiten anfreunden. Umgekehrt bedeutet das, dass man die Banken nicht mit besonders hohen Renditen locken muss, sondern sich die Institute auch mit vergleichsweise geringen Risikoaufschlägen zufrieden geben würden. Für neue zehnjährige griechische Staatsanleihen wären dann Experten zufolge vier bis fünf Prozent Zinsen vorstellbar - also etwas mehr als die drei Prozent, die derzeit für zehnjährige Bundesanleihen fällig sind. Aktuell müsste Griechenland 17 Prozent Zinsen zahlen.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Soli

17.06.2011, 08:48 Uhr

Wie wäre es denn mit einem Solidaritätszuschlag für Griechenland für die Deutschen? Hier gibt es erst einen Zuschlag. Einbeinig stehen ist zu kompliziert. Auf 4 Beinen steht man viel besser. Da wird doch wohl noch weiteres einfallen.

Wutbuerger

17.06.2011, 08:55 Uhr

Schmierenkomödie für das dumme Pöbel....
Im Hintergrund sind sich diese korrupten Kakerlaken einig.
In deren Köpfen spuckt eine Weltregierung mit einer perfekten Kontrolle der Bevölkerung.
Und was ist mit der Bevölkerung ?
Die Meisten schlafen !!!!!!!!!!!!!!!!

Account gelöscht!

17.06.2011, 08:59 Uhr

Stimme Wutbuerger in allem zu.
Danke

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×