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16.02.2014

16:38 Uhr

Spitzentreffen in Frankreich

Hollande erwartet Klartext von Top-Managern

VonThomas Hanke

Frankreichs Regierung will sich bittere Wahrheiten anhören. Staatspräsident Hollande und sein Premierminister empfangen Vertreter von 34 Konzernen und Banken zu einer Debatte. Auch Chefs deutscher Firmen sind dabei.

Francois Hollande in einer Staatskarosse: Unter anderem wird er Siemens-Chef Joe Kaeser empfangen. dpa

Francois Hollande in einer Staatskarosse: Unter anderem wird er Siemens-Chef Joe Kaeser empfangen.

ParisFrankreichs Regierung wirbt bei den großen internationalen Unternehmen um Sympathie. Am Sonntagabend und Montag empfangen Premier Jean-Marc Ayrault und Präsident Francois Hollande die Chefs von 34 Industrieunternehmen, IT- und Telekommunikationsfirmen, Banken und Staatsfonds. Aus Deutschland sind Siemens-Chef Joe Kaeser, Bosch-CEO Volkmar Denner und SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe eingeladen.

Die Irritationen um die Reichensteuer von 75 Prozent die vom Industrieminister geforderte Nationalisierung der Mittal-Stahlwerke oder die Geiselnahme von zwei Managern im Goodyear-Werk Amiens will die Regierung endgültig hinter sich lassen und die Aufmerksamkeit auf die Stärken der französischen Volkswirtschaft richten: gut ausgebildete Fachkräfte, leistungsfähige Universitäten und Forschungseinrichtungen, ausgezeichnete Infrastruktur. Das Treffen hat einen ernsten Hintergrund: Den jüngsten Zahlen der UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) zufolge sind die ausländischen Direktinvestitionen in Frankreich im vergangenen Jahr um 77 Prozent eingebrochen.

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Frankreichs Wirtschaft schwächelt – das Wachstum der Industrie von Deutschlands wichtigstem Handelspartner geht zurück. Für Deutschland sagen die meisten Experten eine doppelt so hohe Wachstumsrate voraus.

Im Elysée reagiert man verstört auf diese Schreckensmeldung und versucht, mit dem Hinweis darauf, es handele sich „um vorläufige Zahlen“, die Auseinandersetzung abzubügeln. Das hilft allerdings wenig, denn die Größenordnungen sprechen eine klare Sprache: In der EU insgesamt haben ausländische Anleger 2013 fast 38 Prozent mehr investiert, wovon vor allem die Niederlande, Belgien und Luxemburg durch Portfolio-Investitionen, aber auch Italien, Spanien und Deutschland durch Kapital, das neue Arbeitsplätze schafft, profitiert haben.

Die Abkehr der Anleger von Frankreich, einem Land, das traditionell auf großes Interesse bei Investoren stieß, hat die Regierung alarmiert. Sie zeigt, dass Frankreich nicht allein unter der allgemeinen europäischen Krise leidet, sondern im Vergleich zu den anderen EU-Ländern in einer gefährlichen Abdrift ist.

Das dürfte die Entschlossenheit der Regierung stärken, mit der von Hollande angekündigten „Angebotspolitik“ endlich gegenzusteuern. Der Ernst der Lage ist erkannt, das zeigt auch das Format des Treffens am Sonntag und Montag. Anders als früher gibt es keinen Frontalunterricht mit lauter schön gefärbten Botschaften. Ayrault empfängt die Unternehmer am Sonntag zu einem informellen Dinner. Am Montag nimmt er sich zweieinhalb Stunden Zeit für eine offene Diskussion ohne Tabus. Anschließend debattieren die Chefs noch einmal eine und eine viertel Stunde mit dem Präsidenten.

Kommentare (2)

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HofmannM

17.02.2014, 08:44 Uhr

Frankreich hat ein gorßes Problem...Frankreich ist von Anfang an ein zentralistischer Beamtenstaat gewesen. Die Wirtschaft und der Mittelstand wurde dadurch in Frankreich von Anfang an sträflich vernachlässigt. Die französische Writschaft besteht aus einigen Großkonzernen und Dienstleistungen. Das ist zu wenig!
Deutschland dagegen hat einen starken Mittelstand und in der Vergangenheit weniger Bürokratie.
Dies hat sich leider Gottes mit der EU und der Merkelregierung in Deutschland komplett gewandelt.
Diese Merkel-EU will Deutschland immer mehr seiner Mittelständischen Wirtschaft berauben und fordert mehr Bürokratie und schlecht bezahlte Dienstleistungen.
Die EU-Wirtschaft wird durch eine grünsozialistische Ideologie Bürokratie im Schwarzen Merkel-Schäuble Gewand komplett an die Wand gefahren.
Das sozialistische zentralisierungs Staatsgedankentum von Merkel (DDR) und Hollande (Frankreich) leisten solide Vernichtungsarbeit.

Account gelöscht!

21.02.2014, 09:47 Uhr

Das Problem ist: Man kann schöne Dinge wie 35-h-Woche oder arbeitnehmerfreundliche Gesetze oder mehr Staatsbedienstete in guten Zeiten leicht einführen. Wenn sich die Zeiten aber verschlechtern, ist es kaum möglich, den Menschen diese Errungenschaften wieder wegzunehmen. Dann bleibt es bei zu hohen Ausgaben bei schwindender Wirtschaftsleistung, und alles was sich der Staat noch traut, sind kosmetische Veränderungen oder höhere Steuern.

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