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17.05.2016

20:48 Uhr

SPÖ-Kanzler Christian Kern

Wirtschaft unterstützt den neuen Österreich-Manager

VonHans-Peter Siebenhaar

Österreichs Unternehmen hoffen auf Bürokratieabbau durch Christian Kern. Der neue Regierungschef nennt fehlendes Vertrauen der Firmen in den Standort als Herausforderung – und erteilt „schlechter Laune“ eine Absage.

Vor seiner Kanzlerschaft arbeitete Christian Kern als ÖBB-Vorstandsvorsitzender. Aus dieser Zeit hat er beste Kontakte zur österreichischen Industrie. dpa

Vom Vorstandschef zum Kanzler

Vor seiner Kanzlerschaft arbeitete Christian Kern als ÖBB-Vorstandsvorsitzender. Aus dieser Zeit hat er beste Kontakte zur österreichischen Industrie.

WienDer am Dienstagnachmittag ernannte neue österreichische Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) erhält große Unterstützung aus der Wirtschaft. Die Erwartungen an den 50-Jährigen, der bislang als Vorstandschef der österreichischen Bahnen fungierte, sind hoch: „Wir hoffen, dass unsere Vorschläge künftig besser in der Politik gehört werden“, sagte Günter Thumser, Präsident von Henkel in Mittel- und Osteuropa. Der langjährige Henkel-Manager verwies auf den harten Wettbewerb für den Standort Österreich durch den starken Wettbewerb aus Nachbarländern wie der Slowakei.

Siemens, einer der größten Arbeitgeber in Österreich, erwartet sich Reformen unter der Führung Kerns. „Wir brauchen weniger Bürokratie“, sagte Wolfgang Hesoun, Vorstandsvorsitzender von Siemens in Österreich, am Dienstag in Wien. „Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten liegt uns sehr am Herzen. Das ist ein großer Standortnachteil“, bestätigte auch Henkel-Manager Thumser.

Der neue österreichische Bundeskanzler Kern gilt als Mann der Wirtschaft. Im Gegensatz zu seinem glücklosen Vorgänger Werner Faymann ist er in der Industrie der Alpenrepublik bestens verdrahtet.

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Österreichs Industrie hofft nun, dass mit Kern die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts wieder stärker in den Mittelpunkt der politischen Arbeit in Wien rückt. „Wir bauen darauf, dass die Wiederherstellung der heimischen Wettbewerbsfähigkeit und das Ziel der Reindustrialisierung Österreichs als Basis für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze wieder in den politischen Fokus rücken“, sagte Georg Kapsch, der einflussreiche Unternehmer und Präsident der Industriellenvereinigung. „Das Land kann es sich nicht leisten, noch weiter Zeit zu verlieren und in alten Denk- und Handlungsmustern zu verharren“, warnte der liberale Manager.

Als Reformbaustellen nannte Kapsch Bürokratie, Arbeitszeit, Forschung und Entwicklung sowie wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für den Energiesektor, Bildung, Pensionen, Gesundheit oder das Steuersystem. „Wir brauchen Planbarkeit in der Politik“, sagte Christian Fechner, Finanzvorstand bei Boehringer Ingelheim in Wien am Dienstag.

Österreichs neuer Kanzler, der auch den SPÖ-Vorsitz übernahm, nannte auf einer Pressekonferenz am Dienstag als ein Ziel, die miese Stimmung in der Alpenrepublik zu drehen. Wörtlich sagte Kern: „Die größte Wachstumsbremse ist die schlechte Laune.“ Als große Herausforderungen definierte der frühere Wirtschaftsjournalist das fehlende Vertrauen der Unternehmer in Österreich, die hohe Arbeitslosigkeit und die Reallohnverluste.

„Nutzen wir diese Chance, um Österreich wieder stark und zu einem europäischen Vorbild zu machen. Ich will einen ‚New Deal‘, damit wir 2025 hervorragend dastehen“, sagte Kern. Er kritisierte „Machtversessenheit und Zukunftsvergessenheit“ sowie „politische Rituale und Inhaltslosigkeit“. Der Chef der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, sagte am Dienstag, dass die Wirtschaft als „verlässlicher Partner zur Verfügung“ stehe.

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