Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.10.2016

12:22 Uhr

Sportler und Nacktmodels als Politiker

Schaulaufen in der Duma

Raumfahrtlegenden, Olympiasieger, Tennisstars: Die Besetzung des russischen Parlaments wird immer bunter. Und neben Prominenten sitzen dort auch Abgeordnete, die gerne mal nackt posieren.

Auch Maxim Surajew sitzt im russischen Parlament. 2014 arbeitete der Kosmonaut gemeinsam mit dem Deutschen Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation ISS. dpa

Prominente Politiker

Auch Maxim Surajew sitzt im russischen Parlament. 2014 arbeitete der Kosmonaut gemeinsam mit dem Deutschen Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation ISS.

MoskauVon so viel Prominenz wie im russischen Parlament kann der Deutsche Bundestag nur träumen. Raumfahrtlegenden, Olympiasieger und auch die Schlüsselfigur eines internationalen Giftmords tummeln sich in der neu gewählten Staatsduma. Weibliche Abgeordnete posierten schon nackt für Männermagazine.

„Der Ruf der Duma ist seit Jahren schlecht. Die Stars sollen das Image verbessern“, meint die Soziologin Olga Kryschtanowskaja. Wenn Präsident Wladimir Putin an diesem Mittwoch (5. Oktober) die erste Sitzung eröffnet, sind die Vorwürfe weit weg, die Wahl sei gefälscht worden. Viele Russen blicken nur auf die Stars.

Einer von ihnen ist der frühere Tennisstar Marat Safin. Er sei der „wohl am besten aussehende Mann in der Duma“ sagt der zweifache Grand-Slam-Sieger gerne über sich - fügt aber einschränkend hinzu: „Das liegt auch daran, dass alle im Parlament schon über 60 sind.“ Der 36-jährige Safin schaffte ebenso den Wiedereinzug in die Duma wie Nikolai Walujew. Der frühere Box-Weltmeister nimmt in Sibirien immer wieder einmal an einer Suche nach dem Yeti teil, der sagenumwobene Schneemensch ließ sich aber nicht blicken. Zumindest bislang.

Die wichtigsten Parteien bei der russischen Parlamentswahl

Dumawahl

Bei der Wahl 2011 schafften vier russische Parteien den Sprung ins Parlament. Ein Überblick über die wichtigsten Parteien bei der Dumawahl am 18. September. (Quelle: dpa)

Geeintes Russland

Die 2001 gegründete Partei mit einem Bären im Logo dominiert die Duma seit der Wahl 2003. Regierungschef Dmitri Medwedew ist Vorsitzender. Geeintes Russland gilt als treue Stütze für Präsident Wladimir Putin. Kritiker sprechen von einer „Partei der Gauner und Diebe“.

Kommunistische Partei der Russischen Föderation

Die Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF) ist seit 2011 zweitstärkste Kraft in der Duma. Ihr Chef Gennadi Sjuganow verfolgt eine sozialistische Politik nach sowjetischem Vorbild. Die KPRF ist vor allem bei Rentnern beliebt und leidet unter Wählerschwund. Aktuellen Umfragen zufolge kommt sie auf zehn Prozent.

Gerechtes Russland

Die Partei versteht sich als sozialdemokratische, gemäßigte Oppositionskraft. Zwar hat die Partei hin und wieder auch Putin attackiert, doch wurde sie 2006 mit Hilfe des Kremls als Alternative zu Geeintes Russland gegründet. Umfragen zufolge ist unsicher, ob sie den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde in die Duma schafft.

Liberaldemokratische Partei (LDPR)

Die LDPR gilt als rechtspopulistische Gruppe in der Duma. Parteichef Wladimir Schirinowski fällt im öffentlichen Diskurs immer wieder mit ultranationalistischen Äußerungen auf. Die LDPR gilt als systemnahe Oppositionspartei.

Außenseiter

Die liberale Gruppe Jabloko sowie die Partei der Volksfreiheit (Parnas) um Ex-Regierungschef Michail Kasjanow gelten als außerparlamentarische Oppositionsparteien. Parnas-Vize war der 2015 in Moskau unter bislang ungeklärten Umständen erschossene Politiker Boris Nemzow. Die Chancen von Jabloko und Parnas auf einem Dumaeinzug sind Umfragen zufolge minimal. Die nicht als systemnah geltende Opposition ist zersplittert, Versuche einer Einigung scheiterten mehrfach.

„Die meisten Athleten haben eine Politikkarriere nach ihrer Profizeit eigentlich nicht nötig, aber viele langweilen sich schlicht“, sagt der Sportjournalist Gennadi Orlow. Er könnte damit Olympiasieger wie Wjatscheslaw Fetissow und Wladislaw Tretjak (beide Eishockey), Irina Rodnina (Eiskunstlauf) und Alexander Karelin (Ringen) meinen. Fetissow brachte es einst gar zum Sportminister. Auch die sowjetische Schachlegende Anatoli Karpow sitzt seit Jahren in der Staatsduma.

Mit den erfolgreichen Athleten wolle die Putin-Partei Geeintes Russland auch davon ablenken, dass das Parlament mit 450 Sitzen keinen wirklichen Einfluss auf die Politik der Großmacht habe, meint die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“.

Die Sportler sollen der grauen Fraktion ein paar Farbtupfer verleihen. Bereits im Wahlkampf ging Geeintes Russland mit der Popularität der Stars auf Stimmenfang.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Annette Bollmohr

05.10.2016, 15:10 Uhr

"Sportler und Nacktmodels als Politiker"

Was soll man denn dazu noch kommentieren? Das sagt doch schon alles.

Herr Norman Fischer

05.10.2016, 15:21 Uhr

Und sogar Schauspieler als Präsident. Ach, das war ja in den USA. :)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×