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02.05.2013

00:50 Uhr

Spuren verwischt

Drei weitere Festnahmen nach Boston-Anschlägen

US-Ermittler haben drei weitere Verdächtige im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen auf den Bostoner Marathonlauf vor gut zwei Wochen festgenommen. Es soll sich Medienberichten zufolge um Studenten handeln.

Sie sollen Spuren verwischt haben

Weitere Festnahmen nach Boston-Anschlag

Sie sollen Spuren verwischt haben: Weitere Festnahmen nach Boston-Anschlag

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Washington/New YorkEin scheinbarer Freundschaftsdienst könnte für drei Bekannte des überlebenden mutmaßlichen Attentäters von Boston ein drastisches Nachspiel haben: Zwei Studenten aus Kasachstan und ein US-Bürger sitzen wegen des Verdachts der Behinderung der Justiz sowie der vorsätzlichen Falschaussage in Untersuchungshaft. Die Verdächtigen, die von dem Anschlag vor gut zwei Wochen im Vorfeld aber nichts gewusst haben sollen, erschienen am Mittwoch erstmals vor Gericht.

Die beiden 19-jährigen Kasachen studierten mit dem mutmaßlichen Bombenleger Dschochar Zarnajew, der gleichaltrige US-Verdächtige war ein Schulfreund. Laut US-Justizministerium wollten die drei jungen Männer Zarnajew decken, als sie ihn auf den drei Tage nach den Anschlägen veröffentlichten Fahndungsfotos erkannt hatten.

Sie sollen einen Laptop und einen Rucksack mit entleerten Feuerwerkskörpern aus Zarnajews Wohnheimzimmer mitgenommen und entsorgt haben. Die Ermittler fanden die Beweismittel später auf einer Mülldeponie.

Terror bei Sportereignissen

1972 München

Während der Olympischen Spiele in München im Jahr 1972 wurden elf israelische Sportler von palästinensischen Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ als Geiseln genommen – Ziel war die Freipressung von Gefangenen. Beim gescheiterten Befreiungsversuch auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck starben alle noch lebenden Geiseln, ein Polizist und fünf der Terroristen.

1996 Atlanta

Im Olympia-Park von Atlanta explodierte während der Olympischen Spiele 1996 eine Bombe. Die Explosion tötete zwei Personen, mehr als 100 wurden verletzt. Täter war ein Anti-Abtreibungs-Aktivist.

2002 Madrid

Die baskische Terrorgruppe ETA brachte Anfang Mai 2002 eine Bombe im Vorfeld eines Champions-League-Halbfinalspiels zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona zur Explosion. In weniger als 100 Metern Entfernung zum Stadion Santiago Bernabéu ging ein Sprengsatz hoch. Es gab keine Todesopfer.

2008 Rallye Dakar

Die berühmte Rallye wurde im Jahr 2008 abgesagt. Terrorwarnungen für Mauretanien hatten die Veranstalter dazu bewogen.

2009 Lahore

Der Mannschaftsbus des Cricket-Nationalteams von Sri Lanka wird in der pakistanischen Stadt Lahore von einer Gruppe bewaffneter Täter beschossen, die vermutlich dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe standen. Sechs Nationalspieler werden verletzt, sechs Polizisten und zwei Zivilisten sterben.

2013 Boston

Zwei Explosionen erschüttern den Bereich des Zieleinlaufs des Boston Marathons am 15. April 2013. Drei Menschen sterben noch am selben Tag, weit über 100 sind verletzt, einige von ihnen sehr schwer. Über die Hintergründe des Vorfalls herrscht zunächst Unklarheit.

Die Verdächtigen sollen mit Zarnajew per SMS in Kontakt gestanden haben. Aus am Mittwoch veröffentlichten Gerichtsdokumenten ging hervor, dass einer der Kasachen dem mutmaßlichen Attentäter geschrieben haben soll, er sehe aus „wie der Verdächtige im Fernsehen“. Daraufhin habe Zarnajew mit der für „laut loslachen“ stehenden Abkürzung „lol“ geantwortet und geschrieben: „Schreib' mir lieber keine SMS“. Eine weitere Kurzbotschaft lautete: „Ich bin dabei, wegzugehen. Wenn Du etwas aus meinem Zimmer brauchst, nimm es.“

Glossar Konflikte

Terrorismus

Unter Terrorismus (vom lateinischen Wort terror „Furcht, Schrecken“) versteht man Gewalt und Gewaltaktionen die politisch, ideologisch oder religiös motiviert sind und die bestehende Ordnung verändern wollen. Er verfolgt längerfristige Ziele und operiert in der Illegalität. Trotz des primären Mittels der physischen Gewalt (Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge) will Terror eher Unsicherheit und Schrecken verbreiten und damit auf gesellschaftliche Verhältnisse aufmerksam machen und Veränderungen erzwingen. Bei Aktionen wird nicht nur der Feind attackiert, sondern auch der Tod Unbeteiligter geplant oder billigend in Kauf genommen. Terrorgruppen verfügen in der Regel über Logistik und Finanzierungsquellen und vertrauen auf eine Umfeld aus Unterstützern und oder Sympathisanten.

Ein allgemein akzeptierte wissenschaftliche Definition für Terrorismus gibt es jedoch nicht.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

"Die RAF und die Medien" von Andreas Elter. Erschienen in: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus, Hamburger Edition HIS Verlag, Hamburg 2007

Anschlag

bezeichnet laut Duden einen gewalttätigen, auf Vernichtung oder Zerstörung zielenden Angriff.

Dabei unterscheidet man zwischen:

Attentat

vom lateinischen Wort attentatum, was „Versuch an jemanden oder etwas“ heißt. Dabei will der Attentäter beispielsweise einen seiner Meinung nach wichtigen Entscheidungsträger schädigen oder töten. Um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen wird die Tat meist öffentlichkeitswirksam ausgeübt.

Bekannte Beispiele sind die Erschießung der US-Präsidenten Abraham Lincoln und John F. Kennedy oder das Attentat auf Papst Johannes Paul II.

Sabotage

Als Sabotage bezeichnet man die absichtliche Störung eines wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Ablaufs zur Erreichung eines bestimmten Zieles. Dabei können aktiver oder passiver Widerstand, Störung des Arbeitsablauf oder die Beschädigung und Zerstörung von Anlagen, Maschinen oder Ähnliches eine Rolle spielen.

Quelle: Duden

Krieg

Allgemein bezeichnet Krieg einen organisierten, mit Waffen gewaltsam ausgetragenen Konflikt zwischen mindestens zwei Parteien wie Staaten. Die Ursachen können religiöser, ideologischer oder wirtschaftlicher Natur sein. In der Vergangenheit gab es zudem auch Kolonial- und Unabhängigkeitskriege. Neben konventionellen, können atomare, bakteriologische oder chemische Waffen eingesetzt werden. Zudem werden Kriege an Land, zur See und in der Luft ausgetragen. Dabei wird räumlich unter anderem zwischen lokal begrenztem, regionalem oder einem Weltkrieg unterschieden.

Bei den Zielen eines Krieges wird zwischen Angriff-, Intervention-, Sanktion-, Verteidigungs- und Befreiungskriegen differenziert.

Auch die Formen unterscheiden sich:
Beim regulären Krieg kämpfen beispielsweise staatliche, stehenden Armeen gegeneinander. Ein Volkskrieg bezeichnet einen langwierigen Krieg mit großen Heeren. Stammen die Heere aus dem Wehrdienst des eigenen Volkes spricht man von einem Milizkrieg. Beim Partisanen- oder Guerillakrieg wird der Konflikt zwischen nichtregulären Streitkämpfen einer feindlichen Staatsarmee fortgeführt.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 5., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2011.

Bürgerkrieg

ist der organisierte, mit Waffen gewaltsam ausgetragenen Konflikt zwischen sozialen Gruppen der Bevölkerung eines Staates.

Der Vorwurf gegen die beiden Kasachen lautet Verschwörung zur Behinderung der Justiz, ihnen drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. Der US-Bürger wird beschuldigt, die Ermittler angelogen zu haben. Dafür könnte er bis zu acht Jahre ins Gefängnis kommen. Über eine mögliche Anklage vor einem Bundesgericht muss eine sogenannte Grand Jury aus Laienrichtern befinden.

Den Angaben zufolge werden die Kasachen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Einwanderungsbestimmungen bereits seit dem 20. April festgehalten. Der US-Bürger sei später festgenommen worden. Nach dem ersten Gerichtstermin müssen die Kasachen Medienberichten zufolge bis zur nächsten Anhörung am 14. Mai in Untersuchungshaft bleiben. Der US-Bürger werde zunächst bis zu einer Anhörung am kommenden Montag hinter Gittern bleiben.

Die Anwälte der drei Festgenommenen wiesen die Vertuschungsvorwürfe zurück. Der Verteidiger eines der Kasachen erklärte, sein Mandant habe nicht gewusst, „dass diese Gegenstände mit einem Bombenanschlag in Verbindung stehen“.

US-Bundespolizei: FBI gerät nach Boston-Bomben unter Druck

US-Bundespolizei

FBI gerät nach Boston-Bomben unter Druck

Einer der beiden Brüder stand auf US-Terrorlisten und wurde schon einmal vom FBI befragt.

Bei dem Attentat am 15. April waren drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt worden. Als mutmaßliche Täter identifizierten die Ermittler die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew, die seit Jahren in den USA lebten.

Der 26-jährige Tamerlan wurde auf der Flucht getötet, der 19-jährige Dschochar schwer verletzt gefasst. Ihm droht ein Prozess vor einem US-Bundesgericht, in dem er bei einem Schuldspruch mit der Todesstrafe rechnen muss.

Kommentare (7)

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Observer

01.05.2013, 18:46 Uhr

Mal sehen, was fuer diese "false-flag" Aktion noch alles aufgetischt wird?

Bernd

01.05.2013, 18:49 Uhr

Ja wie gehirngewaschen muss man sein um all diese Lügen zu glauben ? Es ist unglaublich was sich heutzutage abspielt und wie sehr die Menschen manipuliert werden - und sich leider immer noch manipulieren lassen.....

Denkenderdemokrat

02.05.2013, 07:56 Uhr

Schon merkwürdig, dass ein mutmaßlicher Täter schon mal gleich erschossen wurde.
Der zweite als Scheintoter ein Geständnis ablegen konnte.
Das stinkt doch zum Himmel.
Und nun wird auch noch weiter nach Tätern gesucht.
Da sollen sie doch gleich mal einige Aus Guantanamo holen und sie als mutmaßliche Boston-Mörder vor Gericht zu stellen.
Wer wirklich glaubt, die richtigen Täter fassen, der kann auch gleich an den Weihnachtsmann glauben.
Bei dieser Aktion scheint es mir wieder mal nur eines zu erreichen: die permanente Angst der Menschen im Land aufrecht zu halten.
Es scheint perverses Spiel zu sein das hier betrieben wird.

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