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26.01.2010

07:35 Uhr

Sri Lanka

Deutsche Wirtschaft sehnt Machtwechsel herbei

VonHelmut Hauschild

Im Kampf gegen die Tamilen waren der Amtsinhaber und sein Herausforderderer Verbündete. Jetzt streiten sie um die Macht - und den künftigen Kurs des Landes. Der Westen hofft auf einen Machtwechsel im Land. Er wirft Präsident Mahinda Rajapaksa Korruption und Vetternwirtschaft vor.

Der amtierende Präsident Mahinda Rajapakse: Verletzung von Menschenrechten, Korruption, Vetternwirtschaft. Quelle: ap

Der amtierende Präsident Mahinda Rajapakse: Verletzung von Menschenrechten, Korruption, Vetternwirtschaft.

NEU DELHI. Neun Monate nach dem blutigen Sieg der Regierungstruppen über die tamilischen Rebellen wählt Sri Lanka einen neuen Präsidenten. Der Urnengang ist ein Duell der beiden Architekten des Erfolgs gegen die gefürchteten "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE), Präsident Mahinda Rajapaksa und General Sarath Fonseka, damals Armeechef. Heute sind die einstigen Verbündeten erbitterte Feinde.

Fonseka, der im November nach 39 Jahren aus dem Militärdienst ausschied, begründete seine Kandidatur damit, Sri Lanka dürfe nicht "in der Hand eines Diktators" bleiben. Die Opposition wirft Rajapaksa die Verletzung von Menschenrechten, Vetternwirtschaft und Korruption vor. Die EU, die USA und der wichtigste Geber Japan teilen diese Sicht und haben die Entwicklungshilfe für das ehemalige Touristenparadies stark reduziert.

Bei der Bevölkerungsmehrheit in den ländlichen Regionen genießt Rajapaksa dennoch weiter große Sympathien. "Die Wahl wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen", sagte Paikiasothu Saravanamuttu, Direktor des unabhängigen srilankischen Forschungsinstituts Centre for Policy Alternatives dem Handelsblatt. Rajapaksas Herausforderer Fonseka wird von einem Bündnis aus Oppositionsparteien mit der United National Party (UNP) an der Spitze unterstützt sowie der Tamil National Alliance, die die unterdrückte Tamilenminderheit vertritt.

Auch die Privatwirtschaft sympathisiert mehrheitlich mit dem Ex-General. "Fonsekas Wahlprogramm ist ökonomisch ausgereifter", sagt Muttakrishna Sarvananthan, Direktor des Wirtschaftsinstituts Point Pedro Institute of Development. Auch habe Fonsekas Partner UNP bei der Wirtschaft einen besseren Ruf als die Partei des Präsidenten.

Damit scheint das Kalkül von Amtsinhaber Rajapaksas nicht aufzugehen. Er hatte die Wahlen in der Hoffnung auf einen ungefährdeten Sieg zwei Jahre vor dem regulären Ablauf seiner Amtszeit angesetzt. Der noch frische Triumph gegen die brutale LTTE nach 26 Jahren Bürgerkrieg sollte ihn zurück in den Präsidentenpalast tragen. Doch jetzt sehen viele in Fonseka den eigentlichen Kriegsgewinner.

Rajapaksas Regierung hatte während und nach dem Krieg rund 300 000 Tamilen unter unmenschlichen Bedingungen in Flüchtlingslagern interniert. Erst jetzt, da Rajapaksa ihre Wählerstimmen braucht, dürfen sie in ihre zerstörten Dörfer zurückkehren.

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