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07.01.2010

18:12 Uhr

Staatsanleihen

China nährt Sorgen über striktere Geldpolitik

Die chinesische Zentralbank hat mit einer überraschenden Anhebung der Preise für dreimonatige Staatsanleihen Befürchtungen genährt, schon bald die Geldpolitik zu straffen. Die Börsen in Asien reagierten ebenso wie die Frankfurter Börse mit Abschlägen.

Börse in Shanghai: Sorgen vor dem Ende der expansiven Geldpolitik. dpa

Börse in Shanghai: Sorgen vor dem Ende der expansiven Geldpolitik.

HB SHANGHAI. Erstmals seit Mitte August verteuerte sie die Papiere in der regulären Auktion am Donnerstag um 4,04 Basispunkte auf eine Rendite von 1,3684 Prozent. An den Finanzmärkten löste der Schritt Sorgen aus, die Bank könne schon bald die Leitzinsen anheben und damit den Abschied von der seit Ende 2008 andauernden Phase einer lockeren Geldpolitik einleiten.

Die asiatischen Aktienmärkte reagierten ebenso wie der Frankfurter Dax mit Abschlägen. Der Dax lag bis zum späten Vormittag 0,9 Prozent im Minus. Der chinesische Leitindex gab 1,9 Prozent ab. Auch die Preise für viele Rohstoffe wie Kupfer sanken. Sollte die Zentralbank durch eine Straffung der Geldpolitik das Wachstum der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft zügeln, würde sich auch die Nachfrage nach Stahl und Kupfer verringern. China fragt wegen seines auch in Krisenzeiten vergleichsweise stabilen Wachstums besonders viel von den Rohstoffen nach.

Nach Einschätzung von Volkswirten ist der Schritt der Zentralbank aber nicht überzubewerten. "Wir interpretieren nicht zu viel in diese einmalige Angelegenheit", sagte Chris Leung, Volkswirt bei DBS in Hongkong. Die geldpolitische Anpassung gehe in diesem Jahr weiter und insgesamt werde das Kreditvolumen geringer ausfallen als im vergangenen Jahr. "Es ist aber noch zu früh, um von einem Rückzug zu sprechen", sagte er.

Es wird zudem erwartet, dass die Zentralbank in dieser Woche dem Geldmarkt netto 137 Mrd. Yuan (knapp 14 Mrd. Euro) an Liquidität entzieht. Das wäre das größte Volumen in einer Woche seit mehr als vier Monaten. "Man muss das im Kontext sehen", sagte Robert Rennie, Chefstratege von Westpac Banking in Singapur. "Die Tatsache, dass die Zentralbank 137 Mrd. Yuan abzieht und die Sätze um 4,04 Basispunkte erhöht hat, deutet darauf hin, dass sie einen Teil der schnell gestiegenen Liquidität abzieht", sagte Rennie. "Dies kann meiner Ansicht nach nur sehr schwer als Anziehen der Geldpolitik beschrieben werden."

Händlern zufolge gelten die Schritte auch als Signal an die heimischen Banken, das Kreditgeschäft nicht wie bereits Anfang 2009 auch im neuen Jahr massiv auszuweiten. Zudem hätten Sorgen über eine womöglich ansteigende Inflation sowie Spekulationsblasen auf dem Immobiliensektor die Bank dazu veranlasst, sagten Experten.

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