Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.10.2011

14:23 Uhr

Staatsanleihenkäufe der EZB

Mitarbeiter werfen Trichet Mandatsüberdehnung vor

Noch-EZB-Chef Trichet schneidet in einer Mitarbeiterumfrage nicht in allen Punkten gut ab. So hätte seine Arbeit offenbar transparenter sein müssen. Außerdem habe Trichet das Mandat der EZB überdehnt.

EZB-Präsident Trichet wird Anfang November in seinem Amt abgelöst. Reuters

EZB-Präsident Trichet wird Anfang November in seinem Amt abgelöst.

Frankfurt/BerlinTrotz seines hohen fachlichen Ansehens ist die Bilanz des scheidenden EZB-Chefs Jean-Claude Trichet im Urteil seiner Mitarbeiter getrübt. 55 Prozent der Befragten gaben in einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Gewerkschaft Ipso an, Trichet habe mit dem Programm zum Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Problemländer das Mandat der Europäischen Zentralbank (EZB) überdehnt, das stabile Preise sichern soll.

Allerdings erklärte mehr als die Hälfte der EZB-Mitarbeiter, die diese Sicht teilten, dass die Entscheidung angesichts der außergewöhnlichen Umstände richtig gewesen sei.

Nach Ispo-Angaben sind mehr als 40 Prozent des EZB-Personals bei der Gewerkschaft organisiert. An der Umfrage nahmen weniger als die Hälfte der 1200 Beschäftigten der Zentralbank teil. Die EZB hatte im Mai 2010 mit dem Ankauf von Staatsanleihen begonnen und das Programm im Sommer 2011 nach mehrmonatiger Pause forciert, nachdem die Euro-Schwergewichte Italien und Spanien ins Visier der Märkte geraten waren.

Die EZB begründet die Käufe mit einer Stabilisierung der für die Umsetzung ihrer Geldpolitik wichtigen Kapitalmärkte. De facto drückt sie damit aber die Zinslast der klammen Staaten. Die EZB bewegt sich somit nach Auffassung von Kritikern in einer Grauzone zwischen Fiskal- und Geldpolitik.

Anfang November übernimmt der Italiener Mario Draghi den EZB-Chefposten von Trichet, der nach acht Jahren aus dem Amt scheidet. Fachlich attestieren Trichet knapp drei Viertel des EZB-Personals hohe Kompetenz. 60 Prozent bescheinigen ihm hohe Effizienz und Integrität. Allerdings geben ihm mehr als die Hälfte der Befragten in Sachen Transparenz nur durchschnittliche oder gar schlechte Noten.

Von

rtr

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

DEM

17.10.2011, 16:28 Uhr

Trichet ist ein Versager ,man hätte ihn schon frühzeitig von seinem Amt entbinden müssen .

Auch ein Franzose der das Deutsche Volk gerne im Bankrott
sehen würde .

Wo sind Deutsche in den Spitzenämtern - Fehlanzeige !

Hier muß endlich umgesteuert werden .

Account gelöscht!

17.10.2011, 17:23 Uhr

Trichet ein Versager? Das kommt auf den Blickwinkel an. Aus Südwesten betrachtet ist er das sicher nicht. Abwarten, er wird noch hoch geehrt werden - in Frankreich.

Trichononomade

17.10.2011, 20:16 Uhr

Mandats"überdehnung".
Fein formuliert.
Während die Euro-Equipe in Gipfeltreffen versinkt.

In Frankreich mag er geehrt werden.

Für Europa wird sich das erst noch erweisen müssen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×