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14.05.2013

11:39 Uhr

Staatsbedienstete

Griechen streiken gegen Streikverbot

In Griechenland sollen künftig streikende Lehrer festgenommen oder gefeuert werden. Die Staatsbediensteten sind empört und gehen auf die Straßen. Schulen, Ämter und Krankhäuser sind beeinträchtigt.

Griechische Lehrer tragen aus Protest eine Militäruniform. Die Regierung möchte künftig Lehrern das streiken verbieten. dpa

Griechische Lehrer tragen aus Protest eine Militäruniform. Die Regierung möchte künftig Lehrern das streiken verbieten.

AthenStaatsbedienstete in Griechenland haben mit Arbeitsniederlegungen gegen das von der Regierung erlassene Streikverbot für Lehrer an weiterführenden Schulen protestiert. Krankenhäuser mussten am Dienstag mit einer Notbesetzung arbeiten, viele Schulen blieben ganz geschlossen. Auch die kommunalen Finanzämter sollten während des 24-stündigen Streiks der Gewerkschaft Adedy voraussichtlich nicht öffnen. Lehrer, Ärzte und Verwaltungsangestellte setzten für den Vormittag eine Demonstration im Zentrum Athens an. Hintergrund für den Protest ist die Drohung von Regierungschef Antonis Samaras, Lehrer bei Streiks in Gewahrsam zu nehmen oder zu entlassen.

"Das ist unsere Antwort auf die autoritäre Politik der Regierung gegen Lehrer an weiterführenden Schulen", teilte die für den öffentlichen Dienst zuständige Gewerkschaft Adedy mit. Am Donnerstag ist ein weiterer vierstündiger Streik geplant, dem sich auch die größte Gewerkschaft im Privatsektor GSEE anschließen will. Samaras Koalition plant, die Arbeitszeit der Lehrer pro Woche um zwei Stunden zu erhöhen, um sie dem europäischen Durchschnitt anzupassen. Zudem sollen 4000 Lehrer in abgelegene Regionen versetzt werden. Die Lehrer-Gewerkschaft OLME befürchtet, dass die Regierung im Rahmen der Maßnahmen rund 10.000 Teilzeit-Lehrer entlassen könnte und hatte deshalb für Freitag einen 24-Stunden-Streik angesetzt.

Die Maßnahmen des griechischen Sparpakets

Renten

Die Rentner müssen mit Kürzungen um fast 4,8 Milliarden Euro rechnen. Alle Renten von 1000 Euro aufwärts werden um fünf bis 15 Prozent gesenkt. Das Weihnachtsgeld für Rentner wird abgeschafft; es war bereits von einer Monatsrente auf 400 Euro gekürzt worden. Die Gewerkschaften rechneten aus, dass damit die Rentner im Durchschnitt 2000 Euro im Jahr verlieren werden.

Arbeitnehmer

Die Abfindungen für entlassene Arbeitnehmer werden drastisch gesenkt. Arbeitgeber dürfen Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer schließen. Damit werden praktisch Tarifverhandlungen umgangen.

Staatsbedienstete

Auch den Staatsbediensteten werden die jeweils verbliebenen 400 Euro vom Weihnachtsgeld sowie vom Urlaubsgeld gestrichen. Viele Löhne und Gehälter sollen um sechs bis 20 Prozent verringert werden. Bis Ende 2012 sollen 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden. Bis zum Eintritt des Rentenalters erhalten sie dann 60 Prozent ihres letzten Gehalts.

Gesundheitswesen

Im Gesundheitswesen sollen 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Unter anderem sollen die Versicherten sich mit höheren Eigenbeiträgen beim Kauf von Medikamenten beteiligen. Zahlreiche Krankenhäuser sollen schließen. Andere sollen sich zusammenschließen.

Gehaltskürzungen

Die Gehälter der Angestellten der öffentlich-rechtlichen Betriebe, wie beispielsweise der Elektrizitätsgesellschaft (DEI), sollen denen der Staatsbediensteten angeglichen werden. Dies bedeutet für die Betroffenen nach Berechnungen der Gewerkschaften bis zu 30 Prozent weniger Geld.

Kindergeld

Familien, die mehr als 18 000 Euro im Jahr verdienen, haben keinen Anspruch auf Kindergeld mehr.

Rentenalter

Das Rentenalter wird für alle von 65 Jahre auf 67 Jahre angehoben.

Die Regierung griff daraufhin am Sonntag auf eine Notstandsermächtigung zurück, um die Arbeitsniederlegungen der Lehrer zu verhindern, die auch die Hochschulzugangsprüfungen betreffen würden. Das Gesetz ermöglicht der Regierung, Arbeitnehmer bei inneren Unruhen oder Naturkatastrophen zur Arbeit zu zwingen.

Die beiden größten Gewerkschaften des Landes hatten bereits wiederholt zu Streiks aufgerufen, um gegen das drastische Sparprogramm zu protestieren, mit dem Samaras das Land aus der Schuldenkrise führen will. Zuletzt hatten sich allerdings immer weniger Arbeiter beteiligt.

Von

rtr

Kommentare (2)

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N_K

14.05.2013, 15:07 Uhr

" Griechen streiken gegen Streikverbot "

Nahezu ALLE europäischen Völker sind auch nicht ansatzweise so "treudoof-dämlich-duldsame Schafe" wie der "Deutsche Michel" Man könnte fast neidisch werden...

Account gelöscht!

14.05.2013, 15:54 Uhr

...na und !

Über streikende Griechen und andere lachen wir uns doch auch lang und scheckig.

Denn, - nützen tut das sowieso nix, haut sich Alkohol in den Kopf und verliert sich in seinem jämmerlichen Dasein, oder beim Frühstücksfernsehen.

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