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25.01.2007

09:27 Uhr

Staatsbesuch in Deutschland

Calderón trommelt für Mexiko

VonKlaus Ehringfeld

Wenn Mexikos neuer Präsident Felipe Calderón am heutigen Donnerstag zu seiner ersten großen Auslandsreise in Deutschland eintrifft, wird er viele Fragen beantworten müssen.

MEXIKO-CITY. Nach wie vor ist unklar, wie Calderón die soziale Schieflage in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas ausgleichen, dem Krieg der Drogenkartelle Herr werden und wie er mit der fehlenden Legitimität in Teilen der Bevölkerung umgehen will. Rund 50 Tage ist der Konservative im Amt; nun wirbt er in Europa für seine Heimat, erst in Berlin, dann beim Weltwirtschaftsforum in Davos, schließlich in London und Madrid. „Calderón ist gut beraten, vor der Wirtschaftselite Flagge zu zeigen und zu beweisen, dass er in Mexiko alles im Griff hat“, sagt Johannes Hauser, Vertreter der deutschen Wirtschaft in Mexiko.

Denn seit der Präsidentenwahl im Juli hat das größte spanischsprachige Land Lateinamerikas vor allem negative Schlagzeilen geliefert: Monatelanges Nachwahlchaos, ein selbst ernannter Gegenpräsident, ein Bundesstaat im faktischen Bürgerkrieg und tausende Tote im Kampf der Drogenkartelle. Nur die Märkte hat das kalt gelassen. Die Wirtschaft wuchs 2006 um 4,6 Prozent und damit so gut wie lange nicht. Die Börse legte um fast 50 Prozent zu, und auch der Peso blieb trotz der Turbulenzen stabil – längst hat sich die Wirtschaft weitgehend von der Politik abgekoppelt.

In den vergangenen Jahren hat sich das Schwellenland zur vierzehntgrößten Volkswirtschaft und siebtgrößten Exportnation entwickelt. Ein halbes Dutzend Großunternehmen besteht auf dem Weltmarkt. Gleichzeitig aber öffnet sich die Schere zwischen arm und reich weiter und weiter: Während der Telekommunikationsunternehmer Carlos Slim mit rund 35 Mrd. Dollar Privatvermögen der drittreichste Mensch der Welt ist, überleben 17 Millionen seiner Landsleute laut Weltbank mit einem Dollar, weitere 26 Millionen mit zwei Dollar täglich. Gemäß einer Uno-Studie weist manch ländlicher Bundesstaat Mexikos die Lebensqualität des afrikanischen Armutslandes Sierra Leone auf; zugleich lässt es sich in manchen Stadtteilen der Hauptstadt Mexico-City so schick leben wie in den europäischen Metropolen Rom oder Madrid.

Anders als die neu gewählten Linkspräsidenten in Südamerika setzt Calderón weniger auf staatliche Intervention zum Ausgleich der sozialen Missstände. Er will vor allem die Kräfte des Marktes stärken und so mehr und besser bezahlte Jobs schaffen. Dabei hofft er, Kapital anziehen zu können, das sich aus anderen Ländern der Region zurückzieht. „Jede Investition, die woanders aus Angst abfließt, ist in Mexiko willkommen“, so Calderón.

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