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27.03.2014

13:53 Uhr

Staatsbesuch

Obama will die Saudis besänftigen

Barack Obama kann jeden Verbündeten gebrauchen, der international Stütze bietet. Der US-Präsident macht deshalb nach den Gipfeln in Europa einen Abstecher nach Saudi-Arabien, um sich König Abdullah wieder anzunähern.

Gute Beziehungen könnten beiden Seiten nutzen: Barack Obama und König Abdullah bei einer Zeremonie im King Khalid International Airport in Riad 2009. dpa

Gute Beziehungen könnten beiden Seiten nutzen: Barack Obama und König Abdullah bei einer Zeremonie im King Khalid International Airport in Riad 2009.

RiadEs wirkt, als wolle US-Präsident Barack Obama in dieser Woche alle außenpolitischen Versäumnisse auf einmal nachholen. Erst ruft er in Den Haag sein Ziel der atomwaffenfreien Welt zurück ins Gedächtnis. Dann lässt er Russland im Krim-Konflikt aus der G8 werfen – und vermittelt nebenbei zwischen den zankenden asiatischen Alliierten Japan und Südkorea. In Brüssel und Rom versucht er, das Verhältnis mit Europa zu reparieren. Und schließlich düst er am Freitag nach Saudi-Arabien, um auch jenen Verbündeten milde zu stimmen.

Die letzte Begegnung seiner sechstägigen Reise dürfte die schwierigste werden. Das auf fünf Stunden angesetzte Treffen und Abendessen mit König Abdullah in seinem Wüstencamp wird sicher viele Streitpunkte auf den Tisch befördern. Denn um die sechs Jahrzehnte alte Partnerschaft, zu der Amerika das Sicherheitsversprechen und die Saudis preiswertes Öls beisteuern, ist es zum Verdruss beider Seiten schlecht bestellt.

Bei zahlreichen Themen haben sich zwischen Washington und Riad markante Gräben aufgetan. Syrien, Ägypten, der Iran; Menschenrechte, Israel oder Terrorismus – die Liste ist lang. Die US-Regierung lässt sich zwar öffentlich ihre Irritation kaum anmerken: Das Treffen sei „eine Möglichkeit, in eine unserer wichtigsten Beziehungen im Nahen Osten zu investieren“, heißt es im offiziellen Sprachgebrauch. Übersetzt heißt das aber so viel wie: Wir müssen jetzt dringend einiges klären.

Infrastruktur: Saudi-Arabien modernisiert sich

Industrie

Elf neue Industriestädte sollten ab 2012 und in den kommenden Jahren entstehen. Allein die 14 Millionen Quadratmeter große King Abdullah Economic City kostet 86 Milliarden Dollar und soll einen Hafen so groß wie Rotterdam bekommen. Das soll Hunderttausende Jobs bringen, denn die Arbeitslosigkeit bei den 20- bis 25-Jährigen liegt bei 40 Prozent.

Wohnungsbau

67 Milliarden Dollar sind für Bauprojekte vorgesehen. Allein 500 000 neue Häuser sollen errichtet werden. Neuer günstiger Wohnraum soll die Wohnungsnot beenden.

Gesundheit

19 Prozent des Staatshaushalts sollten ab 2012 in den Gesundheitssektor fließen. Für 65 Milliarden Dollar werden seitdem 121 Spezial-Kliniken gebaut und 66 Krankenhäuser modernisiert. Die Zahl der Krankenhausbetten sollte dabei von 54 000 in 2012 auf 97 500 im Jahr 2014 steigen.

Autoindustrie

Die Experten von „Business Monitor International“ haben errechnet, dass der Autoabsatz in Saudi-Arabien allein 2011 um zehn Prozent auf 688 900 Fahrzeuge zugelegt hat. Die Nachfrage soll künftig nicht mehr allein durch Importe gedeckt werden. Bis 2020 soll eine heimische Autoindustrie mit einer jährlichen Produktionskapazität von 650000 Fahrzeugen aufgebaut werden.

Bildung

Für vier Milliarden Dollar wurde die Princess Nora Bint Abdul Rahman Universität in Riad für 60 000 Studentinnen gebaut. Zuvor war schon die King Abdullah University for Science & Technology gegründet worden. Für weitere Milliarden sind andere große Unis in Planung. Zudem sollen Schulen und Kindergärten massiv ausgebaut werden.

Verkehr

38 Milliarden Dollar sollten von 2012 an allein bis 2014 in den Ausbau des Schienennetzes und in Straßen gesteckt werden. Ganz neue Eisenbahnlinien sollen auch künftig entstehen, Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen vor allem für Rohstofftransporte gebaut werden. Weitere 11,3 Milliarden Dollar kostet aktuell der Flughafenausbau.

Energie

Der Strombedarf wächst rapide. Um den Energiehunger dauerhaft stillen zu können, müssen künftig 40 Prozent des bisher zur Stromgewinnung eingesetzten Öls eingespart werden. Dazu sollen 16 Atomkraftwerke durch die französische Areva und die saudische Bin Laden Group im Wert von über 100 Milliarden Dollar gebaut werden. Weitere 100 Milliarden Dollar sollen binnen zehn Jahren in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt werden.

Öl und Gas

Dieser Sektor nimmt sich mit aktuell geplanten Investitionen von 37 Milliarden Dollar fast schon bescheiden aus. Allein 25 Milliarden verschlingen zwei neue Raffinerien für Saudi Aramco in Jubail und Yanbu.

Ein Kernpunkt ist Syrien: Als Obama den Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime als „rote Linie“ bezeichnete, dann aber dennoch nicht eingriff, als Giftgas mehr als 1000 Syrer tötete, war Riad schockiert. „Wir sahen rote Linien, die der US-Präsident zog, die mit der Zeit rosarot und am Ende ganz weiß wurden“, höhnte Prinz Turki al-Faisal, der ehemalige saudische Geheimdienstchef, später. Den USA missfällt dagegen, dass die Saudis in dem Konflikt die ein oder andere ungeliebte Rebellengruppe finanzieren.

Oder der Streitfall Iran: Saudi-Arabien liefert sich mit dem schiitischen Land ein erbittertes Ringen um die Dominanz in der Region. Vor diesem Hintergrund ist die sunnitische Monarchie empört darüber, dass die USA sich mit Teheran für Verhandlungen über dessen Atomprogramm einsetzt. Nicht nur hält sie das für vergebliche Liebesmüh'. Auch fühlt sich nicht ausreichend eingebunden. Die USA ärgern sich hingegen über Riads „Blockadehaltung“ bei dem Thema.

Ähnliche verzwickt ist die Lage bei Ägypten. Den Saudis ist ein stabiles vom Militär gelenktes Regime lieber als eine mächtige Muslimbruderschaft. Doch die Amerikaner können sich nicht zu einer pro-saudischen Haltung durchringen – oder zu irgendeiner Haltung.

Kommentare (1)

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27.03.2014, 14:57 Uhr

wer woll wohl dann noch wissen, was die Sudis wollen +++++++++++++++++++++++++

SydneyIn Australien ist ein riesiges Schieferölvorkommen entdeckt worden - unklar ist aber bislang, ob es sich auch lohnt, es auszubeuten. Der australische Ölkonzern Linc Energy teilte mit, im Arckaringa-Becken im Süden des Landes lagerten zwei unabhängigen Gutachten zufolge an drei Stätten insgesamt bis zu 233 Milliarden Barrel Schieferöl.

Die Analysen „weisen darauf hin“, dass die drei Gesteinsschichten „reich an Kerogen“ seien, einer Vorstufe von Erdöl und Erdgas. Das Vorkommen sei „Weltklasse“, teilte Linc Energy mit.

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