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17.10.2011

12:46 Uhr

Staatsbesuch

Wulff hat ein offenes Ohr für Soldaten in Afghanistan

Beim Truppenbesuch in Nord-Afghanistan nimmt sich Bundespräsident Christian Wulff viel Zeit für die deutschen Soldaten und zivilen Helfer. Er wünscht sich ein sicheres Land, dass man mit dem Auto bereisen kann.

Bundespräsident Christian Wulff wünscht sich mehr gesellschaftliche Anerkennung für den gefährlichen Einsatz der Soldaten. dapd

Bundespräsident Christian Wulff wünscht sich mehr gesellschaftliche Anerkennung für den gefährlichen Einsatz der Soldaten.

Masar-i-ScharifDie schusssichere Weste ist ihm ein bisschen unangenehm, und den Helm setzt er lieber gar nicht auf, als er in Kabul die Transall der Luftwaffe besteigt, um nach Masar-i-Scharif im Norden des Landes zu fliegen. Bundespräsident Christian Wulff ist nicht Karl-Theodor zu Guttenberg, der Kampfanzug als modisches Statement ist nicht seine Welt.

Auch am Abend, als sich viele hundert deutsche und internationale Angehörige der Schutztruppe Isaf im Atrium vom Camp Marmal versammeln zu Grillfleisch und Bier und Musik aus den 70er Jahren, übertreibt der Mann aus Niedersachsen die Lockerheit nicht. Er lässt die Krawatte weg, als er zu den Soldaten spricht, das ist es aber auch. Wulff ist müde, kaum mehr als zwei Stunden Schlaf gab es auf dem Flug von Berlin nach Kabul, und trotzdem zieht er von Tisch zu Tisch, um sich die Sorgen der Deutschen anzuhören. Zweieinhalb Stunden nimmt er sich Zeit, um mit weit über 100 Soldatinnen und Soldaten persönlich zu sprechen.

Bisher hatte sich Wulff in seiner Amtszeit zum Thema Afghanistan wenig geäußert, umso akribischer wurde seine erste Reise an den Hindukusch vorbereitet. Es ist ein offizieller Staatsbesuch, im Vorfeld der großen Afghanistan-Konferenz in Bonn im Dezember. Aber der zweite Teil der 48-Stunden-Reise gehört den Deutschen im Land - und vor allem der militärischen Abteilung.

Wulff wünscht sich mehr gesellschaftliche Anerkennung für den gefährlichen Einsatz und zitiert Umfragen, wonach zwei Drittel der Deutschen das genau so sehen. Dass in anderen Umfragen etwa gleich viele einen sofortigen Rückzug der deutschen Truppen fordern, sagt er nicht.

Der Bundespräsident spielt den Soldaten in Masar-i-Scharif nichts vor, tut nicht so, als sei er einer der ihren. Alles Schneidige ist ihm fremd, und trotzdem kommt er an bei den Männern und Frauen in Uniform, weil er sich Zeit für sie nimmt. „Hier wird die Welt ein Stück sicherer gemacht“, sagt er. Immerhin gebe es Lichtblicke, aus denen Leuchttürme für Afghanistan werden müssten. Die Menschen im Atrium hören es mit Wohlgefallen.

Kommentare (2)

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WIR

17.10.2011, 13:25 Uhr

Pfui ihre Politker

wird jetzt schon der Budnespräsident als Drogenkurier eingesetzt?

Unter dem schutz der NATO hat es Afganistan endlich geschafft 90% der Welt Drogenmarktes (Mohn) für sich sicher zu stellen.

Pfui, dass unsere Politker sich mit Drogenproduzenten ins "Bett" legen.

gerhard

17.10.2011, 15:16 Uhr

"Wulff wünscht sich mehr gesellschaftliche Anerkennung für den gefährlichen Einsatz und zitiert Umfragen, wonach zwei Drittel der Deutschen das genau so sehen. Dass in anderen Umfragen etwa gleich viele einen sofortigen Rückzug der deutschen Truppen fordern, sagt er nicht", (Zitat)

Na- ja mit der "gesellschaftlichen Anerkennung" ist nach 10 Jahren Krieg es so eine Sache.

Und noch früher ?

Zu Beginn des Jahres 326 v. Chr. stieß Alexander (der Grosse) mit zwei Heeren ins Tal des Flusses Kabul vor, das damals ein Teil Indiens war. Der Vorstoß war von besonderer Grausamkeit gekennzeichnet. Immer seltener ließ Alexander gegenüber eroberten Regionen Großzügigkeit walten. Städte und Dörfer wurden zerstört und ihre Bevölkerungen ermordet. (Quelle Wikipedia)
Doch Afganistan überlebte!

Und Wulff denkt schon an seinen dreieinhalbjährigen Sohn Linus und wünscht sich, dass es „irgendwann einmal“ möglich sein wird, mit dem Zug oder dem Auto ganz selbstverständlich von Deutschland nach Indien zu reisen, über die Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan.

Na -ja - die Gedanken sind frei -aber Tatsachen sind dafür immer nüchtern.

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