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02.08.2012

12:55 Uhr

Staatsdienst

Hollande streicht 65.000 Stellen

Vor allem das Militär wird es treffen: Frankreichs Präsident Francois Hollande will im Staatsdienst aufräumen und so Platz für Neueinstellungen schaffen. Damit verschärft er allerdings auch eines seiner größten Probleme.

Beim Militär will Francois Hollande rund 55.000 Stellen streichen. dapd

Beim Militär will Francois Hollande rund 55.000 Stellen streichen.

ParisFrankreichs Präsident Francois Hollande will mit dem Streichen von 65.000 Jobs im Staatsdienst Platz schaffen für die Neueinstellung von zehntausenden Lehrern und tausenden von Polizisten. In den kommenden fünf Jahren sollten jährlich 13.000 Stellen gestrichen werden, sagte ein Regierungsmitarbeiter am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Bei der geplanten Gewichtsverschiebung im öffentlichen Dienst solle die Gesamtzahl der Staatsbediensteten unverändert bleiben. Nach den Angaben des Regierungsmitarbeiters sollen Entlassungen vermieden, dafür aber frei werdende Stellen nicht neu besetzt werden.

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Am stärksten vom Stellenabbau betroffen sei das Verteidigungsministerium, erklärte der Regierungsmitarbeiter. Dort sollten im kommenden Jahr 7.500 Stellen wegfallen. Das Finanzministerium solle 2.500 Stellen abschmelzen, das Umwelt- und Wohnungsbauministerium jeweils 1.300 Stellen. Im Gegenzug sollen nach und nach 65.000 Lehrer-Stellen besetzt werden und 5.000 neue Stellen bei der Polizei und Justiz. Hollande will damit Wahlversprechen erfüllen.

Nach Angaben des Regierungsmitarbeiters sollen die Staatsausgaben nicht stärker als die Inflationsrate anwachsen. Hollande hat zudem versprochen, die Neuverschuldung auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückzuführen. Dabei stehen noch relevante Ausgaben aus. Geplant ist ein Programm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Außerdem sollen Betriebe gefördert werden, die junge Arbeitskräfte einstellen ohne die alten zu kündigen.

Die Mittel für diese Pläne sollen vor allem durch Einsparungen beim Militär erbracht werden. Dort sollen als Teil einer allgemeine Verkleinerung der Streitkräfte bis 2017 rund 55.000 Stellen gestrichen werden. Diese Pläne erschweren allerdings das erklärte Ziel Hollandes, die Arbeitslosigkeit abzubauen. Diese hat in Frankreich momentan ein 13-Jahres-Hoch erreicht.

Von

rtr

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

02.08.2012, 13:31 Uhr

Cleverer Schachzug. Die Kosten pro Kopf sind beim Militär um ein Vielfaches höher als für einem normalen Beamten.

Würde ich auch Merkel empfehlen.^^

ArneOevsen

02.08.2012, 13:32 Uhr

Eine kleine Säuberungsaktion um auf Linie zu bleiben, nichts weiter.

Fronkraisch

02.08.2012, 13:41 Uhr

Der franz. Sozialist Mitterand hat in seiner Amtszeit den frz. Franc DREI MAL (3!) gegenüber der D-Mark abgewertet, um die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs zu verbessern und die Schulden abzuwerten.
Hollande steht in der gleichen Tradition und hat mit exakt gleichen Wahlversprechungen sein Amt erorbert. Da er aber keine Möglichkeit hat, die Währung abzuwerten, um so drastische Sparmaßnahmen zu umgehen, bleibt ihm die EZB-Politik. Aber auf Dauer wird das Frankreich auch nicht helfen...

Zum Vergleich: Während VW, BMW, Audi etc. schöne Umsatz- und Gewinn-Rekorde vermelden, benötigt Renault dringende Staatshilfen...

Frankreich ist das dritte von vier Großen im EURO-Raum, die den Bach runtergehen werden. Spanien kippt, Italien rutscht, Frankreich wackelt... Da nirgendwo ernsthaft daran gedacht wird, harte Sparmaßnahmen durchzusetzen und die Wettbewerbsfähigkeit durch Kostenreduzierung anzustreben, wird der EURO untergehen. Denn auch das gesunde Deutschland kann nicht alle durchfüttern...

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