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27.01.2012

12:52 Uhr

Staatspleite in Griechenland?

Europa spielt den Ernstfall durch

In Davos demonstriert die Politik Zuversicht, dass ein Schuldenschnitt Athen retten kann. Tatsächlich arbeiten Staaten und Unternehmen mit Hochdruck an Notfallplänen, wie eine Pleite Griechenlands beherrscht werden kann.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble diskutiert mit seinem französischen Amtskollegen Francois Baroin in Davos über die Euro-Krise. dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble diskutiert mit seinem französischen Amtskollegen Francois Baroin in Davos über die Euro-Krise.

Davos/LuxemburgBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kennt die Nervosität der Finanzmärkte. In Davos sagt er deshalb nur Sätze, die als Beruhigungspille gedacht sind. „Wir können und wollen eine Staatspleite Griechenlands vermeiden“, sagte er in der Congress Halle in Davos bei einer Veranstaltung zur Zukunft der Eurozone. Doch selbst in den Augen des deutschen Finanzministers gilt die Prognose nicht uneingeschränkt. Es sei nicht einfach, dass Griechenland seine Staatsschulden bis 2020 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukt drücke. Voraussetzungen sei, dass Griechenland jetzt endlich die verabredeten Reformen umsetzen, mahnte er auf der großen internationalen Bühne.

Aber in Berlin und in den Topetagen der deutschen Wirtschaft hat sich die Tonlage längst gedreht. „Wir sind dank unterschiedlicher Maßnahmen auf diesen Fall vorbereitet und könnten die Folgen abfedern“, sagt Unionsfraktionschef Michael Meister auf die Frage, was im Fall einer Pleite Griechenlands zu erwarten sei. Inzwischen stellen sich neben dem IWF auch die Bundesregierung und deutsche Konzerne auf einen Staatsbankrott Griechenlands ein - nicht als Wunschkonzept, aber als realistisches schlimmster anzunehmender Fall.

In vertraulichen Treffen mit Bankvorständen und Unternehmenschefs hatten auch Kabinettsmitglieder ihre Zweifel geäußert, dass Griechenland nach einem teilweisen Schuldenerlass die Wende schaffen kann. Die Kanzlerin hatte schon vor zwei Wochen in einer vertraulichen Runde, an der die wichtigsten Vorstandschefs der Dax-Konzerne teilnahmen, vor der außerordentlich schwierigen Lage in Griechenland gewarnt, wie verschiedene Teilnehmer übereinstimmend dem Handelsblatt berichteten. Wirtschaftsminister Philipp Rösler äußerte sich in Davos nach einem Frühstück mit Wirtschaftsvertretern in gleicher Weise. Die Manager erhoben keinen Widerspruch und ermunterten in beiden Gesprächen zu härterem Vorgehen. Das Vorstandsmitglied eines Dax-Konzerns in Davos: "Wir müssen uns auf das Drachme-Szenario vorbereiten und tun das auch."

Tatsächlich sieht die Zukunft des Landes trotz der Milliardenzahlungen der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) düster aus. Griechenland befindet sich bereits im fünften Jahr in der Rezession. Täglich erhöht sich das Handelsbilanzdefizit um 75 Millionen Euro. Die Wirtschaftsbasis im Land ist zu schwach, um in einem Währungsverbund, der keine Chance auf Abwertung und damit Verbilligung der Exporte bietet, den internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Der Aufbau wettbewerbsfähiger Strukturen aber kann Jahrzehnte dauern.

Vor diesem Hintergrund wachsen die Zweifel, dass Griechenland mit einem Schuldenschnitt und dem zweiten Rettungspaket der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch zu retten ist. Zwar kündigte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Davos an, die Einigung mit den Banken über den Schuldenschnitt werden noch an diesem Wochenende kommen. Doch schon am Donnerstag hatte er gesagt, dieser Schuldenschnitt werde wohl nicht ausreichen. Weitere staatliche Hilfen der Euro-Länder - über das geplante zweite Griechenland-Hilfspaket im Volumen von mindestens 130 Milliarden Euro hinaus - seien zwingend. Ob und wie Griechenland einen Kompromiss mit dem Internationalen Bankenverband IIF erreichen könne, sagte Rehn nicht. Klar scheint nur, dass die Euro-Länder Überlegungen nach einem Forderungsverzicht der Europäischen Zentralbank (EZB) auf griechische Staatsanleihen ausgesprochen kritisch sehen.

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Schäuble und sein französischer Kollege Francois Baroin betonten in Davos, dass mit der Verabschiedung des neuen Fiskalpakts auf dem EU-Gipfel Anfang kommender Woche ein wichtiger Schritt zur Lösung der Schuldenkrise in Europa unternommen werde. Man sei dabei, Schritt für Schritt Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, sagte Baroin. Anders als Bundesfinanzminister Schäuble sprach sich der Franzose für  einen möglichst gut ausgestatten Euro-Rettungsfonds aus. „Je höher die Brandmauer, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Rettungsfonds zum Einsatz kommen muss“, argumentierte Baroin. Die Brandmauer, also die Höhe des Ausleihvolumens des permanenten Rettungsfonds, sei „eines der wichtigsten Elemente der Krisenbewältigung“.

Schäuble hält nicht viel von noch mehr Geld zur Abschreckung der Finanzmarktspekulanten. Auch die Forderungen von Finanzinvestor George Soros nach einem schuldenfinanzierten Wachstumsprogramm lehnte er strikt ab. „Ich halte nichts davon“, sagte er. Mehr Wachstum bekomme man nicht durch mehr Schulden. „Investoren bekommen dann wieder Vertrauen in Europa, wenn die Verschuldung sinkt.“

Inzwischen ist Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, mit Blick auf Griechenland lange eher Optimist, ist ins Lager der Pessimisten gewechselt: "Die Regierung strengt sich zwar an, doch die Strukturreformen kommen zu langsam voran", sagte er dem Handelsblatt. "Erst am Montag ist ein wichtiges Reformgesetz im Parlament gescheitert. Das wirft einen Schatten auf Griechenland."

Weil alle Rettungsbemühungen offenbar nicht fruchten, bereiten sich wichtige deutsche Großunternehmen intern auf eine Rückkehr Griechenlands zur Drachme vor. Die Bilanzen griechischer Tochterunternehmen werden auf ihre Relevanz für die Gesamtbilanz geprüft.

Kommentare (82)

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27.01.2012, 13:02 Uhr

Interessant.

Petra

27.01.2012, 13:11 Uhr

Herr Ober, ich habe sehr gut gespeist und getrunken.
Bringen Sie mir nun auch Geld, damit ich bezahlen kann!

EinBuerger

27.01.2012, 13:16 Uhr

Griechenland - ein Staat dessen Bürger mit Billigung dieses Staates keine Steuern zahlten und zahlen und dieses Schwarzgeld dafür in Sicherheit ins Ausland brachten und bringen, dieser verrottete Staat verlangt jetzt ewige Unterstützung von seinen Nachbarn ohne an seinen Strukturen etwas zu ändern.

Da hilft nur was einst ein Sachsenkönig sagte: "Macht euern Dreck aleene!" Und zwar sofort und ohne weitere Diskussion.

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