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20.06.2014

02:17 Uhr

Staatsschulden

Hedgefonds will mit Argentinien verhandeln

Annäherungszeichen im Tauziehen um ausstehende Staatsschulden: Argentinien und Hedgefonds in den USA könnten zu einem Kompromiss kommen. Die US-Justiz hat den Investoren das Recht zu einer vollen Auszahlung zugestanden.

Möglicher Kompromiss für Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner in Aussicht: Zwischen Argentinien und einer Gruppe von Hedgefonds um 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Mrd. Euro) aus alten Staatsschulden könnte es Verhandlungen geben. dpa

Möglicher Kompromiss für Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner in Aussicht: Zwischen Argentinien und einer Gruppe von Hedgefonds um 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Mrd. Euro) aus alten Staatsschulden könnte es Verhandlungen geben.

New York/Buenos AiresIn den Streit zwischen Argentinien und einer Gruppe von Hedgefonds um 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Mrd. Euro) aus alten Staatsschulden kommt Bewegung. Der Hedgefonds Elliott sei offen für Verhandlungen und würde neue Anleihen als Teil eines Vergleichs akzeptieren, schrieb das „Wall Street Journal“ am Donnerstag unter Berufung auf eine Person, die mit der Strategie von Elliott vertraut sei.

Unklar ist, inwieweit Argentinien zu Kompromissen bereit ist. In der kommenden Woche soll den Gläubigern, die bislang keine Umschuldung akzeptiert hatten, ein neuer Kompromissvorschlag vorgelegt werden. Dies sagte ein Anwalt der Regierung des südamerikanischen Landes bei einer Gerichtsanhörung in New York, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Télam am Mittwoch (Ortszeit). „Es ist geplant, in der kommenden Woche hier mit den Verweigerern zu verhandeln, um diese Situation zu lösen“, sagte demnach Anwalt Carmine Boccuzzi.

Argentinien ringt seit Jahren mit Investoren um die Rückzahlung von Schulden, die aus der Staatspleite von 2001 resultieren. Das Land hatte damals seine Gläubiger zu massiven Abschreibungen gedrängt. Fast alle Anleihehalter fanden sich bei zwei Umschuldungen 2005 und 2010 mit einem Bruchteil ihrer Forderungen ab, um nicht völlig leer auszugehen. Investoren unter Führung von Elliott forderten indes weiter die volle Rückzahlung und siegten vor US-Gerichten.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Erst am Montag lehnte der Oberste Gerichtshof einen Berufungsantrag ab. Das Berufungsgericht in New York hatte zudem am Mittwoch die Verfügung aufgehoben, die die Zahlungen an die Hedgefonds gestoppt hatte. Solange das Land die Hedgefonds nicht auszahle, darf es auch seine restlichen Anleihen nicht bedienen - dies würde einen Zahlungsausfall bedeuten. Der nächste Zahlungstermin ist am 30. Juni fällig. Mit Zinsen geht es bei der Forderung der Hedgefonds um insgesamt 1,5 Milliarden Dollar. Argentinien muss sich vor US-Gerichten mit den Hedgefonds auseinandersetzen, weil die Anleihen seinerzeit unter internationalem Recht aufgelegt worden waren.

Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicilloff warnte, dass die Zahlungen an die „Aasgeier-Fonds“ das Land in die Pleite treiben könnten. Argentinien wolle an jene 92 Prozent der Gläubiger zahlen, die die Umschuldung akzeptiert hatten. Mit sieben Prozent hatte es keine Einigung gegeben, ein Prozent der Gläubiger zogen vor Gericht.

Von

dpa

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