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10.04.2012

17:24 Uhr

Staatsschulden

Spanien rutscht immer tiefer in die Krise

Die Spanier geraten immer mehr in den Sog der europäischen Finanzkrise. Madrid will seine Ausgaben zwar um zehn Milliarden Euro senken, die Anleger bleiben aber misstrauisch.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy will noch mehr sparen - die Anleger beruhigt das nicht. dpa

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy will noch mehr sparen - die Anleger beruhigt das nicht.

MadridSpanien rückt in der europäischen Finanzkrise immer stärker in den Mittelpunkt. Die Regierung des von Schulden geplagten Landes verkündet ein Sparvorhaben nach dem anderen, aber die Nervosität und die Sorgen auf den Finanzmärkten halten unvermindert an. Die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone wird das Gespenst einer möglichen internationalen Rettungsaktion nicht los.

Der Staatshaushalt für 2012 ist noch nicht vom Parlament verabschiedet worden, aber er erwies sich schon jetzt als veraltet. Ministerpräsident Mariano Rajoy kündigte über Ostern zusätzliche Einsparungen an. Der konservative Regierungschef will die Ausgaben im Bildungs- und Gesundheitswesen um zehn Milliarden Euro senken. Das Budget für 2012 sah bereits die höchsten Einsparungen in der jüngeren Geschichte des Landes vor: Es soll durch drastische Streichungen in fast allen Bereichen und zusätzliche Steuereinnahmen eine Lücke von über 27 Milliarden Euro schließen.

Die Risikozuschläge bei den Zinsen für spanische Staatsanleihen steigen kontinuierlich. dapd

Die Risikozuschläge bei den Zinsen für spanische Staatsanleihen steigen kontinuierlich.

Die Anleger ließen sich davon aber nicht beeindrucken und blieben misstrauisch. Die Folge: Die Renditen für spanische Staatsanleihen stiegen auf den höchsten Stand seit dem Höhepunkt der Schuldenkrise im November 2011. Mit Zinssätzen in einer Größenordnung von 5,8 Prozent für Zehn-Jahres-Anleihen erreichten sie ein Niveau, das für das von Schulden geplagte Land auf Dauer nicht tragbar ist.

Auch die Ankündigung zusätzlicher Einsparungen brachte nicht die erhoffte Wende. Die Risikozuschläge bei den Zinssätzen für spanische Staatsanleihen stiegen auch am Dienstag unvermindert an. „Man bekommt das Gefühl, dass die Regierung mit ihren Entscheidungen den Ereignissen hinterherläuft“, schrieb die Zeitung „El Mundo“. „El Periódico“ meinte gar: „Rajoy vermittelt den Eindruck, als herrsche in seiner Wirtschaftspolitik ein Durcheinander.“ Dass das jüngste Sparvorhaben das Misstrauen der Anleger in die spanischen Finanzen nicht beheben konnte, dürfte einen einfachen Grund haben: Die Regierung kann selbst nicht darüber entscheiden, wie im Gesundheits- und Bildungswesen zehn Milliarden Euro eingespart werden sollen; denn beide Bereiche liegen in der Zuständigkeit der Regionen. Zwar regiert Rajoys Volkspartei einen großen Teil der 17 Regionen des Landes, aber nicht in den zwei größten, nämlich Andalusien (8,4 Millionen Einwohner) und Katalonien (7,5).

Kommentare (6)

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Petra

10.04.2012, 17:56 Uhr

Wer die Grundrechenarten anwenden kann, für den ist das nichts Neues!
Entweder waren unsere Politiker zu dumm um das vorherzusehen, oder unsere Politiker wussten was da auf uns zukommt!
IN BEIDEN FÄLLEN GEHÖREN SIE ABGESTRAFT!!!!!!!!!

Account gelöscht!

10.04.2012, 19:16 Uhr

Spanien ist nicht pleite!
Spanien braucht keine Hilfe von der EU!
Spanien schafft seine Probleme alleine!

So hören wir es jeden Tag.
Das gleiche hörten wir auch von Griechenland, Irland, Portugal und werden es auch von den anderen PIIG(F)S hören.
Und wir werden fleisig zahlen, denn wir sind ja eine Familie, oder nicht?

Umdenker

12.04.2012, 08:56 Uhr

@Pandora0611
Ich würde Sie bitten, wie auch viele andere Kommentatoren zu diesem Thema, sich mal mit den Fakten auseinander zu setzen wem hier geholfen wird und wo das Geld landet. Im Falle GR ist nämlich nur ein Bruchteil der EU Hilfen bei der Bevölkerung (ob nun direkt oder indirekt durch staatliche Aufwendungen) angekommen.

Der Grossteil ist an Gläubiger/Banken gegangen und viel von diesem Geld ist wieder zurück nach Deutschland geflossen und zwar an Personen/Institutionen die oft sowieso schon zu den gut betuchten gehören. Es ist keine Umverteilung von DE->GR oder DE->EU, sondern eher eine von unten nach oben (wie so oft schon in der Geschichte, aber natürlich schafft man es immer wieder auf andere Sundenböcke zu lenken).

Man muss das einfach differenziert sehen. Klar gibt es Korruption und Ausnutzung von Staatsgeldern auch in GR (und wenn man sich Meinungen der GR Bevölkerung anhört, dann hört und liest man da auch viel Selbstkritik "wir haben geschmiert und schmieren lassen, wir haben bei Fakelaki und sonstwas mitgemacht").

Doch nehmen wir mal die Voraussetzungen. In der breiten Masse immer niedrigere Löhne -> immer geringere Steuereinnahmen -> kein Aufbau von Vermögen möglich -> immer kleineres soziales Auffangnetz und um irgendwie über die Runden zu kommen muss man tricksen oder Kredite aufnehmen. Man kann den Kuchen nicht immer weniger Menschen zuteilen und dann noch gleichzeitig immer weniger Brösel unter rausfallen lassen und sich wundern wenn immer mehr "ich habe Hunger" schreien. Hatten wir alles schon in den 30er Jahren. Kaptialakkumulation, so gut wie keine Steuern auf Vermögen und Niedriglöhne bei den AN -> Massenarmut. Und das machen wir jetzt wieder in der ganzen EU.

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