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17.01.2015

12:36 Uhr

Stärkung von Assad-Gegnern

Türkei lieferte angeblich Waffen an al-Qaida

Von Hackern veröffentlichte Dokumente erhärten den Verdacht, dass die türkische Regierung Waffen an Terroristen liefert. Demnach wurden Waffen nach Syrien geschmuggelt – um die dortige al-Qaida zu unterstützen.

Blick auf Kobani an der türkisch-syrischen Grenze: Kämpft die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien mit türkischen Waffen? dpa

Blick auf Kobani an der türkisch-syrischen Grenze: Kämpft die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien mit türkischen Waffen?

Düsseldorf/IstanbulSeit einem Jahr ebbt der Verdacht, die türkische Regierung liefere Waffen an radikale Islamisten in Syrien, nicht ab. Im Internet veröffentlichte Dokumente sollen nun belegen: Ankara hat drei Lastwagenladungen mit Kriegswaffen an al-Qaida geschickt. Eine Hackergruppe stach jüngst geheime Protokolle, aus denen dies hervorgeht.

Informationen von „Spiegel Online“ zufolge waren am 19. Januar 2014 drei Lastwagen in der türkischen Provinz Adana auf dem Weg nach Syrien gestoppt worden. Aufgrund eines dringenden Verdachts veranlasste der Staatsanwalt Aziz Takci die sofortige Durchsuchung der Lkw und setzte sich damit gegen Geheimdienstler durch, die den Konvoi in einem Audi begleitet hatten.

Die Protokolle beschreiben, wie die Geheimdienst-Agenten gegen die Durchsuchung demonstrierten. Takci habe sich allerdings durchgesetzt und ließ die Lastwagen beschlagnahmen, zu einer Kaserne fahren und dort von Soldaten durchsuchen.

Erdogan gegen Twitter, Facebook und Co.

5./6. Februar 2014

Das türkische Parlament nimmt einen Gesetzentwurf der Regierung für eine verschärfte Internetkontrolle an. Demnach dürfen Behörden Seiten auch ohne richterlichen Beschluss sperren.

25. Februar

Erdogan bezeichnet auf YouTube veröffentlichte Telefonmitschnitte als Fälschungen. Zu hören ist angeblich, wie er seinen Sohn auffordert, große Geldsummen vor Korruptionsermittlern in Sicherheit zu bringen.

5. März

Erdogan bestätigt laut Nachrichtenagentur Anadolu, dass die über YouTube verbreitete Aufnahme eines seiner Telefongespräche echt ist. Darin geht es um einen Prozess gegen den Medienunternehmer Aydin Dogan, mit dem die türkische Regierung zeitweise zerstritten war.

6. März

Nach der Veröffentlichung zahlreicher kompromittierender Telefonmitschnitte droht Erdogan in einem Interview des Senders ATV mit der Blockade von Facebook und YouTube. Nach der Kommunalwahl am 30. März würden weitere Schritte unternommen.

11. März

Erdogan relativiert in der regierungsnahen Zeitung „Yeni Safak“: Eine vollständige Sperre komme nicht infrage.

20. März

Laut Nachrichtenagentur Anadolu droht Erdogan: „Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreißen. Was dazu die internationale Gemeinschaft sagt, interessiert mich überhaupt nicht.“

21. März

Der Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter wird gesperrt.

In den Lastwagen befanden sich dem nun veröffentlichten Dokument zufolge Waffen, Raketen und Munition mit kyrillischer Schrift. Möglicherweise ein Hinweis auf die russische Herkunft der Kriegswaffen? Dem geleakten Papier zufolge war die Fracht für al-Qaida bestimmt.

Dennoch sei kurze Zeit nach der Beschlagnahmung der Lastwagen der Gouverneur der Adana-Provinz aufgetaucht und habe dem Konvoi die Erlaubnis zur Weiterfahrt erteilt. Die Waffenlieferung scheint danach ohne weitere Zwischenfälle ihr Ziel erreicht zu haben.

Die offizielle Version der türkische Regierung zu dem Vorfall lautete bis heute: Der Konvoi habe lediglich Hilfslieferungen beinhaltet. Dieser Wortlaut stammt von ganz oben. Recep Tayyip Erdogan, seines Zeichens Staatspräsident der Türkei und damals Premierminister des Landes, empörte sich gar: „Sie dürfen keinen Lastwagen stoppen. Sie haben dazu keine Befugnis!“

Ankara reagierte barsch auf die jüngsten Veröffentlichungen und ließ kurz nach Auftauchen der Dokumente Mittwochnacht alle Internetseiten sperren, die darüber berichteten. Sollten auf Twitter und Facebook entsprechende Berichte auftauchen, könnten diese Medien einem Gerichtsurteil zufolge ebenfalls gesperrt werden.

Von

skr

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