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20.09.2011

09:32 Uhr

Standard & Poor's

Berlusconi wütet gegen Herabstufung von Italien

„Von Medien diktiert und von politischen Erwägungen fehlgeleitet“: Italiens Premier Berlusconi schießt gegen das harte Rating-Urteil. Die Herabstufung habe mit der Realität nichts zu tun. Die Märkte sehen das anders.

Silvio Berlusconi. AFP

Silvio Berlusconi.

RomDie Herabstufung Italiens durch die Ratingagentur Standard & Poor's reflektiert nach Darstellung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi nicht die Realität. „Die Einschätzung von Standard & Poor's scheint mehr von Medienberichten als von der Realität diktiert worden zu sein. Sie scheint auch von politischen Erwägungen negativ beeinflusst“, sagte Berlusconi am Dienstag. Die Regierung habe bereits Maßnahmen zur Haushaltssanierung eingeleitet. Schritte zur Förderung des Wirtschaftswachstums seien in Vorbereitung.

Die US-Ratingagentur hatte die langfristige und die kurzfristige Bonität Italiens am Montag herabgestuft. Als Grund nannte S&P „die sich abschwächenden Wachstumsaussichten“ und die Einschätzung, dass die derzeitige Koalition die Fähigkeit Roms einschränke, entschlossen auf die Schuldenkrise zu reagieren.

Durch eine Senkung der Bonitätsnote wird es für Länder in der Regel teurer, an den Finanzmärkten Kredite aufzunehmen. Die Börse in Mailand öffnete nach der Entscheidung mit Verlusten. Der italienische Leitindex gab um 1,3 Prozent nach.

Auch der deutsche Aktienmarkt reagierte nervös. Der Dax verlor in den ersten Minuten bis zu 0,9 Prozent auf 5369 Zähler. Die Ratingagentur S&P bewertet die Kreditwürdigkeit Italiens nun nur noch mit der Note „A/A-1“ nach bislang „A+/A-1+“. „Das kommt zwar nicht völlig überraschend, aber hilft natürlich nicht gerade, Ruhe in den Markt zu bringen“, sagte ein Händler. Börsianer fürchten, dass die Herabstufung Italiens mitten in der Zitterpartie um die Finanzhilfen für Griechenland neue Angst vor einem Übergreifen der Krise auf andere Staaten schürt.

Neben den europäischen Sorgenkindern haben die Anleger am Dienstag auch den ZEW-Konjunkturindex im Blick. Analysten rechnen damit, dass der Index im September weiter gefallen ist.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht aber immer noch Griechenland. Der Euro-Schuldensünder braucht dringend neue Finanzspritzen der Geldgeber EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (EZB). Sollte diese sogenannte Troika der Regierung in Athen nicht die erforderlichen Reformfortschritte bescheinigen, ist die nächste milliardenschwere Hilfstranche in Gefahr - und dem Land droht die Staatspleite.

Die Gespräche mit den Troika-Experten sollen an diesem Dienstag fortgesetzt werden. Ein Vertreter des griechischen Finanzministeriums äußerte sich zuversichtlich, dass es dann zu einem Durchbruch kommt. Die Regierung werde voraussichtlich am Mittwoch zu einer Kabinettssitzung zusammenkommen und danach eine Erklärung abgeben.

Das sind Italiens größte Probleme

Der Schuldenberg

Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.

In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.

Hohe Neuverschuldung

Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.

Schwaches Wachstum

Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.

Export und Konsum

Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.

Kommentare (18)

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lol

20.09.2011, 09:35 Uhr

Il Duce parla....

MaWo

20.09.2011, 09:38 Uhr

Hallo,
haben Italiener wirklich verdient mangelhaft, quasi aus dem Bordell regiert zu werden?

Katzelmacher

20.09.2011, 09:43 Uhr

Berlusconi; Führer des großrömischen Reiches. Salve Silvio.
Brutto Stronzo!

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