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27.04.2015

11:29 Uhr

Standort Deutschland

Ausland investiert so stark wie nie

3,2 Milliarden Euro steckten Investoren aus dem Ausland im vergangenen Jahr in Projekte in Deutschland – die Investitionen übertreffen sogar das Rekordjahr 2013. Deutschland punktet nicht nur mit guter Infrastruktur.

Ausländische Investoren lassen sich unter anderem durch die Forschungslandschaft hierzulande locken. dpa

Forschung am Standort Deutschland

Ausländische Investoren lassen sich unter anderem durch die Forschungslandschaft hierzulande locken.

BerlinDeutschland lockt vor allem wegen des wachsenden Interesses aus China so viele ausländische Investoren an wie noch nie. 2014 schoben sie 1199 neue Projekte an – 21 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013. Dabei wurden mindestens 16.000 Arbeitsplätze geschaffen und mehr als 3,2 Milliarden Euro investiert, wie aus einer Studie der für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständigen Gesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) hervorgeht.

„Deutschland ist der sichere Hafen in Europa und eines der am schnellsten wachsenden Industrieländer“, sagte GTAI-Experte Achim Hartig am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist für Investoren attraktiv.“ Auch mit der guten Infrastruktur, der günstigen Lage in der Mitte Europas und gut ausgebildeten Fachkräften werde gepunktet. „Unsere Forschungslandschaft ist ebenfalls ein gutes Standortargument.“

Die mit Abstand meisten Investoren kamen aus China. Die USA wurden auf Platz zwei verdrängt. Allein 190 Projekte wurden von Firmen aus der Volksrepublik angeschoben – von der Produktion über Vertrieb bis hin zu Forschung und Entwicklung.

Das ist ein Zuwachs um 37 Prozent im Vergleich zu 2013. US-Firmen sorgten für 168 neue Ansiedlungen, Schweizer für 130. „Ausländische Unternehmen investieren bevorzugt in Unternehmens- und Finanzdienstleistungen“, sagte Hartig. „Sehr gefragt sind auch Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Software-Sektor.“

Chinesische Großinvestitionen in Ost- und Südosteuropa

Serbien:

Bisher zwei Milliarden Euro zugesagt für Kraftwerke und Autobahnen. Weitere realisierte und geplante Investitionen Pekings sind:

Ungarn und Serbien:

Vertrag zum Neubau der 350 Kilometer langen Eisenbahnstrecke Budapest-Belgrad unterzeichnet. Investition: zwei Milliarden Euro

Bosnien-Herzegowina:

Verhandelt wird über Erweiterung des Kraftwerks in Tuzla für rund 750 Millionen Euro. Neubau des Kraftwerks Stanari für 500 Millionen Euro weit fortgeschritten

Montenegro:

Erste Autobahn in Richtung Norden über 42 Kilometer wird von China gebaut und mit knapp 690 Millionen Euro finanziert.

Mazedonien:

China baut seit Frühjahr 57 Kilometer Autobahn im Westen des Landes für 375 Millionen Euro.

Bulgarien:

Chinesische Fabrik zur Automontage in Lowetsch für knapp 100 Millionen Euro.

Tschechien:

Chinesisches Energieunternehmen CEFC will mit 680 Millionen Euro bei Investmentgruppe J&T einsteigen, die in den Bereichen Energie, Bergbau und Finanzen tätig ist.

Griechenland:

Chinesische COSCO-Reederei hat 60 Prozent des Hafens von Piräus gepachtet.

Rumänien:

Das Land hofft auf Ausbau des Atomkraftwerks Cernavoda durch China.

Mehr als die Hälfte der Investoren kommt aus Europa. Deutschland ist wegen seiner guten Binnenkonjunktur für südeuropäische Unternehmen interessant, da sie hier die Flaute auf ihren Heimatmärkten wettmachen können. Für Asiaten wiederum zählt vor allem der Zugang zu Technologie und die günstige Lage.

Die meisten ausländischen Projekte lockte Baden-Württemberg an, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin. „Die Hauptstadt zieht vor allem für die digitale Wirtschaft an“, sagte GTAI-Experte Hartig.

Ausländische Investoren haben sich nicht nur neu auf der grünen Wiese angesiedelt, sondern auch viele deutsche Firmen geschluckt. 489 Übernahmen und Fusionen registrierte Germany Trade & Invest. Hier führten die USA mit 114 Deals, gefolgt von Großbritannien (58) und der Schweiz (44).

Von

rtr

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