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19.05.2015

20:02 Uhr

Standort London und der Brexit

Kofferpacken an der Themse?

VonMatthias Thibaut

Der wiedergewählte Premier David Cameron nimmt mit Volldampf Kurs auf das EU-Referendum. Europa-Gegner feilen an Kampagnen, andere wie die Deutsche Bank planen für den Notfall – und bereiten die Flucht von der Insel vor.

EU-Referendum: Fluch und Segen für Cameron

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LondonEs wird ernst mit dem EU-Referendum: Unmittelbar nach der feierlichen Parlamentseröffnung und dem Thronrede der Queen will Premier David Cameron nächste Woche das Gesetz einbringen. Nicht nur in Großbritannien beginnt mit Macht die Debatte um den Brexit, den Bruch der Briten mir der EU. Europa-Gegner feilen schon an der Strategie für ihre Austrittskampagne. Andere planen für den Notfall.

Als erste der großen Londoner Banken beginnt die Deutsche Bank mit einer Analyse möglicher Brexit-Folgen an ihrem Standort London – wo sie mit 9000 Beschäftigten die größte der fast 250 internationalen Banken ist. Eine Arbeitsgruppe soll prüfen, welche Aktivitäten besser in der Euro-Zone oder nach Deutschland zurückverlagert werden, sollten die Briten für den Austritt aus der EU stimmen. Die „Financial Times“ spricht von einem „Warnschuss“. Die Bank selbst betont, man sei in den ersten Stadien der „Szenario Planung“, nichts sei entschieden.

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Banger Blick aus Brüssel gen Großbritannien: Camerons Sieg könnte Europas Niederlage einleiten, denn der Premier lässt nun über einen EU-Austritt abstimmen. Für Deutschland wäre ein Brexit vor allem eines: teuer.

Solchen Analysen und Zukunftskalkulationen wird es in Zukunft viele geben. Überall arbeiten Think Tanks und Lobbygruppen an Berechnungen und Austrittsszenarien. Ihre Bandbreite ist enorm – sie gehen von einem Verlust von bis zu einem „Zehntel“ des BIP nach der pessimistischsten Analyse des Centre for Economic Performance der London School of Economics aus. Andere Szenarien sind rosiger wie etwa eine Einschätzung des Adam Smith Institutes, das solche Berichte als „Angstmacherei“ bezeichnet und folgert, Großbritannien sei „einzigartig gut platziert“, um im Alleingang vom globalen Wachstum zu profitieren.

Die Londoner Finanzdienstleistungsbranche, kurz als „City“ bekannt, gilt mit ihren Hunderttausenden von Jobs und ihrem Anteil von schätzungsweise zwölf Prozent am britischen Steueraufkommen als Achillesferse bei einem Brexit. Eines der bisher umfassendsten Brexit-Szenarien, das von dem Pro-EU Reform Think Tank „Open Europe“ entwickelt wurde, identifiziert die Finanzdienstleistungsbranche als den Bereich, wo ein „Post-Brexit“ Arrangement zwischen Großbritannien und der EU „am härtesten zu verhandeln“ wäre.

Ohne einen möglicherweise kostspieligen Sonderzugang zum gemeinsamen Markt, wie etwa Norwegen, müsste sich Großbritannien mit einem „Drittland“ Status zufriedengeben, also ein deutlich reduzierter Marktzugang ohne Einfluss auf die Regulierung. Die Finanzbranche fürchtet, ohne „EU-Pass“ für ihre Produkte vom europäischen Markt ausgeschlossen zu werden.

Allerdings: Als die Großbank HSBC vor der Wahl schon einen Wegzug aus London andachte, war der Auslöser nicht die drohende Brexit-Kulisse, sondern Druck auf Bankerboni, Regulierungsdruck aus London und Brüssel und die Finanztransaktionssteuer. Und die angedachten Alternativstandorte lagen nicht in der Euro-Zone, sondern in Asien – Schanghai oder Hongkong.

Kommentare (1)

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Herr Klaus Hofer

20.05.2015, 14:42 Uhr

Um es vorweg zu sagen : Ein Verbleib Großbritanniens in der EU ist wünschenswert. Es zeugt indes von einem merkwürdigen Demokratieverständnis, wenn geradezu Angst vor einem Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der EU geschürt wird. Man hält die Wähler dann augenscheinlich nicht für kompetent genug, über diese Frage abzustimmen. Zugegeben - ich stimme mit manchen Positionen von Herrn Cameron nicht überein. Aber daß er eine in Großbritannien weitverbreitete Auffassung, wonach nicht die EU über Flüchtlingsquoten entscheiden dürfe, sondern die einzelnen Mitgliedsstaaten über die Ausgestaltung ihres Einwanderungsrechts zu befinden haben respektiert, ist völlig in Ordnung. Wenn die EU sich um ihre eigene Attraktivität sorgt, so sollte dies vielleicht Anlaß sein, die zunehmende Verlagerung von Entscheidungen nach Br

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