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12.01.2015

15:52 Uhr

Starinvestor in der Ukraine

Soros wirbt in Kiew für Geldsegen

VonNina Jeglinski

Die Ukraine diskutiert darüber, wie viel Geld sie zum Wiederaufbau nötig hat. US-Investor George Soros glaubt, die Ukraine brauche 50 Milliarden Dollar. Heute ist er in Kiew und wirbt für internationale Gelder.

Wenn er sich für ein Anliegen auf internationaler Bühne stark macht, kann sich etwas verändern: George Soros bewegte den IWF schon einmal zu einem Großkredit an die Ukraine. Reuters

Wenn er sich für ein Anliegen auf internationaler Bühne stark macht, kann sich etwas verändern: George Soros bewegte den IWF schon einmal zu einem Großkredit an die Ukraine.

KiewAnna Gopko und Alex Ryabchin stehen an diesem verregneten, nasskalten Montagvormittag in der Lobby eines Kiewer Nobelhotels, in der Präsidenten-Suite wartet der 84-jährige Multimilliardär George Soros auf die Jung-Politiker. Zusammen mit Vertretern der ukrainischen Regierung und der Nationalbank soll die katastrophale Wirtschaftslage des Landes besprochen werden.

Ende vergangener Woche hatte Soros in einem Interview mit der „Financial Times“ die internationale Gemeinschaft aufgefordert, der Ukraine so schnell wie möglich, am besten noch im ersten Quartal dieses Jahres, Finanzhilfen in bisher unbekannten Größenordnungen zukommen zu lassen. Soros sprach von 50 Milliarden Dollar, die nicht nur zum Wiederaufbau des Landes, zur Modernisierung der Wirtschaft und zur Beseitigung der Kriegsschäden in der Ost-Ukraine nötig seien. Das Geld werde auch der EU, insbesondere bei der Rettung des Euros helfen.

Soros’ Idee sieht so aus: Mit den Hilfen könne der Westen ein wichtiges psychologisches Signal setzen. Der Geldsegen für die Ukraine werde beim russischen Präsidenten Wladimir Putin ein Umdenken erzeugen, um seine Aggressionen gegen Kiew einzudämmen.

Die ukrainischen Parteien und ihre Köpfe

Petro-Poroschenko-Block

Die Parlamentswahl soll der krisengeschüttelten Ukraine an diesem Sonntag eine stabile Regierung bringen. Wegen der Gefechte im Osten werden aber vorerst nur 424 der 450 Sitze in der Obersten Rada in Kiew vergeben, es gilt die Fünfprozenthürde. Um 225 Sitze bewerben sich 29 Parteien mit mehr als 3000 Kandidaten, die restlichen 199 Mandate werden per Direktwahl bestimmt. Stimmberechtigt sind gut 36 Millionen Bürger. Die aussichtsreichsten Parteien im Überblick.

PETRO-POROSCHENKO-BLOCK: „Zeit für Einigkeit“ ist der Slogan der neu gebildeten Partei von Präsident und Namensgeber Petro Poroschenko. Sie liegt in Umfragen weit vorne. Spitzenkandidat ist der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko, der einen Wechsel vom Rathaus ins Parlament bisher kategorisch ausschließt. Vizeregierungschef Wladimir Groisman auf Listenplatz Vier gilt als Vertrauter von Poroschenko und wird als dessen Favorit für das Ministerpräsidentenamt gehandelt.

Oppositionsblock Silnaja Ukraina

Vertreter der bis zum Machtwechsel im Februar regierenden Partei der Regionen treten getrennt an. Ex-Vizeministerpräsident Juri Boiko muss mit dem Oppositionsblock um den Einzug bangen. Sicher im Parlament dürfte dagegen der ehemalige Sozialminister und Vizeregierungschef Sergej Tigipko mit seiner wiederbelebten Kraft Silnaja Ukraine (Starke Ukraine) sein.

 

Swoboda

Den Rechtsradikalen um Parteiführer Oleg Tjagnibok werden in Umfragen nur geringe Chancen für einen Wiedereinzug gegeben.

Vaterlandspartei

Die Partei von Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko hat sich nach dem Weggang „altgedienter Kader“ verjüngt. Listenplatz Eins trat Timoschenko demonstrativ an die Militärpilotin Nadeschda Sawtschenko ab, die in Russland wegen Mordverdachts im Gefängnis sitzt. Kiew wirft Moskau politische Motive in dem Fall vor.

Radikale Partei

Frontmann ist der Abgeordnete Oleg Ljaschko. Sein Markenzeichen ist eine Heugabel, mit der er Kiew „ausmisten“ will.

Narodny Front

Ganz auf Regierungschef Arseni Jazenjuk zugeschnitten ist der Wahlkampf der neugegründeten Volksfront. Auf ihrer Liste stehen viele Kabinettsmitglieder, etwa Innenminister Arsen Awakow. Auch Parlamentspräsident Alexander Turtschinow und der frühere Sicherheitsratschef Andrej Parubij sowie Journalisten und Frontkämpfer stehen Jazenjuk zur Seite. Viele Spitzenkandidaten arbeiteten früher in der Vaterlandspartei von Julia Timoschenko.


Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk blieb bisher eine Antwort auf die Frage schuldig, wie groß der Finanzbedarf seines Landes für 2015 und die kommenden Jahre ist. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt verbat sich Finanzministerin Natalia Jaresko alle Spekulationen über einen bevorstehenden Staatsbankrott der Ukraine.

Fakt ist jedoch, dass im Jahr 2014 die Landeswährung Griwna fast 60 Prozent ihres Wertes verlor, die Inflation lag bei 25 Prozent, die Devisenreserven der Nationalbank betrugen im Dezember 2014 noch etwas mehr als zehn Milliarden US-Dollar, laufende Rechnungen für Gas aus Russland werden mit Mitteln aus Krediten des Internationalen Währungsfonds gezahlt. Obwohl westliche Partner aus EU und den USA der Ukraine seit fast einem Jahr zu massiven Wirtschaftsreformen raten, werden dringend notwendige Maßnahmen aufgeschoben.

Anna Gopko und Alex Ryabchin sind erst seit Ende Oktober Parlamentsabgeordnete. Beide stehen für einen politischen Neuanfang in der Ukraine. Die 32-Jährige frühere Journalistin Anna Gopko leitet den Auswärtigen Ausschuss der Werchowna Rada. Sie gehört der als Bürgerrechtspartei geltenden Vereinigung Samopomitsch an, eine politische Neugründung des vergangenen Jahres. Für sie ist Soros nicht nur der „reiche Onkel aus den USA“, sondern auch jemand, der den Aufbau von Zivilgesellschaften unterstützt.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

12.01.2015, 15:57 Uhr

Und da sind Sie wieder, die Abzocker der Finanzindustrie...erst einen Flächenbrand/Bürgerkrieg entfesseln lassen und dann als "Retter" Absahner dastehen. Und das Volk....scheiß egal...wird nur als Stimmvieh gebraucht.

Herr Fred Meisenkaiser

12.01.2015, 16:05 Uhr


Hier wurde das schon Ende letzter Woche gemeldet. Soros hat Angst um das Geld, welches er uns stehlen will!

"http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/08/anzeichen-von-panik-hat-sich-soros-der-ukraine-verspekuliert/"

Herr Fred Meisenkaiser

12.01.2015, 16:07 Uhr

@ Marc Hofmann

Da stimme ich ihnen mal zu! Aber diesen Soros halten sie nicht für sozialistisch - Oder? Das sind nämlich die eigentlichen Lumpen - deutlicher möchte ich nicht werden!

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