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23.02.2017

09:21 Uhr

Steigende Inflation

EZB-Ratsmitglied gegen geldpolitische Wende

Die EZB will mit ihrem auf 2,3 Billionen Euro angelegten Wertpapier-Kaufprogramm die Konjunktur anschieben. Jetzt ist das Inflationsziel fast erreicht, doch EZB-Ratsmitglied Ardo Hansson mahnt zur Vorsicht.

Bei der Europäischen Zentralbank sieht man die zunehmende Inflation in Europa positiv. dpa

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main

Bei der Europäischen Zentralbank sieht man die zunehmende Inflation in Europa positiv.

FrankfurtEZB-Ratsmitglied Ardo Hansson hat sich trotz der anziehenden Teuerung im Währungsraum gegen einen sofortigen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ausgesprochen. „Der Anstieg der Inflation ist eine gute Nachricht aus Sicht der Notenbank, aber es ist wichtig, genau hinzuschauen“, sagte der Zentralbankchef Estlands der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstagausgabe). Derzeit fehle die Bestätigung, dass die Inflation wirklich zurückgekehrt sei. „Wir müssen noch ein paar mehr Monate positive Überraschungen erleben“, so Hansson. Dann seien vielleicht Korrekturen nötig.

Die Leitzinsen im Währungsraum liegen auf dem Rekordtief von Null Prozent. Erst im Dezember beschloss die EZB, ihre in Deutschland umstrittenen massiven Staatsanleihenkäufe bis Ende 2017 zu verlängern. „Das ist nicht sehr lange her“, argumentiert Hansson. Aus seiner Sicht müssen Notenbanker in ihrer Geldpolitik beständig sein. „In dieser unruhigen politischen Lage sollte eine Zentralbank eher ein Stabilitätsfaktor sein, als dass sie zu Turbulenzen beiträgt.“ Dieses Jahr stehen unter anderem in den drei wichtigen Euro-Ländern Frankreich Deutschland und den Niederlanden Wahlen an.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Mit ihrem auf 2,3 Billionen Euro angelegten Wertpapier-Kaufprogramm wollen die Währungshüter die Konjunktur anschieben und für mehr Inflation sorgen. Im Januar ist die Teuerung in der Euro-Zone aber auf 1,8 Prozent nach oben geschnellt, was nahe am EZB-Ziel von knapp zwei Prozent liegt. Daraufhin hatten unter anderem manche Volkswirte eine rasche Wende in der Geldpolitik gefordert.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Unbekannt

23.02.2017, 11:00 Uhr

Wie erklär ich's meinen dummen EU-Bürgern, insbesondere den Deutschen?

Jede Zinserhöhung würde den ganzen Süden der Euro-Zone in den Staatsbankrott treiben. Also muss die Gelddruckerei munter weiter gehen, und das über viele Jahre, bis die Staatsschulden über die Inflation entwertet sind.

Die Frau Bundeskanzlerin hat die passende Antwort: Am Besten gar nicht drüber reden, schon gar nicht im Deutschen Bundestag. So hat Sie's bei Honni gelernt.

G. Nampf

23.02.2017, 11:08 Uhr

@Helmut Baltes 23.02.2017, 11:00 Uhr

EURO und Deutschland passen einfach nicht zusammen.

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