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17.03.2012

09:09 Uhr

Steiger Award Bochum

Erdogan sagt Besuch ab

Eigentlich sollte der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan am heutigen Samstag in Bochum einen Freundschafts-Preis empfangen. Der Preis war umstritten, Erdogan sagt seinen Besuch ab – aber aus anderen Gründen.

Erdogan sagt Deutschlandbesuch ab

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BochumWegen des Absturzes eines türkischen Militärhubschraubers in Afghanistan könne er nicht kommen, ließ Erdogan dem Veranstalter der Preisverleihung, Sascha Hellen, mitteilen, wie dieser am Freitag auf seiner Internetseite bekannt gab. Bei dem Unglück waren 14 Menschen ums Leben gekommen.

„Wir hätten Erdogan gerne bei uns begrüßt“, sagte Hellen. Man habe aber Verständnis für die Absage. „Unser Mitgefühl gilt den Familien der Opfer.“ Auf die Veranstaltung in Bochum werde sich die Absage nicht
auswirken, sagte Hellen. „Wir haben noch zehn weitere Preisträger“, sagte der Event-Manager.

Der türkische Ministerpräsident sollte an diesem Samstag Abend in Bochum mit dem Steiger Award 2012 ausgezeichnet werden. Der Preis sollte ihm „für 50 Jahre deutsch-türkische Freundschaft stellvertretend für das türkische Volk“ übergeben werden, so die Veranstalter. Mit dem aus einer Privatinitiative entstandenen Preis sollen laut den Initiatoren Persönlichkeiten gewürdigt werden, „die sich durch Geradlinigkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz auszeichnen“.

Gegen diese Aussage und die geplante Auszeichnung Erdogans hatte es heftige Proteste gegeben. An diesem Samstag wollen nach Polizeiangaben ab mehrere tausend Menschen in
der Bochumer Innenstadt protestieren. Demonstrationen wurden unter anderem von alevitischen, armenischen und kurdischen Organisationen angemeldet, die sie nach erstem Bekunden auch nach der Absage Erdogans durchführen wollen.

Auch aus der Politik kam Kritik. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte, einen Toleranz-Preis ausgerechnet an Erdogan zu vergeben, sei eine bizarre und geschmacklose Fehlleistung. In der Türkei herrsche Unterdrückung von religiösen und ethnischen Minderheiten, mangelnde Pressefreiheit und fehlende Gleichberechtigung von Frauen.

Beim dem Absturz des türkischen Nato-Hubschraubers waren in Afghanistan zwölf Soldaten und zwei Zivilisten getötet worden. Der Helikopter war nach Polizeiangaben am Freitagvormittag aus noch ungeklärter Ursache in ein Haus nahe der Hauptstadt Kabul gestürzt und hatte Feuer gefangen. Die Türkei ist mit 1850 Soldaten am internationalen Afghanistan-Einsatz beteiligt.

Kommentare (26)

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LWW

17.03.2012, 09:53 Uhr

Ich verstehe nicht, wie türkische Ministerpräsident, der Beziehungen zu der Hamas pflegt (siehe Quelle 1), der sich kontraproduktiv in die deutsche Integrationsdebatte einschaltet (siehe Quelle 2) und der den Genozid an den Armeniern leugnet (siehe Quelle 3) einen Preis in Deutschland verliehen bekommen kann.

Quelle 1:
http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/ministerpraesident_der_hamas_trifft_erdogan_in_istanbul_1.14024533.html
Quelle 2:
http://europenews.dk/de/node/7032
Quelle 3:
http://europenews.dk/de/node/6959

Account gelöscht!

17.03.2012, 10:22 Uhr

Das nennt man staatlich verordneten Kulturterror. Ist doch in Deutschland inzwischen salonfähig. Gerade das Oberhaupt der so sehr von allen "geliebten" Türkei hier überhaupt einzuladen grenzt an absolutem Versagen dieser elitären Wahnsinnigen. Der Typ und Co (Co, will ich nicht betiteln) sollen bleiben wo der Pfeffer wächst.

Ich

17.03.2012, 11:19 Uhr

Ist halt wie bei allen solchen Auszeichnungen – einfach sich seinen Teil denken.

Yasser Arafat, Barack H. Obama > Friedensnobelpreis
Adolf Hitler > Time Magazine "Man of the Year"

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