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03.05.2016

17:48 Uhr

Steinmeier im Niger

An der Wurzel der Fluchtursachen

In Afrika hoffen Hunderttausende auf eine Zukunft in Europa. Ein wichtiges Transitland: der Niger. Erstmals ist nun ein deutscher Außenminister zu Besuch. Dabei bekommt man eine Ahnung davon, wie schwierig Hilfe wird.

Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault und Außenminister Frank-Walter Steinmeier besichtigen in Niamey im afrikanischen Niger das Aufnahmezentrum IOM. dpa

Steinmeier und Ayrault besuchen Niger

Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault und Außenminister Frank-Walter Steinmeier besichtigen in Niamey im afrikanischen Niger das Aufnahmezentrum IOM.

NiameyManchmal liegen Glanz und Elend in Afrika tatsächlich ganz eng beieinander. In Niamey, der Hauptstadt des Niger, des ärmsten Landes auf dem ganzen Kontinent, sind es am Dienstag nur ein paar Minuten. Mittags dinieren Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein französischer Kollege Jean-Marc Ayrault noch bei Präsident Mahamadou Issoufou auf dessen großartiger Terrasse.

Eine Viertelstunde später geht es dann ins Flüchtlingsheim – zu zwei Dutzend Afrikanern, die auf dem Weg nach Europa weit vor dem Ziel gestrandet sind, irgendwo in der Sahara. Jetzt sind sie auf dem Weg nach Hause. Das Geld ist weg und die Illusionen auch.

Der Niger hat sich zu einem der wichtigsten Durchgangsländer für afrikanische Flüchtlinge entwickelt, die nach Europa kommen wollen. In diesem Jahr, so vorsichtige Schätzungen, werden es mehr als 120.000 Leute versuchen, aus Ländern wie Gambia, Senegal oder Mali. Allein in der dritten April-Woche versuchten 10.000 ihr Glück.

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Türkei – Italien kostet 3800 Dollar, Libyen – Italien „nur“ 2500: Schlepper verdienen Millionen an den Flüchtlingen. Die kriminellen Netzwerke sind immer besser organisiert. Sie werben mittlerweile sogar auf Facebook.

Zudem sind etwa 200.000 Flüchtlinge permanent im Land – meistens Menschen, die vor Krieg und islamistischem Terror in den Nachbarländern geflohen sind. Wer also wissen will, was es tatsächlich bedeutet, „Fluchtursachen zu bekämpfen“ – einen Satz, den man von Politikern seit Monaten immer wieder hört – ist im Niger am richtigen Ort.

Für die Deutschen ist das eine ziemlich neue Erfahrung. Bis zur Flüchtlingskrise hat sich Berlin für die ehemalige französische Kolonie nicht übermäßig interessiert. Bis Dienstag hatte der Niger in 66 Jahren Unabhängigkeit noch nie einen Bundesaußenminister zu Besuch.

Die Bande mit Frankreich, dem früheren Kolonialherrn, hingegen sind nach wie vor eng. Der Niger hat enorm viel Uran, was die Franzosen für ihre Atomkraftwerke brauchen. Nebeneffekt des Uran-Abbaus ist allerdings, dass die radioaktive Strahlung in einigen Gegenden sehr hoch ist. Im Länder-Index der Vereinten Nationen, mit dem der Entwicklungsstand gemessen wird, liegt der Niger auf Länderplatz 188. Es ist der allerletzte.

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