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27.01.2017

12:26 Uhr

Stephen Bannon

„Medien sollten den Mund halten“

Das Verhältnis von Donald Trump und den Medien ist gelinde gesagt angespannt. Jetzt teilt auch der Chefstratege des US-Präsidenten gegen die Presse aus – ausgerechnet in einem Zeitungsinterview.

Stephen Bannon ist einer der wichtigsten Berater von US-Präsident Donald Trump. AFP; Files; Francois Guillot

Stephen Bannon

Stephen Bannon ist einer der wichtigsten Berater von US-Präsident Donald Trump.

WashingtonUS-Präsident Donald Trump und sein Chefstratege Stephen Bannon haben die Medien erneut scharf angegriffen. Trump bezeichnete in einem Fox News-Interview einen Großteil der US-Medien als „sehr, sehr unaufrichtig“. „Ehrlich, das sind „fake news“. Das ist nicht echt. Sie erfinden Dinge“, erklärte er dem erzkonservativen Fox-News-Journalisten Sean Hannity am Donnerstag (Ortszeit). Trump hatte schon nach seinem Amtsantritt von einem Krieg gegen die Medien gesprochen.

Sein Strategiechef Bannon attackierte mit Blick auf die Wahl-Berichterstattung die renommierte „New York Times“ direkt. „Sie verstehen dieses Land nicht. Sie haben immer noch nicht begriffen, warum Trump Präsident ist. Sie sollten sich schämen und demütig sein und den Mund halten und mal eine Weile lang zuhören.“ Die „Elitemedien“ hätten in Bezug auf den Wahlausgang zu 100 Prozent falsch gelegen. „Deshalb habt Ihr keine Macht“, sagte der frühere Chef des stramm konservativen Portals Breitbart News in einem Interview der „New York Times“. „Ihr wurdet gedemütigt.“

Die wichtigsten Zitate aus Trumps Einführungsrede

Der Einstieg

Trump kündigte einschneidende Veränderungen in Washington an. Zu lange hätten Politiker profitiert und das Establishment, aber nicht die einfachen Leute, die ihre Arbeit verloren hätten. „Das ändert sich alles, jetzt beginnt es, genau hier“, sagte Trump. „Das ist Euer Moment, das ist Euer Tag. Die USA sind Euer Land.“ Dieser 20. Januar werde in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem das Volk die Macht zurückerhalte.

Er will für Veränderungen sorgen

Donald Trump fuhr damit fort, den gegenwärtigen Zustand der USA zu kritisieren. „Mütter und Kinder leben mitten in unseren Städten in Armut“, erklärte er. Man habe die Grenzen von anderen Ländern verteidigt, während man die eigenen vernachlässigt habe. Das ende hier und jetzt, versprach Trump. Mit seinem Eid habe er einen Eid an das amerikanische Volk geleistet, erklärte er.

„America first“

Die Vergessenen würden nicht länger vergessen werden, sagte Trump. „Wir haben andere Länder reich gemacht“, sagte er, während eine Fabrik nach der anderen in den USA geschlossen habe. „Aber das ist Vergangenheit. Und jetzt schauen wir nur nach vorne.“ In jedem Teil des Landes solle nun eine neue Vision das Land regieren: „Amerika zuerst - Amerika zuerst“. Jede Entscheidung werde dieser Maxime gehorchen, ob in der Wirtschaft oder der Außenpolitik. „Ich werde mit jeder Faser meines Herzens kämpfen. Ich werde Euch niemals im Stich lassen.“

Für den Patriotismus

Trump beschwor die Menge mit ähnlichen Worten, wie er sie schon im Wahlkampf benutzt hatte. „Amerika wird wieder gewinnen“, erklärte er. „Wir werden unsere Jobs zurückbringen. Wir werden uns unsere Grenzen zurückholen. Wir werden unseren Wohlstand zurückbringen. Wir werden unsere Träume zurückbringen.“ Er rief dazu auf, zusammenzustehen. „Wenn Du Dein Herz für den Patriotismus öffnest, dann ist darin kein Platz für Vorurteile.“

Kein leeres Gerede mehr

Trump appellierte an die Solidarität der Amerikaner. Er sagte, wenn Amerika vereint sei, sei es nicht aufzuhalten. „Wir werden ungleich größer träumen“, sagte Trump. Die Zeit leeren Geredes sei vorbei. „Nun ist die Stunde des Handelns gekommen.“ Niemand solle sich einreden lassen, dass das nicht zu schaffen sei. Amerika müsse seine Teilung überwinden. „Ob wir weiß oder schwarz sind, uns alle eint das rote Blut der Patrioten.“

Den islamistischen Terror bekämpfen

Trump rief dazu auf, den islamistischen Terrorismus auszulöschen. Der neue US-Präsident sagte, man werde den radikal-islamischen Terrorismus vom Antlitz der Erde verschwinden lassen.

Das Ende

Trumps Rede endete mit der Wiederholung seines Wahlkampfversprechens. „Zusammen werden wir Amerika wieder großartig machen.“

Gleichzeitig stellte er klar, dass er die Medien als politischen Gegner begreift. „Ihr seid die Opposition“, sagte Bannon. „Nicht die demokratische Partei. Ihr seid die Opposition. Die Medien sind die Oppositionspartei.“ US-Medien wiesen Bannons Aussage zurück. „Wir sind nicht die Opposition“, stellte der Chefredakteur des Investigativ-Nachrichtenportals ProPublica, Stephen Engelberg, in der „New York Times“ klar. „Wir sind Teil der grundlegenden Funktion einer jeden Demokratie.“ Man sei da, um die Wahrheit zu berichten. „Und wir beabsichtigen, das weiter zu tun, egal, wie sehr jemand versucht, uns dazu zu bringen, „alternative Fakten“ nachzuplappern.“

Den Begriff der „alternativen Fakten“ hatte Trumps Beraterin Kellyanne Conway eingeführt, nachdem ihr Kollege Sean Spicer in einer seiner ersten Pressekonferenzen mehrfach nachweislich gelogen hatte: Das Weiße Haus habe Fakten, die den Fakten widersprächen, sagte Conway in einem NBC-Interview.

Der Präsident der Korrespondenten-Vereinigung im Weißen Haus, Jett Mason, kündigte an, man werde sich gegen mögliche Beschränkungen der Berichterstattung wehren. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). Zwar seien die Journalisten auch Konkurrenten, sodass Geschlossenheit nicht immer gelinge. „Dennoch kämpfen wir gemeinsam um Zugang zu den Informationen“, sagte Mason. „Notfalls müssten wir uns gemeinsame Aktionen wie einen Boykott oder Streik überlegen, dazu wären wir bereit.“

Viele US-Medien haben bereits angekündigt, aus ihren Fehlern in der Wahlberichterstattung lernen zu wollen und mehr direkt vor Ort aus dem ganzen Land zu berichten. Einige Häuser haben auch angekündigt, ihre Berichterstattung über die Regierung zu intensivieren und die Redaktionen in der US-Hauptstadt aufzustocken.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Sergio Puntila

27.01.2017, 09:22 Uhr

Bannon and his Masters Voice - so stand neulich irgendwo geschrieben - sind ungefähr so gelenkig wie die ersten hölzern wirkenden Schritte jenes Algorithmus, mit dem sie ihre Wähler beglücken

Herr Bernhard Ramseyer

27.01.2017, 09:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich

Frau Annette Bollmohr

27.01.2017, 10:09 Uhr

„Medien sollten den Mund halten“

Das könnte dem so passen. Gott sei Dank denken die "Medien" da überhaupt nicht dran.

Und, fast noch wichtiger: Er wird niemals jemanden wirklich am Denken, Nachforschen, Reden und Schreiben hindern können.

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